Heinze-Prozess
Drehbuchskandal: Rolle der Produktionsfirma weiter ungeklärt
Doris Heinzes Anwalt bestritt in einer Stellungnahme, dass seine Mandantin ein Drehbuch unter zwei Namen doppelt verkauft habe.
Hamburg. Im Prozess um die sogenannte Drehbuchaffäre beim NDR sind vor der Wirtschaftskammer des Hamburger Landgerichts am Freitag drei weitere Zeugen vernommen worden. In dem Verfahren soll geklärt werden, ob die ehemalige Fernsehfilmchefin des Senders, Doris Heinze, unter Pseudonym eigene Drehbücher und Arbeiten ihres Mannes an den NDR verkauft hat. Dazu sagten Heinzes Agentin, eine ehemalige Redakteurin des NDR und ein anderer Drehbuchautor aus.
Heinzes Anwalt bestritt in einer Stellungnahme, dass seine Mandantin ein Drehbuch unter zwei Namen doppelt an den Sender und eine Produktionsfirma verkauft habe. Vielmehr sei es zu einer Verwechslung zweier ähnlicher Stoffe im Zuge der Aufklärung der Affäre gekommen. Heinzes Agentin konnte dies nicht mit letzter Sicherheit bestätigen.
Noch immer ist nicht vollständig geklärt, welche Rolle eine mitangeklagte Produzentin in der Affäre gespielt hat. Deren Produktionsfirma realisierte damals die Reihe "Polizeiruf 110" für den NDR. Zwischen der Produktion und dem Sender habe "eine enge und unhinterfragte Zusammenarbeit geherrscht", sagte eine ehemalige Redakteurin, die als Zeugin geladen war. Selbst Freigaben für große Summen seien "manchmal auch auf Zuruf am Telefon" erteilt worden. Die Betreuung der Autoren und Ausgestaltung der Drehbücher habe dabei meist in der Hand der Produktionsfirma und nicht direkt beim NDR gelegen.
Ob für die "Polizeiruf"-Folgen "Eine Maria aus Stettin" (2008) und "Die armen Kinder von Schwerin" (2009) der unter einem Pseudonym schreibende Ehemann Heinzes, Claus Strobel, die Vorlagen lieferte, konnte die Zeugin nicht sagen. Im Fall eines Filmstoffes mit dem Arbeitstitel "Licht aus" sei von der Produktionsfirma aber ein bis dahin unbekannter Autorenname genannt worden. Dies könnte eines von Strobels Pseudonymen gewesen sein.
Die Plädoyers und das Urteil in dem Prozess werden für den 20. September erwartet. Im Falle eines Schuldspruches droht der 63-jährigen Heinze eine mehrjährige Haftstrafe. Sie hat die Vorwürfe bereits eingeräumt.
















