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Kultur & Live

Hamburger Frauen im Oscar-Rennen

Kurz-Doku: Geheimnisse auf dem Damenklo: Katja Esson hat mit "Ferry Tales" Oscar-Chancen.

New York. Für die Oscar-Nacht hat sich Katja Esson ein feuerfarbenes Kimono-Kleid schneidern lassen, mit einem leuchtend roten Spaghetti-Top. "Wir haben gewonnen", sagt die Hamburger Filmemacherin, die seit zehn Jahren in New York lebt. "Denn allein schon unsere Nominierung für einen Oscar war ein Sieg." Zusammen mit sechs anderen deutschen Frauen hat sie einen Dokumentarfilm über New Yorkerinnen gemacht, die sich allmorgendlich auf dem Weg zur Arbeit in der Damentoilette der Fähre von Staten Island nach Manhattan treffen und beim Schminken kleine Geheimnisse austauschen.

Neben zwei kurzen Dokumentarbeiträgen für deutsche Sender hat Esson bislang vor allem Industriefilme gedreht. Der Name Esson hinter dem Titel "Ferry Tales" in der Kategorie Kurzdokumentarfilm brachte zunächst kaum jemanden auf die Idee, dass sich dahinter eine deutsche Oscar-Hoffnung verbirgt.

"Cassis hatte die Idee", berichtet die 38 Jahre alte Regisseurin Esson. Cassis ist der Künstlername der Stuttgarterin Birgit Staudt. Bislang ohne Hitparadenerfolg, aber immerhin so, dass dem US-Magazin "Rolling Stone" ihr "interessanter Europop" auffiel, macht sie in New York Musik. "Sie hat Valerie, Elizabeth und die anderen in der Damentoilette gesehen, als sie auf der Fähre ein Musikvideo drehte." Für "Ferry Tales" steuerte Cassis den Titelsong "Girltime" bei.

Die Kamera führte Martina Radwan, den Schnitt übernahm Sabine Hoffmann, beide aus Berlin. Zum Team gehörten auch die Hamburger Tonmeisterin Nani Schumann sowie Corinna Sager (Hamburg) und Sabine Schenk (Erfurt), die als Produzentinnen Geld für das Projekt auftrieben. Kennen gelernt hatten sich die sieben in New York lebenden deutschen Frauen durch Zufälle.

Bei den Hauptakteurinnen von "Ferry Tales" herrschte am Anfang Misstrauen. "Wir haben uns gefragt, was diese Weiße mit den Rasta-Locken hier zu suchen hat", erzählt Valerie Campbell, eine der "Toiletten-Frauen", über Esson. "Sie kamen mit Lockenwicklern, malten ihre Fingernägel an und rasierten ihre Beine", berichtet die Regisseurin. "Es waren Verwandlungen von Aschenputteln zu New Yorker Working Girls, aber dahinter steckten individuelle Geschichten." Einmal an die Kamera gewöhnt, nahmen die Frauen kein Blatt mehr vor den Mund. Rassismus in der Arbeitswelt, Ehemänner, Freunde, Chefs, Sorgen mit den Kindern, alles kam zur Sprache. "Auf der Fähre sind wir ganz offen, anders als mit Nachbarn, die deinen Mann und deine Kinder kennen", sagt Elizabeth Ferris. "Nun werden wir berühmt", fügt Valerie Campbell hinzu.

"Unsere Gewinnchance beträgt 33,3 Prozent", sagt Esson. Zwei weitere Beiträge sind in der Kategorie Kurzdokumentarfilm im Rennen, beide von New Yorker Filmemacherinnen, amerikanischen allerdings. "Chernobyl Heart" zeigt die Folgen der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl. "Asylum" berichtet über eine Afrikanerin, die vor dem Beschneidungsritual in die USA floh. "Das sind Schwergewichte. Unser Film kommt eher leicht daher, man kann lachen, aber es ist auch ein ernster Film."dpa

 

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