24.07.12

Karibik-Revue

"Ballet Revolución": Erotisch, reißfest, waschbar ...

... sollten Kostüme sein, die Tänzer tragen. Für die Karibik-Revue "Ballet Revolución" hat sie Designer Jorge Gonzalez nun entworfen.

Foto: Ballet Revolucion/Nils Boehme/Ballet Revolucion/Ni
Die Tänzer der Show "Ballet Revolución" kommen aus Kuba - genau wie Jorge Gonzalez. Sie tanzen zur Musik von Beyoncé oder Jennifer Lopez im Thalia
Die Tänzer der Show "Ballet Revolución" kommen aus Kuba - genau wie Jorge Gonzalez. Sie tanzen zur Musik von Beyoncé oder Jennifer Lopez im Thalia

Thalia-Theater. Mode und Tanz sind die Leidenschaften des Designers Jorge Gonzalez. Warum nicht beides verbinden? Der seit zehn Jahren in Hamburg lebende Kubaner trainiert die Kandidatinnen für die Castingshow "Germany's Next Top Model", choreografiert und organisiert Modeschauen und präsentiert seit 2010 seine Kollektion "Chicas Walk". Das Angebot, die Kostüme für die spektakuläre internationale Revue "Ballet Revolución" und damit für die Tänzer aus seiner karibischen Heimat zu entwerfen, wertet er nicht nur als weitere Chance im Showbiz. Es ist ihm vielmehr eine Herzensangelegenheit. Gerade weil die von Aaron Cash und Roclan Gonzales Chavez zu Pop-Hits inszenierten Choreografien den Zeitgeist spiegeln. Ab Morgen erobert "Ballet Revolución" das Haus am Alstertor und hoffentlich auch die Herzen der Hamburger.

+++ Tanz aus Kuba im Thalia +++

Seit Coco Chanel 1924 die Bademode für das Ballett "Le Train Bleu" von Jean Cocteau und Darius Milhaud entwarf, gab es immer wieder Modeschöpfer, die mit Choreografen zusammenarbeiteten: Gianni Versace und Maurice Béjart ("Dionysos"), Giorgio Armani und John Neumeier ("Bernstein Dances"), Issey Miyake und William Forsythe ("The Loss of Small Detail"), Jean Paul Gautier und Angelin Preljocaj ("Schneewittchen"). Nicht immer waren auf Anhieb die Kostüme für Tänzer geeignet, zu sehr blieben die Designer ihrer Ästhetik treu. Bei den Kostümproben rissen Nähte, weil Schnitte nicht genügend Bewegungsfreiheit ließen oder edle Stoffe nicht strapazierfähig genug waren.

Jorge Gonzalez kann das nicht passieren. Er hat früher selbst getanzt. "Ich weiß, was Tänzer brauchen und ihnen wichtig ist, wie eng oder wie weit die Kostüme sein sollen, welche Accessoires sie behindern", sagt der 42-Jährige. Er besuchte die Proben, um Musik, Choreografien und die Tänzer zu studieren und eigene, aber auch geeignete Ideen zu entwickeln. Bühnenkostüme seien nicht Verkleidung, sondern Kleider, die schöne Körper sexy zur Geltung bringen.

Ganz sein Stil. Den Jungs verpasste er enge schwarze Hosen aus Stretchmaterial. Dazu verschiedene Tops mit großzügigen Durchblicken auf Haut und Muskelspiel. "Für die Songs von Jennifer Lopez und Beyoncé ließ ich mich vom MTV-Look inspirieren." Die Frauen tragen Bodysuits oder Miniskirts. Keine langen Röcke mit Rüschen?

Gonzalez' genervter Augenaufschlag und sein Seufzen sprechen Bände. Dem Mann des lauten, lebhaften Wortes hat es für einen Moment die Rede verschlagen: immer diese Klischees. Für die Show bevorzugt Gonzalez einen körperbetonten, minimalistischen Stil, fand coole, auf Linie geschnittene Dressvarianten in Schwarz. Doch keine Sorge. Es gibt auch helle, kräftige Farben und leichte Stoffe für den Karibik-Klassiker "El Cumbanchero!" Effektvolle Abwechslung bringen Hemden oder Jacketts. Zu Shakiras "Hips Don't Lie" ließ er Hotpants aus glänzendem, goldenen Lederimitat schneidern. "Ich habe teures Material verwendet, denn es sollte weich sein, gut sitzen und waschbar sein."

Denn die etwa 70 Kostüme wandern nach jeder Show in die Reinigung. "Deshalb gibt es sie in zweifacher Anfertigung", erklärt Gonzalez. Sie wurden alle in Hamburg hergestellt. Vier Monate stand Gonzalez deshalb unter Strom. "Eine kurze Zeit, wir hatten nur ein einzige Kostümprobe mit der Compagnie", sagt er, probierte deshalb auch die Kreationen an sich selbst aus. "Das war riskant, aber wir hatten ein Superteam." Nach den Kosten gefragt, hüllt sich Gonzalez, für ihn untypisch, vornehm in Schweigen.

Über das stilistische Showkonzept spricht er lieber. "Für mich war die erste Frage, ob es auch zu mir passt." Er sei zwar Kubaner und liebe seine Heimat, doch hätte er kein Interesse daran, folkloristische Klischees zu bedienen. "Die Tänzer bringen ihre Energie, Schönheit und kubanische Lebensfreude mit auf die Bühne", sagt er. "Sie leben in der Welt von heute, lassen etwas von ihrem Lifestyle und dem Zeitgeist spüren." Diesen Anspruch hatte auch Jorge Gonzalez an seine Kostüme.

"Ballet Revolución" 20.00, Thalia-Theater (S/U Jungfernstieg), Alstertor, Vorstellungen bis 5.8., Karten zu 21,60 bis 75,- und 12,40 bis 39,30 (erm. für Kinder bis 16 Jahre) in allen Hamburger Abendblatt-Ticketshops und unter dem Tickettelefon 040/30 30 98 98

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