Kinostart: 23. August
"ParaNorman": Den alten Fluch bekämpfen
Der Animationsfilm der "Coraline"-Macher glänzt mit Liebe zum Detail, Humor und einer Menge Zombies, die nur ein kleiner Junge bekämpfen kann.
Norman ist nicht wie die anderen Jungs. Er sieht gern Zombie-Filme. Am liebsten zusammen mit seiner Großmutter. Die ist zwar schon tot, aber Norman kann sie trotzdem sehen und sich mit ihr unterhalten. Für seine Mitschüler ist er ein Außenseiter, sie pinseln das Wort "Freak" auf seinen Spind. Seinen Vater macht der siebente Sinn seines Sohnes fast wahnsinnig, aber der geht damit ganz cool um. Lässig redet er mit jeder Menge Typen aus dem Jenseits, die in den Straßen seiner neuenglischen Heimatstadt schemenhaft abhängen und irgendwie nicht zur ewigen Ruhe kommen.
Die Stadt ist mit einem Fluch belegt seit ein Richter vor 300 Jahren einen Hexenprozess abgehalten hat. Ein Denkmal erinnert an die Frau. Norman hat mit seinen Fähigkeiten die Möglichkeiten, in dieser alten Geschichte ein neues Kapitel aufzuschlagen. Zuerst steigen die Toten aus ihren Gräbern, dann baut sich in der Stadt eine vor Waffen starrende Bürgerwehr auf, die befürchtet, Fremde könnten die Macht an sich reißen. Norman hat auch noch seinen Kumpel Neil, den Klassenrüpel Alvin, seine äußerlich wie innerlich erblondete Schwester Courtney und ihren Schwarm, den unterbelichteten, aber gut gebauten Quarterback Mitch, an den Hacken. Die schrecklich normalen Probleme eines Heranwachsenden prallen dabei immer wieder mit übernatürlicher Wucht und schwarzem Humor auf das Dämonische der Untoten.
Es ist eine ebenso ungewöhnliche wie originelle Idee der Regisseure Chris Butler und Sam Fell, der die Idee zu "Flutsch und weg" hatte, eine Zombie- mit einer Coming-of-Age-Geschichte zu kombinieren. Aber die Rechnung geht auf. "ParaNorman" ist ein mit sehr viel Liebe zum Detail gestalteter Animationsfilm, der Stop-Motion-Technik mit CGI-Effekten kombiniert. Norman ist ein sympathischer Protagonist, dem schon morgens, Sekunden nachdem er sich sorgfältig gekämmt hat, die Haare schon wieder Genre-gerecht zu Berge stehen. Dass die Logik der Handlung am etwas überzogenen Ende löchrig wirkt: geschenkt.
Den Namen der Produktionsfirma Laika wird man sich merken müssen. Die US-Trickfilmer aus Oregon haben schon den im Look ziemlich ähnlichen "Coraline" ins Kino gebracht. Die Seelenverwandtschaft dazu merkt man "ParaNorman" ebenso an wie die zu Tim Burtons "Corpse Bride". Burton verfilmte auch die Washington-Irving-Kurzgeschichte "Sleepy Hollow". Sie findet sich als Anspielung im Namen von Normans Heimatstadt Blithe Hollow ebenso wieder wie der Hinweis auf die historischen Hexenprozesse in der US-Stdt Salem, auch einer "Witch City".
Bewertung: empfehlenswert
"ParaNorman" USA 2012, 93 Min., ab 12 J., R: Chris Butler, Sam Fell, täglich in den Cinemaxx- und UCI-Kinos; http://movies.universal-pictures-international-germany.de/paranorman
















