Der Papst äußerte sich nicht zu dem Film.
Gibson musste Werbung ändern.
Hollywood-Star Mel Gibson wollte den Besten aller Werbeträger für seinen Film: Papst Johannes Paul II. persönlich sollte das Hollywood-Produkt "Die Passion Jesu Christi" aller Welt empfehlen. So erscheint am 5. Dezember ein Bote im Vatikan. Er hat den ersten Abzug des Gibson-Films auf DVD dabei. Am Abend sieht sich Papst Johannes Paul II. mit seinem ersten Sekretär, Bischof Stanislaw Dziwisz, den Film an. Dem sensiblen zweiten Sekretär des Papstes, Don Mirtek, gefällt er nicht, er geht nach der ersten Hälfte.
Am 8. Dezember werden der Koproduzent des Films, Steve McEveety, und der italienische Koproduzent, Jan Michelini, ein Mitglied von Opus Dei, von Don Stanislaw empfangen. Der muss sie enttäuschen. Stanislaw: "Der Papst hat nichts zu dem Film gesagt." Michelini kann Stanislaw immerhin zu einer halben persönlichen Stellungnahme bewegen. "Vielleicht ist es tatsächlich so gewesen, wie der Film zeigt", lässt sich der Sekretär entlocken.
Produzent McEveety und Mel Gibson setzen jetzt alles auf eine Karte. Sie behaupten gegenüber der Weltpresse, der Papst habe über den Film gesagt, er zeige, wie es wirklich war. So wird in den USA für den Film geworben. Dass die Erklärung nicht von Johannes Paul II., sondern von Don Stanislaw stammt, unterschlagen sie ebenso wie das Wörtchen "vielleicht".
Im Januar versuchen Journalisten herauszufinden, was der Papst wirklich gesagt hat. Auch gegenüber dem Abendblatt bestätigt Don Stanislaw Dziwisz: "Der Papst hat nichts über den Film gesagt." Dies wiederholt am 22. Januar Papstsprecher Navarro-Valls in einer offiziellen Erklärung. Daraufhin muss Mel Gibson einen Teil seiner Werbekampagne abblasen.
Geistlichen Rückenwind hat der Film auch in Deutschland nicht. Die deutsche Bischofskonferenz bemängelte vor allem die drastischen Darstellungen der Gewalt. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Lehmann, fürchtet vor allem, unter Nicht-Katholiken könnte ein falsches Bild der Bibel entstehen. Der Hamburger Erzbischof Werner Thissen räumte ein, der Film sei ihm sehr nahe gegangen.




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