11.06.12

Von "Renku" bis Nijinsky

Ballett-Tage zeigen Highlights - doch Neumeier muss sparen

Ballett-Intendant Neumeier würde gern mehr Compagnien aus dem Ausland auf den Ballett-Tagen präsentieren – doch der Etat dafür ist nicht da.

Foto: dpa
Der Intendant des Hamburg Balletts, John Neumeier (Mitte), bei der Programmvorstellung für die 38. Hamburger Ballett-Tage mit den beiden Nachwuchschoreografen Orkan Dann (l.) und Yuka Oishi
Der Intendant des Hamburg Balletts, John Neumeier (Mitte), bei der Programmvorstellung für die 38. Hamburger Ballett-Tage mit den beiden Nachwuchschoreografen Orkan Dann (l.) und Yuka Oishi

Hamburg. Ballett-Intendant John Neumeier würde gern mehr Compagnien aus dem Ausland auf den Hamburger Ballett-Tagen präsentieren – nur fehlt ihm das Geld dafür. "Geben Sie mir nur ein bisschen Etat, und ich mache das. Es gibt nichts, was ich lieber mache, als Ballett zu zeigen", sagte Neumeier am Montag bei der Vorstellung des Programms der am Sonntag (17.6.) beginnenden 38. Ballett-Tage in der Hansestadt. Das zweiwöchige Festival ist traditionell Höhepunkt und Abschluss der Saison beim Hamburg Ballett. Die Uraufführung des Balletts "Renku" gibt diesmal den Auftakt.

Als Gastcompagnie ist in diesem Jahr das San Francisco Ballet dabei. Das Hamburg Ballett habe jedoch eigentlich keinen Etat dafür und spare deshalb zusammen, um zumindest ein Ensemble aus dem Ausland im Programm zu haben. "Es liegt nicht in meiner Pflicht als Ballett-Direktor, eine Compagnie einzuladen, sondern meine Pflicht ist eigentlich, Ballette in und für Hamburg zu machen", betonte Neumeier. "Ich finde es aber wirklich wichtig, dass das Publikum, das dem Hamburg Ballett treu ist und ihm mit Enthusiasmus begegnet, auch sieht, was es sonst auf der Welt gibt".

Mit "Renku" eröffnet diesmal nicht Neumeier selbst die Ballett-Tage, sondern zwei Nachwuchs-Choreographen: Yuka Oishi und Orkan Dann. Sie übertragen das Schöpfungsprinzip einer japanischen Gedichtform auf den Tanz: So wie an einem Renku mehrere Autoren mitschreiben, zeichnen auch hier zwei Choreographen für die Choreographie verantwortlich. Der Titel des Abends ist dem Japanischen entnommen und bedeutet "verkettete Verse". Nach der Uraufführung am Sonntag steht "Renku" noch an zwei Abenden (19./29.6.) auf dem Programm.

Höhepunkt und Abschluss des Festivals ist die fünfstündige Nijinsky-Gala am 1. Juli: "eine Mischung aus interessanten Gasttänzern und Choreographien, bei der gleichzeitig alle Tänzer und Solisten des Hamburg Balletts auf der Bühne sind", erklärte Neumeier. Die Gala zeigt Ausschnitte aus Inszenierungen wie "A Cinderella Story", "Der Nussknacker", "Carmen" und "Tod in Venedig" und steht diesmal unter dem Motto "Geheime Dialoge". "Tanz ist immer etwas, was man in Worten nicht erklären oder beschreiben kann", meinte Neumeier. "Das Geheimnis besteht aus Tanz, Musik und Emotionen."

Zwischen "Renku" und der Nijinski-Gala bieten die Ballett-Tage traditionelle Aufführungen wie die des Nachwuchses in "Erste Schritte" (18.6.) sowie Höhepunkte der Compagnie wie "Ein Sommernachtstraum" (20.6.), "Die kleine Meerjungfrau" (22.6.), "Die Kameliendame" (24.6.) und "Liliom" (28.6.). Das 1933 ins Leben gerufene San Francisco Ballet, das als eine der ältesten Ballettcompagnien Amerikas gilt, gibt sein erstes Gastspiel in Deutschland.

"Die Highlights, das, was wichtig war in einem Jahr" – so beschreibt der 70 Jahre alte Choreograph die Ballett-Tage. "Sie zeigen immer das Resultat eines Jahres Arbeit und damit gleichzeitig das Resultat der 37 Jahre zuvor", sagte Neumeier und warf bereits jetzt einen Blick zurück. "Es ist unglaublich, dass am Sonntag die 38. Hamburger Ballett-Tage beginnen. Als ich das angefangen habe, hat man gedacht, es wäre vielleicht für ein Jahr und dann gerät es in Vergessenheit." Ein großes Jubiläum steht Neumeier in der nächsten Spielzeit bevor: Dann kann er auf 40 Jahre als Künstlerischer Leiter und Intendant des Hamburg Balletts zurückblicken. (dpa)

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