Fotofestival
Bilder der Freundschaft im Rathaus Altona
Das neunte Europäisch-Arabische Fotofestival zeigt bis 30. Oktober im Altonaer Rathaus 54 ausgezeichnete Motive aus verschiedenen Ländern.
Rathaus Altona. Sie strahlen und sie freuen sich. Sie sind neugierig. Der schon in vielen internationalen Wettbewerben ausgezeichnete Fotograf Sudipto Das hat in seiner indischen Heimat einige Schulkinder fotografiert und zeigt auf seinem Bild, wie sie bewundernd einen Mikrochip betrachten, den eines der Mädchen in der Hand hält. Nichts deutet auf die sozialen Umstände hin, in denen diese Kinder leben. Man weiß nicht, ob sie arm oder reich sind, zu erkennen ist nur, dass sie alle eine Schuluniform tragen. Von Sudipto Das hängen noch mehr solcher optimistischer Bilder im Rathaus Altona. Dort veranstaltet die in Hamburg sitzende Arab Union of Photographers (AUOP) nun schon zum neunten Mal das europäisch-arabische Fotofestival. "Seit 2007 haben wir uns weltweit geöffnet", sagt Fathi Abu Toboul, Vorstand des ehrenamtlichen Vereins.
Mehr als 600 Fotografen aus 39 Ländern nahmen in diesem Jahr an dem Wettbewerb teil, mehr als 11.000 Bilder wurden an die AUOP geschickt. Aus denen haben Abu Toboul und acht weitere Kollegen eine Vorauswahl getroffen, die dann von einer sechsköpfigen Jury bewertet worden ist.
54 dieser nicht mit Geld, sondern nur mit einer Urkunde ausgezeichneten Bilder hängen noch bis zum 30. Oktober im ersten Stock des Altonaer Rathauses. Viele beleuchten die gegenwärtige arabische Wirklichkeit, und dank Sudipto Das' Teilnahme taucht in diesem Jahr erstmals auch Indien auf einigen der Fotos auf.
Abu Toboul, gebürtiger Jordanier und seit 2003 in Hamburg zu Hause, ist sich bewusst, dass im Kontext mit arabischen Fotografen von vielen Bilder aus dem syrischen Bürgerkrieg erwartet werden. "Wir wollten nicht die blutigen Bilder dieses Krieges zeigen, sie passen nicht zum Thema Freundschaft", sagt er. Dennoch findet sich der Konflikt in Syrien in der Ausstellung.
Der Fotokünstler Jaber al Azmeh zeigt seine in Schwarz und Rot gehaltene Serie "Wounds", in der es ein grafisches Bild gibt, auf dem ein Panzer in einem Meer aus Blut versinkt. Auch die aus emporgestreckten Armen fliegende Taube bringt die Sehnsucht der Menschen nach Frieden plakativ auf den Punkt. Darstellungen von Frauen tauchen bei vielen Fotografen ebenfalls auf. Geradezu gewagt ist es, sie unverhüllt zu zeigen, ein Skandal, sie nackt zu fotografieren. Die Präsentation solch eines Bildes in der arabischen Welt, in der Unterdrückung von Frauen immer noch zur Tagesordnung gehört, wäre in vielen Ländern undenkbar. In Altona ist es eine Selbstverständlichkeit.
Die in Kairo lebende 28 Jahre alte Künstlerin Marwa Adel zeigt in Hamburg beeindruckende Arbeiten aus der Serie "Hiding". Auf ihren Bildern ist viel Haut zu sehen, versteckt wird etwas anderes: die Augen.
9. Europäisch-Arabisches Fotofestival Mo-Fr 8.00-18.00, noch bis zum 30.10., Rathaus Altona (S Altona, Metrobus 15), Platz der Republik 1, Eintritt frei; Internet: www.auop.de















