26.07.12

Eine Trennung und viele offene Fragen

Alsterradio-Geschäftsführer Uwe Schneider muss völlig überraschend und mitten in einem Relaunch den Sender verlassen

Hamburg. Über Niendorf hatte er sich bereits konkrete Gedanken gemacht. Uwe Schneider konnte sich noch am Dienstagnachmittag vorstellen, mit seiner Familie dorthin zu ziehen. Für den gebürtigen Berliner, der seine Frau nie dazu bewegen vermochte, die Hauptstadt zu verlassen, wäre dies ein großer Schritt gewesen. Aber Hamburg, sagte der Alsterradio-Geschäftsführer, sei eben eine besondere Stadt. Das sehe auch seine Frau so.

Aus dem Umzug wird nichts werden. "Wir konnten uns mit Uwe Schneider nicht über die weitere strategische Ausrichtung von alster radio 106!8 einigen und haben uns daher im gegenseitigen Einvernehmen getrennt", teilte der Sender gestern gegen 13.50 Uhr in dürren Worten mit. Von der bevorstehenden Trennung wusste der Radiomanager einen Tag zuvor offenbar noch nichts. In einem fast zweistündigen Gespräch erläuterte er dem Abendblatt seine Pläne für den Sender.

Schneider ging in seinem Job auf. Einmal unterbrach er kurz das Interview, weil ein Mitarbeiter ihm via Handy darüber informierte, dass er gleich in einem der neu lackierten Senderwagen mit dem neuen Senderlogo vorbeifahren würde. Er stürzte ans Fenster, und als dann das knallorange Auto mit dem Slogan "Alsterradio - Wir lieben Hamburg" vorbeikam, war er bester Dinge. "Sieht doch spitze aus", sagte er.

Auf die Idee, dass Schneider keine 24 Stunden später nicht mehr im Amt sein würde, konnte man einfach nicht kommen. Schließlich steckt Alsterradio mitten in einem Relaunch. Am Montag soll das runderneuerte Programm erstmals auf Sendung gehen. Die wichtigste Neuerung betrifft die "Morningshow", das Aushängeschild des Senders. Sie wird künftig nicht mehr von Andreas "AC" Clausen und Maren Bockholdt, sondern von Lars "LaLo" Lorenz und Kaya Laß moderiert, die von Delta Radio kommt. Der Schauspieler Marek Erhardt wird als neue Station Voice alle Rahmenelemente des Senders sprechen, wie etwa Jingles und Trailer. Die Musik soll weniger rockig sein. Es soll mehr Hamburg-Themen geben. Zudem möchte Alsterradio in Zukunft die ganze Familie und nicht wie bisher vor allem Männer ansprechen.

So wie der Relaunch vom alten Geschäftsführer geplant wurde, wird er am Montag umgesetzt. Mit einer Ausnahme: Der neue Slogan "Wir spielen, was Sie wollen" ist nun Makulatur. "Keine anonymen Computer und/oder Musikwissenschaftler planen und bestimmen das Musikprogramm", hieß es noch in einer am Montag verbreiteten Pressemitteilung des Senders. "Alsterradio fragt die Hörer, was sie hören möchten." Zu diesem Zweck wollte Schneider eine Website starten, auf der die Hörer dem Sender ihre Wünsche mitteilen sollten. Dazu wird es nun nicht kommen.

Kann es sein, dass Schneider, der einst für den RIAS, den Berliner Sender 100,6 sowie das sächsische Radiostation Hitradio RTL arbeitete und den Kindersender Radio Teddy gründete, über die geplante Hörerbeteiligung gestolpert ist? Hamburger Radiokenner halten das für eher unwahrscheinlich. Wegen einer solchen Lappalie trenne man sich nicht mitten in einem Relaunch von seinem Geschäftsführer. "Das ist ein einmaliger Vorgang in der Hamburger Radiogeschichte", sagt einer, der sich auskennt in der Branche. Zudem hatte Alsterradio im letzten halben Jahr unter Schneiders Führung, der seinen Job erst im Januar antrat, einen deutlichen Hörerzuwachs zu verzeichnen.

Warum aber hat sich der Sender dann von Schneider getrennt? Kann es sein, dass er über die Beinaheverpflichtung von Carsten Spengemann stolperte? Irgendjemand verschickte vor zwei Wochen auf Alsterradio-Briefpapier eine Pressemitteilung, in der das Engagement des Schauspielers verkündet wurde. Spengemann, der zuvor wochenlang vom Sender getestet worden war, ließ sich von der "Hamburger Morgenpost" bereits als neuen Moderator präsentieren. Dann kam das Dementi von Alsterradio. Ein PR-Gag soll das Ganze nicht gewesen sein. Was war es dann? Einstweilen will keiner der Beteiligten die Fragen beantworten, die die Trennung von Schneider aufwirft.

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