Keine Lust mehr auf "Wa(h)re Liebe"
Erotikmagazin: Zum Jahresende ist Schluss mit Lilo Wanders' freizügiger Vox-Show
Hamburg. Wie sieht eigentlich Trauerbeflaggung in Deutschlands Swinger-Clubs aus? Schwarze Dessous auf Halbmast? Und was bedeutet es, wenn ein Nackter geknickt ist? Im Januar könnte man das herausfinden, denn dann verabschiedet sich eine Erotik-Ikone für immer von der kommerziellen Hemmungslosigkeit: "Wa(h)re Liebe", die porno-affine Sündensendung des Privatsenders Vox wird eingestellt.
Nicht einmal zwei Monate ist es her, dass die "Wa(h)re Liebe"-Moderatorin Lilo Wanders (hinter deren Netzstrümpfen sich der Hamburger Travestiekünstler Ernie Reinhardt verbirgt) ihr zehntes Dienstjubiläum feiern konnte. Nun möchte Vox "eine neue Programmstruktur" etablieren, die auf dem Sendeplatz exklusive BBC-Reportagen und Dokumentationen vorsieht.
Als wäre es dort vorher nicht lehrreich zugegangen. Wer wusste denn schon, was hinter den Kulissen der internationalen Porno-Industrie abgeht? Wo genau sich Frauen ihr Spielzeug besorgen? Dass es unter der unschlagbaren Überschrift "Katja Anal Total", ergänzend zum entsprechenden Sendebeitrag, auf der Website "Tipps und Tricks" für Anfänger gibt? Warum man, ihr lieben Liebenden, über Bastian Pastewkas Wanders-Imitation Brisko Schneider lachen muss? Wer wusste das vorher? Und wer, bitte schön, wollte das wissen?!
Zuletzt immerhin 1,2 Millionen Zuschauer, was einem Marktanteil von knapp neun Prozent entspricht. Nun aber hat der Sender keine Lust mehr auf die "Wa(h)re Liebe" und stellt sozusagen den Verkehr ein.
Ganz anders als Lilo Wanders. Sie, die behauptet, zu der Sendung "den gesunden Abstand eines Leichenwäschers" zu haben, will weitermachen. Denn zwar könne es "Wa(h)re Liebe" ohne Lilo Wanders nicht geben. Lilo Wanders ohne "Wa(h)re Liebe" hingegen sehr wohl: Wie die Produktionsfirma "a + i" gestern mitteilte, werde bereits an neuen Formaten für verschiedene Fernsehsender gearbeitet. Zudem wolle sich Lilo Wanders (im wahren Leben ein verheirateter Homosexueller mit drei Kindern) in Zukunft verstärkt auf Live-Auftritte und den "direkten Kontakt zum Publikum" konzentrieren. Wie auch immer das gemeint sein mag. "Wer sich selbst eingesteht, ein Ferkel zu sein, bringt auch anderen Ferkeln Toleranz entgegen", hatte Wanders erst kürzlich dem "Stern" verraten. So viel Weisheit hat auch BHs auf Halbmast verdient.




Branchenbuch Hamburg


100. Geburtstag
Axel Springer
Abendblatt auf Facebook

Das Rätsel des Tages




