Nur die Besten dürfen mitspielen
Das Bundesjugendorchester gastiert in Salzau
Hamburg. Einer haut bei den Münchner Philharmonikern auf die Pauke, ein anderer ist Solo-Cellist bei den Berliner Philharmonikern. Eine zupft bei der Radio-Philharmonie Hannover des NDR die Harfensaiten, eine andere spielt Oboe im NDR-Sinfonieorchester. Eines haben alle gemeinsam: Sie erlernten ihr Orchester-Handwerk im Bundesjugendorchester - dem jüngsten deutschen Spitzenorchester. Mancher verließ die Talentschmiede auch als Solist, die Bratschistin Tabea Zimmermann beispielsweise, oder der Geiger Christian Tetzlaff.
Gegründet wurde die musikalische Nationalmannschaft 1969, zu einer Zeit, als Elitenbildung und Frackzwang verpönt waren. Dem Deutschen Musikrat, der bis heute Träger des Bundesjugendorchesters ist, gelang es dennoch, die musikalischen Talente auf die Bühne zu holen und die Deutsche Stiftung Musikleben und das Bonner Familienministerium als Förderpartner zu gewinnen.
"Wir alle lieben das Orchester", sagt Irene Schulte-Hillen von der Deutschen Stiftung Musikleben. Die Stiftung fördert das Orchester seit 35 Jahren und organisiert Konzerte und Tourneen. So auch das Sonderkonzert beim Schleswig-Holstein Musik Festival am 6. August in Salzau - eine Station der Sommertournee 2004, die das Bundesjugendorchester von Hannover über Bad Kissingen bis nach Berlin führt.
Seit dem 22. Juli proben die Nachwuchsmusiker bereits mit Eiji Oue, dem Chef der NDR-Radiophilharmonie, in der Akademie Blossin in Brandenburg. Am 3. August geht es dann auf Konzertreise. In Salzau gibt es Sinfonische Tänze aus Bernsteins "West Side Story", den Mänadentanz aus der Oper "Die Bassariden" von Henze sowie Strawinskys "Sacre du Printemps" zu hören.
Kein leichtes Programm, könnte man meinen. Aber im Bundesjugendorchester spielen nur Musiker, die etwas vorweisen können, die Besten ihres Jahrgangs. "Man kann nicht einfach sagen, ich will da mitspielen", erklärt Schulte-Hillen. "Man wird eingeladen. Es ist eine Ehre, in dieses Orchester aufgenommen zu werden." Und wie kommt man zu dieser Ehre? Man muss zwischen 14 und 20 Jahre alt sein und seine Begabung bereits bei Wettbewerben bewiesen haben. Eine sichere Eintrittskarte ist ein erster Preis beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert".
Wer es geschafft hat, verpflichtet sich für mindestens zwei Jahre und hat während dieser Zeit die Möglichkeit, mit Profis große Orchesterwerke zu erarbeiten. Dirigenten wie Kurt Masur, Heinrich Schiff, Heinz Holliger oder Gerd Albrecht haben das Bundesjugendorchester in den letzten Jahren geleitet. Dafür nehmen die Nachwuchsmusiker einige Entbehrungen gern in Kauf. Sie proben dreimal im Jahr und verzichten auf Weihnachts-, Oster- und einen Teil der Sommerferien.
Trotz der harten Fingerarbeit bleibt aber immer noch ein wenig Platz für Teenager-Bedürfnisse. Lebenslange Freundschaften entstehen hier, weiß Schulte-Hillen. Und wie richtige Teenager haben die Hochbegabten natürlich auch ein Kuscheltier, das liebevoll gehegt und gepflegt wird und bei Problemen aller Art tröstet. Teddy Konrad sitzt bei den Konzerten auf der Bühne und reist nach den Arbeitsphasen mit einem Orchestermitglied nach Hause.
6. 8., 20 Uhr Konzertscheune Salzau, Kartentel.: 01805 / 74 63 20 04.



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