"Martial Arts Trilogy" in Neumünster
Soundtrack-Musik mit exotischen Klängen
Der chinesische Komponist Tan Dun vertonte drei der bekanntesten Filme des Wuxia-Genres. Am kommenden Sonnabend auch in Hamburg zu sehen.
Neumünster. Der Schwerkraft trotzende Kämpfer, donnernde Reiterarmeen, grandiose Landschaften, tragische Liebe und blutige Rache – das ist der Stoff, aus dem das Wuxia-Genre seine Faszination zieht. Diese in China ungemein populären Romane und Filme beschreiben Schwertartisten an historischen Schauplätzen und überhöhen ihr Tun durch fantastische Elemente.
Drei der bekanntesten Filme des Genres sind "Crouching Tiger, Hidden Dragon", "Hero" und "The Banquet", alle vertont vom chinesischen Komponisten Tan Dun. Aus den Suiten dieser drei Filme montierte der Oscar-Preisträger die "Martial Arts Trilogy", ein Konzertwerk, das am Sonnabend in der Neumünsteraner Holstenhalle seine deutsche Uraufführung hatte.
Tan Dun selbst dirigierte das junge Orchester des Schleswig-Holstein Musik Festivals, während auf einer Leinwand dahinter bildgewaltige Sequenzen der Filme gezeigt wurden. Es war akzentuiert, aber auch für den ungeübten europäischen Hörer höchst gefällig. Tan Dun meidet in diesen Kompositionen Avantgardeklänge. Gerade beim abschließenden Banquet-Konzert für Klavier und Orchester erinnern die heftigen Schlagzeug-Rhythmen an Bartok und Stravinsky, das schwelgerische Finale macht Anleihen bei Rachmaninow. Bei den Wüstenszenen stand der französische Soundtrack-Doyen Maurice Jarre ("Lawrence von Arabien") Pate.
+++ Komponist Tan Dun erhält Hamburger Bach-Preis +++
+++ Konzerte rund um Tan Dun +++
Schwamm über die unabänderlich miese Akustik der Holstenhalle, über die aufgeblasene, Tan Duns freundliche Bescheidenheit konterkarierende Show des Pianisten Li Jian beim Banquet-Konzert und über die seltsam unmotivierte Regieentscheidung, doch bei zwei, drei Szenen die Tonspur des Films dazuzuschalten.
Es war ein akustisches und visuelles Fest für die Sinne. Das Orchester vibrierte vor Spielfreude, Tan Dun leitete diese Energie konzentriert in präzise Bahnen. Rachel Patrick als Violinsolistin überzeugte, doch setzten Zhao Xiaoxia an der Griffbrettzither Guqin und vor allem die wunderbare Tan Wei mit ihrer zweisaitigen Erhu nachklingende Akzente. Das Publikum in der zu zwei Drittel gefüllten Halle dankte mit stehendem Applaus.
Am kommenden Sonnabend ist Tan Dun, übrigens an seinem 55. Geburtstag, in Hamburg zu erleben, gemeinsam mit dem NDR Sinfonieorchester und dem Organisten Cameron Carpenter. Carpenter springt für den Perkussionisten Martin Grubinger ein, der wegen einer Muskelverletzung für die Auftritte am 18. und 19. August ausfällt. Der aus Pennsylvania in den USA stammende Carpenter ist Preisträger des Leonard Bernstein Awards. Tan Dun dirigiert und wird anschließend mit dem Hamburger Bach-Preis ausgezeichnet.















