Konzertkritik
Norah Jones: Kleine Herzen brechen langsam
Die New Yorker Künstlerin Norah Jones ließ es vor 3000 Fans im Stadtpark trotz neuer, dynamischer Songs insgesamt eher ruhig angehen.
Hamburg. Nanu? Gleich nach dem Beginn ihres Konzerts im Stadtpark mit "Take It Back" sagt Norah Jones schon Adieu. Aber es ist nur der Song "Say Goodbye", mit dem sich die 33 Jahre junge New Yorkerin von ihrem Ex-Freund Lee Alexander verabschiedet. Das ist auch das programmatische Lied ihres aktuellen fünften Albums "...Little Broken Hearts", einer Platte um das Loslassen, um zerplatzte Träume und, nun ja, viele gebrochene Herzen.
Wie gut, dass sich der Stadtpark von seiner sonnigen Seite zeigt. Denn eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Auch nicht die knapp 30 Origami-Vögelchen, die an den Lichttraversen baumeln – welcher arme Roadie die wohl vor jedem Auftritt falten muss? Auf den neuen Songs, die gut ein Drittel des Abends ausmachen, naht jedenfalls der Winter.
Die perkussive, elektronische Komponente, die Produzent Danger Mouse den hymnisch hallenden, reinrassigen Pop-Balladen auf "...Little Broken Hearts" verpasste, legt sich auf die 3000 Hamburger Fans wie Schneekristalle auf beschlagene Fensterscheiben. "She's 22", "All A Dream" oder "Little Broken Hearts" heben sich deutlich ab vom meist sonnigen Piano-Jazz, Folk und Country ihrer vier ersten Alben.
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Das Publikum hört genau hin. Norah Jones ist keine Frau der Single-Hits, was angesichts von 40 Millionen verkauften Alben und einem Sack voller Grammys verwundern mag. Dafür hat sie aber auch keine Bringschuld und kann mit ihrer vierköpfigen Band im Blues von "It's Gonna Be" rumpeln, milde rockend mit "Chasing Pirates" auf die Jagd gehen und je nach Bedarf zwischen E-Piano und Klavier, elektrischer und akustischer Gitarre wechseln.
Tempo und Atmosphäre bleiben anschließend stets fern jeder Hast, so dass man sich einen intimeren Rahmen und Rundtisch-Grüppchen statt ausgelatschter Grasnarben wünscht. Die Zuschauer brauchen echte Steherqualitäten, so mancher Bierbecher ist eher zum Festhalten als zum Nippen gedacht.
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Tatsächlich gleitet dem Autoren dieser Zeilen zwischen dem Country-Schlurfer "Lonestar" und dem Danger-Mouse-Cover "Black" das Getränk aus der Hand und auf den Laptop. Kurz eingenickt. Passiert.
Ja, der Abend ist insgesamt langsam. Sehr langsam. "Cold Cold Heart", "What I Am To You" und "Miriam" werden derart verschleppt, dass das harmlose, aber flottere "Happy Pills" seinem Namen alle Ehre macht fast und wie ein Faustschlag wirkt. Sehr gut, denn so bleibt nach 90 Minuten und dem finalen Tom-Waits-Cover "The Long Way Home" niemand zurück. Hmm. Am 21. Oktober spielt Kanadas wildester Rocker Danko Jones im Docks. Vielleicht kann ihn jemand mit Norah verkuppeln. Ganz hübsch ist er ja.
















