10.08.12

Hamburger Landgericht

Widersprüche im Prozess um NDR-Drehbuch-Affäre

Die Mitangeklagten schilderten ihre Sicht der Dinge auf die Affäre. Und widersprechen sich. Wer hatte die Idee, ein Pseudonym zu verwenden?

Foto: dpa/DPA
Verfahren gegen Doris Heinze wegen Drehbuch-Betrug
Die wegen Bestechlichkeit und Betrug angeklagte ehemalige NDR-Fernsehspielchefin Doris Heinze und ihr Ehemann Claus Wilhelm Strobel

Hamburg. Im Prozess um die Drehbuch-Affäre der früheren NDR-Fernsehspielchefin Doris Heinze haben sich zwei Mitangeklagte gegenseitig die Verantwortung für ein Pseudonym zugeschoben. Heinzes Ehemann erklärte, eine Filmproduzentin habe ihm vorgeschlagen, unter einem Decknamen zu schreiben. "Meiner Erinnerung nach kam der Anstoß von ihr", sagte der 63-Jährige am Freitag vor dem Hamburger Landgericht. Die Produzentin erklärte dagegen, sie gehe davon aus, dass er selbst die Idee dazu hatte. "Ich bin überzeugt, dass das Pseudonym nicht von mir kam."

Heinze, ihr Ehemann und die Filmproduzentin stehen gemeinsam vor Gericht. Die langjährige NDR-Fernsehspielchefin hat bereits zugegeben, unter den Decknamen "Marie Funder" und "Niklas Becker" Drehbücher von sich und ihrem Mann beim NDR eingeschleust zu haben. Sie ist wegen schwerer Bestechlichkeit, schwerer Untreue und Betrugs angeklagt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr unter anderem verbotene Absprachen mit der Filmproduzentin vor.

+++ Hat Doris Heinze dem NDR ein Drehbuch doppelt verkauft? +++

Wegen der Position seiner Frau beim NDR habe er als Autor und Filmemacher Schwierigkeiten gehabt, Stoffe bei dem Sender unterzubringen, sagte Heinzes Ehemann. Er sei dort "wie vor eine Wand gelaufen". "Ich fand auch nichts Ehrenrühriges oder Ungerechtes dabei, das unter Pseudonym zu machen", betonte der 63-Jährige. Er sei damit "spielerisch" umgegangen. "Ich hab mir dazu ehrlich gesagt gar keine Gedanken gemacht."

Auch die Produzentin betonte, sie habe "keinerlei Bedenken" gehabt, dass Heinze und ihr Mann Aliasnamen verwenden. "Ich hab dem gar keine Aufmerksamkeit wirklich geschenkt." Es sei nicht darum gegangen, etwas zu verheimlichen oder Heinzes Mann "etwas zuzuschustern" – sondern darum, in der Branche keinen Neid zu wecken. "Es ist eine Branche, die sich nicht viel gönnt." Sie habe nicht gewusst, dass Heinze damit gegen interne Regeln des NDR verstieß.

+++ Heinzes Ehemann sagt zum ersten Mal vor Gericht aus +++

Die 51-Jährige bezeichnete sich als "Kreativproduzentin", sie habe sich um inhaltliche Entscheidungen gekümmert und nicht um betriebswirtschaftliche Strukturen. Sie habe "durchweg für alle Sender in Deutschland" gearbeitet, keineswegs nur für den NDR. Die Zusammenarbeit mit Heinze schilderte sie als konstruktiv, aber auch anstrengend: "Jeder, der Frau Heinze kennt, weiß, wie schwierig, wie penibel, wie anspruchsvoll sie ist. Leicht ist was anderes."

Die Filmproduzentin hatte ihre Aussage sehr emotional begonnen. "Dieses Strafverfahren und seine Nebenwirkungen belasten mich emotional sehr", sagte die 51-Jährige mit brüchiger Stimme. Seit Beginn der Ermittlungen vor rund drei Jahren liege ihre gesamte Berufstätigkeit brach. Sie sei 2009 von einer Minute auf die andere freigestellt worden – ohne Stellung beziehen zu können. "Es wurde mir regelrecht versperrt." (dpa)

Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Im Hamburger Hafen gilt jetzt ein Tempolimit
Aktualisiert vor 51 MinutenNeue Regelung
Im Hamburger Hafen gilt jetzt Tempolimit von zehn Knoten

Laut Hafenbehörde HPA gilt die neue Regelung ab sofort. Bislang gab es im Hafengebiet nur eine verbindliche Höchstgeschwindigkeit für Sportboote von zwölf Knoten. mehr...


Das Restaurant „Sturmhaube“ am Roten Kliff auf Sylt. Hier eskalierte am Pfingstwochenende eine Party mit rund 3000 Gästen
13:40Mehrere Verletzte
"Geilste Party": Facebook-User feiern Eskalation auf Sylt

Die Wiedereröffnung eines Restaurant in Kampen ist völlig aus dem Ruder gelaufen. Rund 3000 Menschen folgten einer Facebook-Einladung und machten ordentlich Party - zum Leidwesen der Polizei. mehr...


Nils Jennrich auf einem Privatfoto, das in China entstand, bevor er im März 2012 verhaftet wurde
16:28China
Festgehaltener Norddeutscher darf China verlassen

Westerwelle zeigt sich "erleichtert" über die Ausreise von Kunstspediteur Jennrich, der in China erst in Haft saß, dann das Land nicht verlassen durfte. Er soll Steuern hinterzogen haben. mehr...


Hakan Calhanoglu: Seine Schusstechnik ist schon bundesligatauglich
12:12Neuzugang des HSV
Calhanoglu: "Ich will mich in der Bundesliga beweisen"

Der Neuzugang des HSV hat den Karlsruher SC mit 17 Toren zum Aufstieg in die zweite Liga geschossen. Nun will er sich auch in der Bundesliga beweisen. mehr...

Alles über Ihre Straße

Top-Videos
Kongress in Hamburg
Scholz und Bayer über Lokaljournalismus

Bürgermeister Olaf Scholz und Axel-Springer-Vorstandsmitglied Jan Bayer referierten beim Lokaljournalismus-Kongress in der Hamburger Handwer…mehr »

Top Bildergalerien mehr
Neu im Kino

Die Filmstarts am 16. Mai

Neu im Kino

Die Filmstarts am 9. Mai

Neu im Kino

Die Filmstarts am 2. Mai

"Tatort"

Wotan Wilke Möhring als "Tatort"-Kommissar Falke

tb_spargel.jpg
Spargelzeit im Norden

Hier erhalten Sie Wissenswertes & Tipps!mehr

Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr