Ein Mann ändert die Richtung
Karriere: Der Talkshow-Macher produziert jetzt Kinofilme.
Hamburg. Bekannt machten ihn Talkshows. Jetzt hat der Hamburger Produzent Peter Schwartzkopff, ein unkonventioneller Kreativ-Unternehmer unter den Finanz- und Ideengebern, eine ganze Reihe neuer Projekte am Wickel. Heute kommt zum Beispiel der erste Film seines Verleihs Reverse Angle in die Kinos, den er zusammen mit dem Regisseur Wim Wenders gegründet hat. Wenders selbst hat bei "The Soul Of A Man" Regie geführt. Aber die Blues-Dokumentation ist nur die Spitze des Eisbergs. Ein Besuch bei Schwartzkopff in seinem Büro in der Hamburger Speicherstadt.
Pilawa, Kerner, Türck und Sonja - Peter Schwartzkopff produzierte Talkshows, lange und erfolgreich. Dann verkaufte der Produzent seine Firma im Boomjahr 1998 für sehr gutes Geld. Nach einem Intermezzo als Geschäftsführer beim Verlag Axel Springer machte er sich wieder selbstständig und hat ganz andere Sachen im Programm.
Trotz der Krise im Medienbereich gründete Schwartzkopff den Filmverleih Reverse Angle und produziert jetzt die Filme seines Kompagnons. "Es ist schon etwas Besonderes, jetzt noch einmal in einen Bereich zu gehen, der von vielen als sterbend angesehen wird. Man muss sich auf neue Techniken und Betriebswege einstellen", sagt Schwartzkopff zu seiner Positionierung im Haifischbecken Kinomarkt.
Es ist typisch für den 54-Jährigen, von dem der schöne Satz stammt "die Straße ist schnell voll, wenn alle in die gleiche Richtung laufen", dass er nicht einfach einem Trend folgt, sondern antizyklisch versucht, eigene Wege zu gehen. Hatte er zu Talkshow-Zeiten noch bis zu 200 Mitarbeiter, sind es jetzt knapp 25. Schwartzkopff produziert außerdem mit der Firma Youa-Edutainment das erfolgreiche Kinderprogramm "Marvi Hämmer" mit der sprechenden Ratte, gibt in Zukunft Bildbände mit historischen Fotografien im eigenen Verlag heraus und hat gerade die Literaturzeitschrift ndl (neue deutsche literatur) vom Aufbau-Verlag übernommen und bereitet einen Relaunch vor.
Der Abwechslungsreichtum hat Methode in Schwartzkopffs Karriere. Nachdem er im Alter von elf Jahren vom Westen in die DDR übersiedelte, in Babelsberg Produktion studierte und unter Konrad Wolf bei der DEFA arbeitete, kam er 1984 zurück in den Westen. Er war Produktionsleiter beim NDR, war in dieser Funktion auch für die ARD-Berichterstattung von den Olympischen Spielen in Seoul zuständig, arbeitete beim ORB und ging zu Spiegel TV, bevor seine Talk-Ära begann.
Jetzt ist der Wahl-Hamburger ("man muss sich wohl fühlen am Standort, und das tue ich") vom Talk-Trash der 90er-Jahre bei den Spezialitäten von 2004 angekommen. Zu seiner Risikobereitschaft steht er. "Wenn ich mir alle Eventualitäten immer vorher überlegen würde, würde ich am Ende womöglich gar nichts machen", sinniert er. Das kommt aber für ihn nicht in Frage. Blieb nur die Konsequenz: "Ich machs einfach."



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