Konzert im Stadtpark
Feist: Spannung von der ersten bis zur letzten Sekunde
4000 Besucher im ausverkauften Stadtpark genossen mucksmäuschenstill die hingezauberten Klanglandschaften von Leslie Feist.
Hamburg. Wie ein Kind, das noch ein bisschen länger aufbleiben darf, lief Leslie Feist freudig zurück auf die Bühne. Ihr weinroter Tulpenrock bauschte sich, ihr rosa Seidentop glänzte im gedimmten Scheinwerferlicht.
Sechs Minuten hatte die Kanadierin da noch Zeit an diesem sommerlichen Mittwochabend, bis um 22 Uhr ihr Konzert im Stadtpark enden sollte. Feuerzeugstichflammen ragten empor, und die Menge sang sanft mit, als die 36-Jährige ihren Song "Intuition" anstimmte. Und wie komplex und kunstvoll die Intuition einer Ausnahmemusikerin klingt, davon hatten sich 4000 Gäste im ausverkauften grünen Rund für zwei Stunden überzeugen können.
Das Spektrum, das Feist mit ihrer Band abdeckte, reichte von zartem Folk über Country und Pop bis zu sattem Rock. Und ihre Stimme hat sich - wie bei wenigen anderen Sängerinnen - zu einem ganz eigenen Instrument entwickelt. Mitunter waren die einzelnen Worte kaum noch zu verstehen, so sehr dehnte sie kehlig ihre Silben, kiekste hoch, ließ Vokale im Hall aufgehen. Vor allem, wenn der Chor "The Mountain Men", drei wallend gekleidete Frauen, gesanglich dazu stießen, gerieten Lieder wie "Mushaboom" und "So Sorry" zum lautmalerischen Fest der Sinne, zum vierstimmigen Glockenspiel.
Doch auch mit ihrer Band dekonstruierte Feist ein ums andere Mal ihre Hits, die - von Platte gespielt - zum immerwährenden Soundtrack der Cafés dieser Welt wurden. "My Moon My Man" etwa steigerte die Band zum psychedelischen Rausch. Da klatschen die Hamburger, langsam aus der Anhimmelungsstarre gelöst, beherzt mit. Denn Feist ist keineswegs eine künstlerische Eigenbrötlerin, sondern eine lässige, hinreißend hübsche, amüsante und umsichtige Gastgeberin. Ob sie nun Erste Hilfe herbeisang, weil ein Fan umgekippt war. Oder ob sie ihre Deutschkenntnisse testete ("Eine Gabel, bitte").
Besonders bewegend gerieten aber jene Momente, wenn Feist wie bei "Graveyard" alleine sang und sich ihre Vokalkunst voll entfalten konnte.
















