Das Jazz-Wunderkindchen
Als kürzlich die 16-jährige Britin Joss Stone aus dem Nichts auftauchte und so gekonnt klassischen Soul röhrte, dass man seinen Ohren nicht trauen mochte, schien die niedrigstmögliche Altersgrenze für Wiedergeburten erreicht. Doch es geht offenbar noch jünger: Heute Abend stellt Renee Olstead ihr Debüt-Album im Mandarin Casino vor. Mit 15 - in Worten: fünfzehn - singt der rothaarige Teenager aus Texas dezent aufgebauschte Jazz- und Songbook-Standards, für die wohl selbst ihre Mutter als Interpretin noch zu jung wäre.
Die wichtigen Fäden im Hintergrund zog Grammy-Abonnent David Foster als Produzent, der schon den Retro-Teenager Michael Buble entdeckte und der Welt die Heulsusen-Balladen von Celine Dion bescherte. Er organisierte Olstead, die ansonsten in einer TV-Comedy agiert sowie in "The Insider" und "End of Days" neben Crowe und Schwarzenegger durchs Bild lief, auch einen Gig vor den "Corrs" beim Montreux Jazz Festival und brachte sie verkaufsfördernd bei Talk-Gott David Letterman unter.
Olstead singt charmant Altwaren wie "Summertime", "Is You Is Or You Ain't My Baby" oder Neil Sedakas "Breaking Up Is Hard To Do" mit dem nur unwesentlich älter aussehenden Peter Cincotti, und schon werden von realitätsfernen Rezensenten Vergleiche mit Billie Holiday und Ella Fitzgerald gewagt. Bei allem Talent: Solche PR-Mühlsteine um den Hals hat das Mädchen nicht verdient. (jomi)
21 Uhr, Mandarin Casino, Reeperbahn 1. Special Guest: Frank Chastenier Trio. Kartentel.: 41 80 68, Informationen unter www.essential-listening.de



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