"Easy Rider" auf norwegisch
Die wilde Filmballade "Sons of Norway" lebt von ihren absurd-skurrilen Szenen
Ausgerechnet Bananen! Als Magnus (Sven Nordin), Architekt von Beruf, und Lone (Sonja Richter) im Jahr 1978 mit ihrem Sohn Nikolaj (Åsmund Høeg) sowie Freunden und Verwandten Weihnachten feiern, hagelt es Bananen: Christbaumschmuck, Vorspeise, Dessert - Bananen, wohin das Auge schaut. Nikolaj ist der pubertierende Spross einer wahren Hippiefamilie, und da geht es ein wenig anders zu. Immerhin: Die E-Gitarre, die ihm seine Eltern schenken, ist echt. Jetzt noch ein neuer, wilder Haarschnitt, schwarze Klamotten und "Anarchy in the U.K." von den Sex Pistols auf den Plattenteller - Nikolaj wird über Nacht zum Punk und gründet mit seinen Schulfreunden Thor (Tony Veitsle Skarpsno) und Anton (Trond Nillssen) eine Band mit dem programmatischen Namen "Dirt". Doch dann stirbt Lone bei einem Autounfall, Magnus verfällt in eine tiefe Depression, bleibt den ganzen Tag im Bett und vernachlässigt Haushalt und Beruf. "No Future" - Nikolaj bekommt eine Ahnung davon, was es wirklich bedeutet, Punk zu sein.
Hippies und Punks, Familie und Schule, Komödie und Tragödie: Nach seinem eigenen, autobiografisch gefärbten Roman "Theorie und Praxis" erzählt der Drehbuchautor Nikolaj Frobenius von den "Sons of Norway". Es ist eine Geschichte übers Erwachsenwerden, in der die Gegensätze nur so aufeinanderprallen. Nach und nach kristallisiert sich dabei eine anrührende Vater-Sohn-Beziehung heraus. Magnus, mit rotem Vollbart, großer Hornbrille und schmauchender Pfeife von Sven Nordin sehr markant gespielt, hat für das Aufbegehren seines Sohnes viel Verständnis, weil er selbst einmal aufbegehrt hat. Köstlich, wie er den Schuldirektor zusammenfaltet oder seinen unwilligen Sohn zum Sommerurlaub in ein Nudistencamp zerrt. "Sons of Norway" lebt von diesen absurd-skurrilen Szenen, die trotz allen Humors auch immer etwas Melancholisch-Nachdenkliches haben. Große Bedeutung kommt dem Punkrock zu, der mit seiner treibenden Aggressivität, wuchtigen Lautstärke und den provokanten Texten als Metapher für Zerstörung und Nikolajs aufgewühlte Gefühle fungiert. Johnny Rotten alias John Lydon darf da, in einem kurzen und prägnanten Gastauftritt, nicht fehlen.
++++- "Sons of Norway" Norwegen/Schweden/Dänemark/Frankreich 2011, 87 Min., ab 12 J., R: Jens Lien, D: Sven Nordin, Åsmund Høeg, Sonja Richter, täglich im 3001; www.sons-of-norway.de













