08.08.12

Newsroom-Konzerte

Wenn plötzlich das Büro zur Bühne wird

Künstler wie Stefan Gwildis und Joja Wendt spielten bereits für die Redaktion ein Newsroom-Konzert. Beim nächsten Mal können 20 Leser dabei sein.

Foto: Klaus Bodig
Vivaldi, Saint-Saëns und sehr viel Energie am Vormittag: Das Quartett Salut Salon im Newsroom des Abendblatts
Vivaldi, Saint-Saëns und sehr viel Energie am Vormittag: Das Quartett Salut Salon im Newsroom des Abendblatts

Hamburg. Ein Großraumbüro, da machen wir uns nichts vor, ist kein liebermannscher Garten, keine shakespearesche Schreibstube, kein farbverkleckstes Künstleratelier, kein biergetränkter Übungsraum, keine belebte Probebühne. Sprich: Im Großraumbüro, bei Journalisten "Newsroom" genannt, sorgen zwar die Menschen, die dort arbeiten, für reichlich anregenden Austausch. Aber zwischen Bildschirmen, Drehstühlen und Schreibtischen kann - Hand aufs Herz - die kreative Seele beizeiten eine Extraportion musische Inspiration gebrauchen.

Aus purem allerschönsten Eigennutz lädt sich die Abendblatt-Redaktion daher seit diesem Jahr in regelmäßigen Abständen Musiker aus Hamburg ins Verlagshaus an der Kaiser-Wilhelm-Straße. Dann wird der Song zur Nachricht. Und die Verse machen Schlagzeilen. Das Ohr hängt nicht am Telefonhörer, sondern lauscht der Lyrik der Interpreten. Der Blick wandert vom Rechner zu jenen, die sich immer wieder auf das Wagnis einlassen, öffentlich aufzutreten. Sei es auf der Straße, in einem Klub oder auch bei der Zeitung.

Die vier Damen von Salut Salon etwa sorgten mit ihrem Klassik-Cross-over von "Pulp Fiction" bis Mozart für ein emotionales Spektrum von Wut bis Witz, von Nachdenklichkeit bis Irrsinn. Eine facettenreiche Starthilfe in den Tag. Pianist Joja Wendt wiederum weckte die Redaktion restlos auf mit seinem infernalischen Klavierspiel, während die A-cappella-Humoristen von LaLeLu vor allem das Politikressort mit einigen Spitzen zu regierenden Persönlichkeiten inspirierten.

Das Grundgefühl, Spaß am Musikmachen zu haben, muss stimmen, erzählt Stefan Gwildis, der in der Veranstaltungsreihe den Anfang machte. "Dann ist es letztlich auch egal, ob ich im Bahnhof, einer Konzerthalle oder im Newsroom spiele", sagt der Soul-Barde, der neben seinen deutschsprachigen Nummern auch vokalartistisch einen Bass imitierte. In träumerische Wohlfühlstimmung hingegen versetzte der Singer-Songwriter Duncan Townsend schlagartig sämtliche Kolleg(inn)en, als er zur akustischen Gitarre seine anrührenden Folkpopsongs sang.

Die junge Hamburger Band Tonbandgerät, die das Abendblatt derzeit in einer Serie begleitet, ist mit ihrem klugen, federleichten und herzöffnenden Pop gerade auf dem Weg in die Musikwelt. Neben den Aufnahmen für ihre erste Platte, Festivalauftritten und den Vorbereitungen für den New Music Award in Berlin, für den sie nominiert sind, fanden sie Zeit, in der Redaktion ein Akustikset zu spielen.

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