Ohnsorg-Studiobühne
"Denn man to" - Ein Schelm kehrt zurück
"Ich habe mir diese Rolle explizit gewünscht": Uwe Friedrichsen gastiert am Ohnsorg in "Opa warrt verköfft". Premiere am 26. August.
Ohnsorg. "Denn man to", sagt Uwe Friedrichsen gut gelaunt, als er in Begleitung von Regisseur Wilfried Dziallas die Ohnsorg-Studiobühne betritt. Sie kommen gerade von der Probe, aber wirken entspannt und nicht die Spur gestresst. Also los mit unserem Gespräch über den "Verkauften Großvater", der am Sonntag Premiere hat. Los geht es auch wieder mit der Ohnsorg-Spielzeit - der zweiten im neuen Haus.
Intendant Christian Seeler bringt zur Eröffnung einen so bewährten wie beliebten Schwankklassiker der niederdeutschen Bühne. "Richard Ohnsorg entdeckte Franz Streichers Stück und hat es für sein Theater bearbeitet", sagt Uwe Friedrichsen. Seitdem gab es mehrere Aufführungen, darunter wohl die bekannteste 1961 mit Henry Vahl. "Ich habe mir diese Rolle explizit gewünscht, ich möchte wissen, ob ich das auch kann", betont der ehemalige Gründgens-Schauspieler. "Neugier ist der Motor für meine Kunst. Ich habe noch ein paar Asse im Ärmel."
Einige Trümpfe spielte Uwe Friedrichsen auf der Platt-Bühne schon aus: Er gab die Gründgens-Rolle des Mephisto im "Faust", sang den Hans Albers, polterte beeindruckend Brechts "Puntila" und den Baas Papa in der niederdeutschen Fassung "Slagsiet" der "Katze auf dem heißen Blechdach" von Tennessee Williams. In der Ohnsorg-Galerie seiner Charakterporträts fehlte noch die Titelrolle in "Opa warrt verköfft". "Ein wirkungsvolles Stück und gut gebaut", sagt Friedrichsen. "Aber man darf es nicht zu leicht nehmen, muss sich ganz genau im Klaren über jede Situation sein und wissen: Was spiele ich als Nächstes." Denn es gebe nicht eineinhalb Seiten Text, um dann die Befindlichkeit seiner Figur zu offenbaren wie bei einem Tschechow-Stück. "Das muss Knall auf Fall gehen", betont Regisseur Dziallas, auch selbst Schauspieler. "Denn die Figuren haben keine psychologische Tiefe." Er inszeniert die Posse um das Schlitzohr von Opa. Nach drei Prinzipien: "Frische reinbringen, Mut zu streichen und Tempo anziehen. Wir wollen uns doch nicht mit einer musealen Aufführung begnügen."
Der Opa hätte etwas vom Till Eulenspiegel, meint Dziallas. "Der liebt es, seinen Mitmenschen Streiche zu spielen." Friedrichsen stimmt zu. "Er macht das nicht aus Bösartigkeit", ergreift er Partei für den gerissenen alten Schelm. "Die Albernheiten sind ihm zur zweiten Natur geworden, was mich auch an meinen Großvater Arthur erinnert, der eine Hühnerfarm besaß." Der sei ein rechter "Hans Bunkentüüg" gewesen, veräppelte gern Leute. Bevorzugt die aus der Stadt, wenn sie ihm neugierig nach dem Grünzeug auf seiner Karre fragten.
Friedrichsen spielt die Anekdote ein bisschen aus. "Sind das die Brennnesseln?" - "Fasst man ruhig zu, diesen Monat brennen sie nicht." Auch den Sprachwitz des Plattdeutschen hätte sein Opa Arthur besessen. Aber diese Anekdote wäre zu lang, um sie aufzuschreiben. "Ich lernte Platt von Kind auf bei den Großeltern. Ist sozusagen meine Großmuttersprache." Sie sei es wert, erhalten und gepflegt zu werden, betont er. "Das ist kein norddeutscher Fischkopp-Dialekt, wie viele meinen, sondern eine Sprache mit eigener Syntax und Schreibweise."
Uwe Friedrichsens "Opa"- Gastspiel im neuen Haus ist eine Art Heimkehr an die Kirchenallee. Früher stand er gegenüber im Schauspielhaus auf der Bühne bei Gustaf Gründgens oder Peter Zadek. Nun hat er lediglich die Straßenseite gewechselt. Und fühlt sich heimisch im Ohnsorg-Ensemble. "Ich bin von Anfang an umarmt worden", sagt er lächelnd.
"Opa warrt verköfft" Premiere So 26.8., 19.00, Ohnsorg (S/U Hbf), Heidi-Kabel-Platz1, Premiere ausverkauft, Vorstell. bis 6.10., Karten zu 10,50 bis 28,- unter T. 35 08 03 21; www.ohnsorg.de















