Der Neue will mehr Zack bei "Zapp"
Medienmagazin: Kuno Haberbusch setzt sich für anderen Sendeplatz ein.
Hamburg. Seine Augen sind in diesen Tagen noch dunkler umrandet, als es ohnehin charakteristisch ist für Kuno Haberbusch. Ist ja auch kein Wunder, der Mann schläft selten, arbeitet 60 Stunden die Woche und mehr. Nach 19 Jahren "Panorama" verantwortet der stets kritische NDR-Mann jetzt das sonntagnächtliche Medienmagazin "Zapp" des Senders und das satirische "Extra Drei". Was das bedeutet, ist ganz klar: Nach der knapp zweijährigen Einführungsphase des einzigen Medienmagazins im deutschen Fernsehen wird jetzt durchgestartet. Was bisher zumeist dahinplätscherte, zuweilen sogar launig, soll einen aggressiveren Touch bekommen. "Relevanz" ist dieser Tage das meistgehörte Wort im vierten Stock des Hauses elf auf den Gelände des NDR Fernsehens in Lokstedt.
"Ich will Mediengeschehen nicht nur abbilden, sondern transparent machen", kündigt Haberbusch an. Das kann ja heiter werden, dem 49-Jährigen eilt der Ruf voraus, er gehe keinem Konflikt aus dem Weg. Der Journalist kennt, wenn es um die Sache geht, keine Verwandten. Er prangert Rabatte für Journalisten genauso an wie fehlenden Recherchemut oder den Umgang mit Mitarbeitern im eigenen Sender. Er findet Korruption, fehlendes ethisches Verständnis "zum Kotzen" - das bringt Haberbusch er auch im "Netzwerk Recherche" zur Sprache, das er mitinitiiert hat und dessen bundesweites Treffen er am 4./5. Juni in Hamburg derzeit organisiert.
Einen Alt-68er möchte man in ihm sehen, damals war der in Rastatt geborene Kuno Haberbusch erst 13 Jahre alt, aber von dem Widerstandsgeist der damaligen Studentenbewegung ist in ihm weit mehr zu finden als in den tatsächlichen Alt-68ern wie Joschka Fischer oder Daniel Cohn-Bendit. Unbequem ist er, für seine Chefs, für seine Mitarbeiter, für diejenigen, über die er berichtet, und auch für das Publikum, dem er zuweilen ungewollte Wahrheiten vermittelt.
Seine Zeit bei "Panorama" aufzuarbeiten, dafür ist hier nicht der Platz. Wichtig zu wissen ist nur, dass Haberbusch dort investigativen Journalismus gepredigt und stetig weiterentwickelt hat. Vor allem jungen Mitarbeitern, Nachwuchs aus dem NDR-Volontariat, gab er in und für "Panorama" eine Chance. "Das war der richtige Weg", sagt Haberbusch. "den gehe ich auch bei ,Zapp' weiter." Offene, unvoreingenommene Recherche soll es sein, und dafür stünden eben junge unvoreingenommene Journalisten, die nicht schon seit Jahren ideologischen Ballast mit sich herumtragen.
Haberbusch will einiges ändern bei "Zapp", so etwa den Sendeplatz: Sonntags nach dem Regionalsport, da bleiben meist ältere Herren mit Schlafstörungen am hübschen Gesicht von Moderatorin Caren Miosga hängen, wird gelästert in der Branche, medienrelevant sei das nicht, was dort produziert werde. Außerdem sei durch Wochenendarbeit immer die Hälfte der ohnehin kleinen Redaktion mit dem Abfeiern freier Tage beschäftigt. Immerhin hat die Redaktion ihre Quote in diesem Jahr schon im Schnitt auf über vier Prozent gehoben.
An diesem Sonntag ist Ulla Kock am Brink zu Gast. Einst im privaten TV erfolgreich, wurde sie vom Fernsehen zwei Jahre lang geächtet, weil sie der ARD-Queen Sabine Christiansen den Ehemann ausgespannt hatte. Heute hat sie mäßigen Erfolg als Moderatorin beim RBB in Berlin-Brandenburg. Weitere Themen der Sendung: der neue Film des George-Bush-Kritikers Michael Moore, Anke Engelkes Late-Night-Premiere und "Malen und Knipsen - der Nachkriegsalltag in Bagdad aus Kindersicht".
Kuno Haberbusch hat noch einen langen Weg vor sich.



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