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Kultur & Live

Der neue Präsident

Musikhochschule: Elmar Lampson wurde einstimmig zum Nachfolger von Hermann Rauhe gewählt

Hamburg. Das Rätselraten um die Nachfolge von Professor Herman Rauhe als Präsident der Hamburger Hochschule für Musik und Theater ist beendet. Einstimmig entschieden sich Hochschulrat und Findungskommission für Elmar Lampson (51), Professor für Phänomenologie der Musik an der Privatuniversität Witten/Herdecke, seit vielen Jahren dort auch Dekan und Mitglied der Geschäftsführung.

"Dies ist eine gute Grundlage für eine fruchtbare Wahrnehmung des Amtes", freut sich Ehrenpräsident Rauhe über die Eindeutigkeit für den Kandidaten. "Im Übrigen bringt Professor Lampson die allerbesten fachlichen, künstlerischen, wissenschaftlichen, pädagogischen wie organisatorischen Fähigkeiten und Erfahrungen mit, um diese schwierige Aufgabe wahrzunehmen."

Elmar Lampson hat erst gestern Morgen in Witten-Herdecke von dem Beschluss gehört. Er sei glücklich, habe gar nicht damit gerechnet. Noch sei die Situation für ihn vollkommen neu. "Schweren Herzens" werde er Witten-Herdecke verlassen, wo er seit 1995 zunächst als Gastdozent lehrte. Schon zum Wintersemester soll er in Hamburg anfangen. Lampson kennt die Hamburger Hochschule gut, hat hier schon als Teilzeitprofessor "Ensembleleitung Neue Musik" unterrichtet und ist seit 1999 stellvertretender Direktor des Instituts für kulturelle Innovationsforschung.

Nun will er alles tun, "damit die Hochschule ihre Autonomie erhalten kann, dass die internen Kommunkationsprozesse weiter gefördert werden. Der Haupttenor ist die Autonomie von Kunst, von Musik, die Kraft von Musik als einer Stimme in der Gesellschaft. Dazu kann ich eine ganze Menge sagen". Aber noch sei es zu früh, mit Ankündigungen an die Öffentlichkeit zu gehen. "Erst mal muss ich darüber schlafen", sagte der Musiker auf dem Heimweg von Witten/Herdecke zu seiner Familie im Süden Hamburgs.

Lampson soll von allen acht Kandidaten in der Endrunde bei der Vorstellung den besten Eindruck hinterlassen haben. Er könne Menschen mitreißen, heißt es, sei besessen von der Vermittlung, gilt als uneitel. Der gebürtige Koblenzer spielt Geige, hat als Komponist ein umfangreiches OEuvre vorzuweisen und ist bei internationalen Festivals als Dirigent aufgetreten. In Hamburg gehörte Lampson 1988 zu den Mitbegründern des Musikfestes "Hörwelten" und war Leiter der Hamburger Orchesterakademie.

Neben seinen ausgewiesenen Qualitäten als Künstler sind für seine künftige Aufgabe vor allem Managementerfahrungen gefragt. Auch da konnte Elmar Lampson punkten. Die Hochschule Witten/Herdecke, zu deren Leitung er gehört, ist ein privates Unternehmen, das als GmbH geführt wird. "Fundraising ist in der letzten Zeit einer meiner wesentlichsten Jobs gewesen", lacht Lampson.

Er wohnt mit seiner Frau und den fünf Kindern in einem Bauernhaus neben dem Wildpark "Schwarze Berge", ist da nie weggezogen "als wenn man's geahnt hätte". In seinem Arbeitsraum wird nun das Konzept für die künftige Hochschularbeit entstehen.

Vor sechs Jahren hat Lampson schon einmal einen großen Plan entworfen: das Konzept für ein "Studium fundamentale", eine verbindliche transdisziplinäre Zusatzausbildung für alle Studenten in Witten/Herdecke. Es wird von sechs Lehrstühlen - Philosophie, Ästhetik, Geschichte, Soziologie, Literatur, Phänomenologie der Musik - getragen. Das "Stufu" soll die Studenten in ihrer Urteilskraft schulen, soll sie anstoßen, Ideen umzusetzen, und will ihnen andere Sichtweisen nahe bringen. Querdenker, nicht Mitläufer sind gefragt. "Die Kreativität der Wittener und besonders von Herrn Lampson ist ja inzwischen das Markenzeichen der Uni", heißt es in Witten. Nun ist Hamburg an der Reihe.

 

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