Lebensart
Bistro Liman: Ein Hafen für Meerestiere
Gürcan aus Ankara serviert in seinem Bistro Liman knusprig gebratenen Fisch
Aber der Aberglaube will, dass die Dorade mitspielt: "In der brasilianischen Fußballnationalmannschaft muss immer ein Weißer dabei sein, also grille ich auch einen ganzen Fisch, die Dorade, sonst nur Filets", sagt Gürcan und formt seine Lippen zu zwei Schmatzern - früher hat er als Konzertveranstalter gearbeitet und etwa den Popstar Tarkan ("Kiss Kiss") nach Hamburg geholt. Vor einem Jahr begann Gürcans Erfolgsgeschichte mit Fisch statt Musik, das Bistro Liman am Heiligengeistfeld ist ein Ort der Reinheit, denn Gürcan verwendet weder Mehl noch Panade; seine Fische sollen nichts verbergen. Manchmal parken Luxusautos vor der Tür, auch Sterneköche kommen, um zu gucken, was der Kollege Gürcan da raushaut, und er kriegt Respekt von ihnen.
Gürcan und seine Frau Gülay führen das Lokal gemeinsam, er schnackt Hamburgisch: Geboren in Ankara, lebt er seit 40 Jahren in Deutschland, und wer mit ihm plaudert (er plaudert sehr gern), wird sofort seine Leidenschaft und Disziplin erkennen. Die Mode verlangt glasigen Fisch, aber Gürcan schüttelt sich, nein, sein Fisch wabbelt nie, sondern knuspert. Gürcan grillt erst dann, wenn der Gast bestellt hat; die Frage, ob sein Fisch immer frisch sei, würde Gürcan so wenig verstehen wie die Frage, ob eine Hafenstadt am Wasser liegt - was denn sonst!
Liman bedeutet Hafen, einige Restaurants unten im Portugiesenviertel machen dem Fisch wirklich keine Ehre, bei Gürcan habe ich inzwischen sämtliche Fische und andere Meerestiere genossen und beginne jetzt wieder von vorne: Für Einsteiger zu empfehlen ist die Schlemmerplatte mit Kabeljau, Thunfisch und Heilbutt (12,50 Euro), die De-Luxe-Version bietet dazu Gambas und Tintenfisch (14,50 Euro); das Drei-Gänge-Menü besteht aus Antipasti, dann Gambas, Baby-Calamari und Tentakeln, schließlich Kabeljau, Lachs und Rotbarsch. Die Eiligen nehmen statt Kaffee mal einen Fish to go (Fisch zum Mitnehmen) - Gürcan legt ihn zwischen Brotscheiben, das kostet 4,50 Euro und bringt Schwung beim Spazieren.
Neben jedem Fisch (9 Euro bis 14,50 Euro) liegen Bratkartoffeln und Römersalat, zum Start serviert Gürcan auch noch vier Spezialitäten, damit die Gäste heißlaufen: Couscous und einen Joghurt-Knoblauch-Dip, Weißbohnen und Schafskäsepüree. Alle Gerichte haben Feuer, denn es widerspräche Gürcans Charakter, lasch zu würzen. Sahnesaucen esse ich sehr selten, aber zu den Gambas brauche ich unbedingt Gürcans Sauce aus Sahne, Knoblauch und anderen Kräutern, die er natürlich nicht verrät.
Gürcan und seine Küche hätten den Medienpreis "Bambi" für Integration verdient: Am Stammtisch freuen sich die Münchnerin Annamirl und Jupp aus dem Rheinland, sie konnten keinen Fisch runterkriegen, bis sie mit Hamburger Freunden im Liman einkehrten und einen Bissen probierten - die beiden Zugereisten mögen Fisch seitdem. Es gibt hier Damenbier (Astra) und Männerbier (Jever), viele Gäste trinken einen Grünen Veltliner (Glas 5,50/Flasche 20 Euro) oder einen Bordeaux (6/22 Euro) - die Sonne bescheint die Terrasse durchgehend ab dem Mittagstisch, und Gürcan gönnt sich keinen Ruhetag. "Ausruhen kann ich später in der Ewigkeit", sagt er und bestätigt derart Regisseur Rainer Werner Fassbinder.
Ja, diesen Gürcan wird niemand aufhalten: Er plant bereits Filialen, auch in Eppendorf bei den Wohlhabenden; eine Wurst will er niemals grillen. Herr Kowalke mit seinem Fischereihafen Restaurant bleibt der Hamburger Fischkaiser - aber dann kommt auch schon König Gürcan der Erste.
Liman Mo-Do 12.00-22.00, Fr/Sa 12.00-2.30, So 13.00-21.30, Feldstraße 32 (U Feldstraße), T. 38 67 91 05; www.liman-fisch.com















