SHMF
Peking-Oper zu Gast: Im Wald der wilden Schweine
Während der Kulturrevolution verboten: Chinas National Opera Company hat am Donnerstag eine Kostprobe ihres Könnens.
Der Begriff ist bekannt, die Materie völlig fremd. Chinas berühmte Peking-Oper ist zu einem zweitägigen Gastspiel beim Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) in Hamburg eingekehrt. Die Zuschauer, darunter in der ersten Reihe die Regierungschefs von Hamburg und Kiel, Olaf Scholz und Torsten Albig (beide SPD) stellten am Donnerstag fest: Mit Europas Musiktheater hat die Inszenierung der China National Peking Opera Company nichts zu tun.
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Das Bühnengeschehen wird nicht von lebendigen Charakteren bestimmt, sondern von festgelegten Typen. Die Maskenstarre mancher Rolle unterstreicht das. Frühlingszart sind die Kulissen; Seidenmalerei im Großformat. Grellbunt heben sich davor die Kostüme ab. Ein kleines Orchester, sechs Personen nur, sitzt neben der Szene: Saiteninstrumente, dazu viel Percussion, um dramatische Stellen noch zu betonen. Hoch und durchdringend klingen die Stimmen.
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"Im Wald der wilden Schweine" heißt das Stück. Es ist mehr als tausend Jahre alt. Böse, skrupellose Machthaber lassen ihre Launen und Lüste an guten Menschen aus. Die Gerechtigkeit siegt nur zum Teil. Man begreift, warum diese Theaterform in Zeiten der Diktatur verboten war. "Wahre Größe verlangt Skrupellosigkeit", verkündet der Text über der Bühne.
Die Protagonisten der Peking-Oper sind Multitalente. Sie singen, sprechen, tanzen, turnen. Als lustige Figur mischt ein korpulenter Mönch die Räuberbanden auf. Solche Kampfszenen sind einstudiert wie bei uns das Ballett. Die Moral wird klar, wie im Märchen für kleine Kinder, die Parallele zur Gegenwart auch. Vorsicht: Korruption und Machtmissbrauch haben die Jahrhunderte überdauert. Das Publikum applaudierte anhaltend. (dpa)
















