07.09.12

Weitere Unterstützung für Pussy Riot

Deutscher Kunstprofessor verteidigt Aktion von Pussy Riot

Eugen Blume, der in Moskau eine Beuys-Ausstellung kuratiert, ist sicher, dass sich der Künstler mit den Frauen solidarisiert hätte.

Foto: Reuters
Die Pussy-Riot-Aktivistinnen bei der Aktion in der Erlöserkirche, für die sie zu zwei Jahren Straflager verurteilt wurden
Die Pussy-Riot-Aktivistinnen bei der Aktion in der Erlöserkirche, für die sie zu zwei Jahren Straflager verurteilt wurden

Moskau. Der deutsche Kunstprofessor Eugen Blume hat in Moskau die umstrittene Protestaktion der russischen Punkband Pussy Riot in einer Kirche verteidigt. "Wenn jemand auftritt und sagt, dass er ein Künstler sei, dann würde ich das erst einmal ernst nehmen", sagte Blume. Er baut in der russischen Hauptstadt die erste große Ausstellung mit 500 Werken des deutschen Künstlers Joseph Beuys (1921-1986) auf.

"Auch Beuys war ein Kritiker des Staates und der Kirche", sagte der Kurator. Die Schau "Joseph Beuys: Aufruf zur Alternative" beginnt am 12. September im Moskauer Museum für Moderne Kunst.

Bei Beuys habe sich die Kritik an der Kirche weniger provokant geäußert als bei Pussy Riot, meinte Blume. "Für mich ist er einer der letzten christlichen Künstler, der sich für die Rückkehr zur Spiritualität in der Kunst starkmachte." Er sei überzeugt, dass auch Beuys sich für die inhaftierten Musikerinnen eingesetzt hätte. "Allerdings hätte er sehr genau nach ihrem Konzept gefragt."

Ein Gericht in Moskau hatte die drei Künstlerinnen zu je zwei Jahren Straflager verurteilt, nachdem sie in der Erlöserkathedrale in Moskau gegen Kremlchef Wladimir Putin und Patriarch Kirill protestiert hatten. Das international kritisierte Urteil erging wegen Rowdytums und der Verletzung religiöser Gefühle.

"Jede Bestrafung von Kunstaktionen ist falsch. Diskussion ist besser als Strafe", sagte der Beuys-Experte von der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart in Berlin. Zugleich betonte der 61-Jährige, dass in einer Demokratie die Kirche wie jede andere Institution Kritik aushalten können müsse.

Auch Beuys habe mit seiner politischen Kunst die Zustände in Deutschland kritisiert. "Er hätte sich sicher mit Pussy Riot solidarisiert. Das ist ganz klar. Die Grenze für ihn war Gewalt wie sie etwa die RAF einsetzte. Mit Gewalt gegen eine Gesellschaft zu kämpfen, war für ihn nicht akzeptabel."

Die bis zum 14. November angesetzte Beuys-Werkschau zeigt Blume zufolge das gesamte Schaffen des Düsseldorfer Künstlers in einem Querschnitt. Die Ausstellung unter dem Titel des gleichnamigen gesellschaftspolitischen Beuys-Manifests "Aufruf zur Alternative" ist Teil des in diesem Sommer eröffneten Deutschlandjahres in Russland. (dpa)

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