Konzert in der Laeiszhalle
Martin Grubinger: Eine Party mit Jazz-Standards
Der virtuose Perkussionist Martin Grubinger lud bei seinem Nacholkonzert in der Hamburger Laeiszhalle zur Reise durch die Geschichte des Jazz.
Hamburg. Am Ende von Martin Grubingers Gastspiel am Dienstag in der Laeiszhalle fehlten nur noch Luftballons und Konfetti. Wer den Auftritt des Salzburger Perkussionisten in der Reihe "Internationale Solisten" als reines Konzert begriff, der hatte es wohl zur Hälfte missverstanden. Der zweite, bessere Teil des Abends glich nämlich eher einer großen Musikparty. Wolf Kerschek hatte Grubinger und den Seinen dafür eine Suite arrangiert, die quer durch die Geschichte des Jazz und Swing führte und von "Chattanooga Choo Choo" bis "Take the A-Train" auf der Schiene eisenbahnverbundener Standards verlief.
Die Musiker der Salzburger Camerata brillierten dabei nicht nur als Marching Band, sondern auch mit knackigen Soli. Der Ehrenpreis für Crossover-Kompetenz ging an die Kontrabassistin der Salzburger - für stilechten Blues-Gesang. Und Grubingers Vater, Martin Grubinger senior, stellte wieder einmal seine Entertainer-Qualitäten unter Beweis. Nur eines hätte die Stimmung noch mehr heben können: Am 29. Mai feierte Grubinger seinen 29. Geburtstag; doch die Mühen einiger Grubinger-Groupies, das Publikum zu einem Ständchen zu bewegen, gingen in der allgemeinen Begeisterung unter.
Vom Ende her betrachtet erwies sich der vorangegangene Teil des Abends mehr als Vorglühen. Richtig Stimmung in Hamburgs wilhelminischen Musentempel hatte erst eine Suite aus Leonard Bernsteins "West Side Story" gebracht, die wurde von Grubinger Vater und Sohn, deren Mitperkussionisten und der Camerata mit sichtbarem Spaß an der Sache gespielt. Zuvor hatte sich das Geburtstagswunderkind bescheiden ins Schicksal aller Orchester-Schlagzeuger gefügt und bei Aaron Coplands Western-Pastorale "Appalachian Spring" nur ab und an einen Paukenton zum idyllischen Geschehen beigetragen.
Seine Virtuosität hatte Grubinger der Jüngere dafür in John Coriglianos Schlagzeugkonzert "Conjurer" (Magier) vorführen können. Hier durchlief der Hochleistungstrommler einen quer übers Podium verteilten Parcours aus Holz-, Fell- und Metallinstrumenten. Über die Sammlung von Banalitäten in Coriglianos Konzert konnte aber selbst Grubingers sportliche Leistung nicht hinwegtäuschen. Auch der Auftakt des Abends war mit einer etwas holprigen Lesart von Ives' "Unanswered Question" wenig überzeugend ausgefallen.
















