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Kultur & Live

Ein Richter, der sich Krimis ausdenkt

Schwarze Hefte: Thorsten Beck verdient sein Geld am Arbeitsgericht Hamburg. Schreiben kann er auch.

Hamburg. "Ich, der Richter" heißt der wohl berühmteste Krimi des amerikanischen Autorenraubeins Mickey Spillane. Ich, der Richter, könnte auch Thorsten Beck von sich behaupten. Nun hat der Mann wahrlich nichts Raubeiniges an sich, ist aber Richter am Arbeitsgericht Hamburg, genau gesagt: Vorsitzender einer Kammer, die sich mit Fällen aus dem Arbeitsrecht und dem Betriebsverfassungsrecht beschäftigt. Und er schreibt Kriminalgeschichten. Wie "Der chinesische Pfeil", ein Hamburg-Krimi, der jetzt in der Abendblatt-Reihe "Schwarze Hefte" erschienen ist. "Man kann ja nicht immer nur Urteile schreiben", sagt Beck, der in Harburg lebt, auf die Frage, wie er zum Krimischreiben gekommen sei. Eine lapidare Antwort, lakonisch, dem Genre gemäß. Und nur die halbe Wahrheit. Denn Krimis hat Beck (47) schon immer gern gelesen, und als er 1998 von der Reihe "Schwarze Hefte" erfuhr, kam ihm die Idee, einen Harburg-Krimi zu schreiben. "Die Tatorte sollten nicht nur Harvestehude, St. Pauli oder Blankenese sein." So entstand das Schwarze Heft "Harburg Blues", so kam Arbeitsrichter Beck erstmals auf den Kriminalroman. Kürzlich veröffentlichte er den Book-on-demand-Krimi "Ausgestempelt".

Beck erzählt seine Geschichten nach konventioneller Manier, gleichwohl sind sie spannend entwickelt, gewürzt mit einer Prise Humor. "Skandinavische Düsterkrimis", wie er sie nennt, sind seine Sache nicht. "Der Krimi muss keine humorfreie Zone sein." Gemein mit den Autoren aus dem Norden ist ihm jedoch der Rekurs auf gesellschaftliche Konflikte, ein Krimi ist für ihn immer auch politisch. "Damit meine ich nicht Gesellschaftskritik mit erhobenem Zeigefinger, sondern die Beschreibung der dunklen Seiten gesellschaftlicher Zustände." Urteilt der Richter - und mag dabei an seinen Berufsalltag gedacht haben.

Der Alltag seines Helden ist unkonventionell. Tim Börne ist Rechtsanwalt, und er ist allein erziehender Vater einer neunjährigen Tochter. "Ich hatte einfach Lust, an der klassischen Krimifigur des lonely wolf ein wenig herumzubasteln", erzählt Beck, der mit Lebensgefährtin und Tochter zusammenlebt, also eher Rudeltyp als einsamer Streiter ist. Mit Tim Börne jedenfalls ist ihm eine außergewöhnliche Figur gelungen, die deshalb der Geschichte Atmosphäre verleihen kann, weil sie es selbst in ihrem Leben nicht leicht hat. Und für Frauen sind allein erziehende Väter natürlich immer interessant . . .

"Im Fallen sah er nach unten. Aus seiner Brust ragte etwas heraus. Es war eine Pfeilspitze. Dann wurde ihm schwarz vor Augen", schreibt Beck in "Der chinesische Pfeil". Ante Plavsic, den dunkle Geschäfte aus dem Kosovo nach Harburg geführt haben, wird eines Nachts von einem Pfeil niedergestreckt. Anfangs führen die Spuren Börne und Kommissarin Hanna Steinbach in das Milieu krimineller Banden, offenbar bestehen Kontakte zu den Triaden, der chinesischen Mafia. Am Ende aber kommt (natürlich) alles ganz anders, Beck führt die Handlung - ganz nach Art klassisch-erzählerischer Konfliktlösung - vom Großen, allgegenwärtig Bedrohlichen hinein ins Kleine, in die private Katastrophe. Es kommt zum Showdown auf dem Channel-Tower. Channel-Tower? Klingt mächtig nach weiter Welt. Und liegt am Harburger Binnenhafen.

"Es muss ja nicht immer Los Angeles oder Venedig sein", sagt Beck, der Richter, und lacht. Recht hat er. Der Tod geht schließlich auch in Harburg um.

 

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