11.05.12

Neu im Bücherregal

Mit diesem Buch macht Feminismus Spaß

Die Engländerin Caitlin Moran beschreibt in einem witzigen und frechen Buch, wie schwer es ist, dem Ideal der modernen Frau zu entsprechen.

Foto: dpa
Caitlin Moran, 37, ist das älteste von acht Geschwistern, ging mit zwölf von der Schule ab und machte schnell Karriere
Caitlin Moran, 37, ist das älteste von acht Geschwistern, ging mit zwölf von der Schule ab und machte schnell Karriere

Natürlich gibt es keine "Frauen"- oder "Männerbücher". Was sollte das sein? Ein Roman von einer Frau? Für eine Frau? Über eine Frau? Oder über Themen, die Frauen angeblich lieben? Aber Caitlin Morans Buch "How to be a woman - Wie ich lernte, eine Frau zu sein", eine romanhafte Biografie, gemischt mit frechen Tiraden und Erkenntnissen, ist definitiv etwas, worüber sich Frauen besonders amüsieren können. Weil Moran Ereignisse, Gegebenheiten und Überzeugungen kritisch beäugt, die jede Frau kennt. Beispielsweise fragt sie sich, ob der natürliche Verbündete einer Heterofrau ein schwuler Mann ist. Und sie behauptet, dass es vier Dinge sind, die unbedingt in eine Handtasche gehören: Eyeliner, etwas, das extrem saugstark ist, Sicherheitsnadel, Kekse.

Aber Moran hat mehr vor: Sie plädiert für einen ungezwungenen Feminismus. Sie schreibt über das Erwachsenwerden, über Sexismus und Stripklubs, über Ehe, Kinderkriegen und weibliche Vorbilder. Dabei ist ihr ein überaus witziges und freches Buch gelungen. Ein lustiger Beitrag zu einem mit Quotendebatte und "Herdprämie" gerade wieder aktuellen Thema. Der Krieg der Geschlechter existiert bei ihr nicht. "Ich liebe Männer", sagt sie, aber für eine gute Pointe verkauft sie sie. "Fast alles in meinem Leben mache ich halb aus Prinzip, halb wegen der Witze. Ich bin die erste lustige Feministin."

In England steht ihr humorvolles Plädoyer für den Feminismus seit einem Jahr auf der Bestsellerliste. "Ich kann alles zu einem brillanten akademischen Argument darüber zusammentragen, warum Frauen und Männer gleich sind", sagt sie, "aber dazu fehlt es mir an Bildung. Ich wollte lieber versuchen, Feminismus cool zu machen. Es ist viel schneller und leichter, wenn du ein Buch schreibst, das zeigt, es macht Spaß, eine Feministin zu sein. Dann wollen andere Leute auch Feministinnen sein. Deshalb zeige ich Feminismus als etwas, das heißt: Du hast mehr Sex und schönere Haare."

Caitlin Moran wuchs als ältestes von acht Geschwistern in einem Sozialbau in England auf, hatte keine Freunde, dafür aber eine komplett verrückte Familie. Und Schäferhund Safran, ein mit Angst und Durchfall gesegnetes Tier. "Wir wohnten in diesem winzigen Haus und hatten kein Geld für anständiges Essen. Wir waren sehr arm und sehr dick und schämten uns rauszugehen", sagt Caitlin Moran heute. Moran, die mit zwölf Jahren beschloss, von der Schule abzugehen, mit 16 Jahren bei der Musikzeitschrift "Melody Maker" anfing, mit 18 im Fernsehen eine Musiksendung moderierte und 2010 als britische "Kolumnistin des Jahres" aus-gezeichnet wurde, schreibt über Themen wie Schamhaargestaltung, BH-Größen, Spitznamen für Geschlechtsorgane, Menstruation, Sex, schlechte Pornos und Abtreibung mit viel schrägem Humor. Sie stellt sich Fragen wie "Warum müssen Stringtangas so entsetzlich unbequem sein?" oder "Wie kann eine erwachsene Frau mit Verstand ihre Brüste nennen? Titten? Möpse? Simon und Garfunkel?" Fragen also, die definitiv nur Frauen haben. Was nicht heißen soll, dass sich nicht auch Männer über die witzige Lektüre amüsieren können.

Peinlich genau wie Charlotte Roche berichtet Moran von den körperlichen Seiten des Frauseins, grenzt sich von den theoriedefinierten Feministinnen ab. "Tausend Jahre lang haben Männer über alles Mögliche geredet, und die Frauen haben geschwiegen, weil sie Angst hatten, als Nutten beschimpft zu werden. Fast alle Frauen masturbieren heutzutage oder schauen sich im Internet Pornos an - es ist total normal, aber keine von uns redet offen darüber, es sei denn, sie ist sehr betrunken. So verhalten sich Unterdrückte", sagt Moran.

"Als wir noch Kinder waren", schreibt sie in ihrem Buch, "sagte meine Mutter zu allen intimen Organen ,Lo-Lo': ,Lo' für hinten und ,Lo-Lo' für vorne. Ein Universalwort. Für irgendwelche spezielleren Bezeichnungen waren wir immer zu arm." Moran schlängelt sich auf knapp 400 Seiten chronologisch durchs Leben: Die Pubertät ist eine einzige Hölle, Jobs und Freunde wollen mühsam gebändigt werden, die Hochzeit, die in England durchschnittlich 21 000 Pfund kostet, kommentiert sie mit: "Ich würde diese Summe nur ausgeben, wenn ich dafür etwas bekomme, das Türen und Fenster hat."

Sie heiratet natürlich trotzdem, bekommt zwei Kinder und kommt am Ende zu der Einsicht, dass es der Kontrollverlust war, der ihr Angst vor dem Erwachsenwerden machte. "Es war das Gefühl, mich irgendwie, durch übermenschliche Anstrengung, in eine Prinzessin verwandeln zu müssen. Weil ich dann nämlich geliebt und gemocht werden würde." Nun hat sie's mit Schreiben geschafft. Ist auch besser so.

Caitlin Moran: How to be a Woman, Ullstein-Verlag, 383 Seiten, 16,99 Euro

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