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Kultur & Live

Fragen einer geklonten Tochter

Franka Potente ist in "Blueprint" eine Pianistin, die sich eine Tochter klonen lässt.

Das alte Europa hat sie wieder: Franka Potente, deutscher Filmexport von Format, hat ihre Zelte in Los Angeles abgebrochen und ist zurück nach Berlin gezogen. In Rolf Schübels "Blueprint" spielt die 29-Jährige gleich eine Doppelrolle. Sie verkörpert eine Konzertpianistin, die lebensgefährlich erkrankt und deshalb aus ihrem Erbmaterial einen Klon produzieren lässt. Volker Behrens hat mit ihr gesprochen.

ABENDBLATT: Sollte man jemanden klonen, und wenn ja, wen?

FRANKA POTENTE: Grundsätzlich nein. Aber es gibt Leute, die nicht mehr leben, die ich gern getroffen hätte. Andy Warhol zum Beispiel. Aber beim Klon hätte ich dann das Gefühl: Es ist ja doch nicht der Echte. Ich weiß nicht, ob man klonen könnte, was ihn so umweht hat: sein Charisma.

ABENDBLATT: Siri ist in einer extremen Situation, als sie erfährt, dass sie ein Klon ist. Wie haben Sie sich in diese Rolle hineingefühlt, welche Ängste haben Sie?

POTENTE: Ich hatte im vergangenen Jahr auch viele Existenzängste, aber nicht so sehr beruflicher Natur. Ich bin aus einer gefestigten, eigentlich tollen fünfjährigen Beziehung raus. Es war eine neue Lebenssituation. Plötzlich macht man alles alleine und führt Selbstgespräche, weil ein starker Ratgeber fehlt - und das war Tom (Tykwer, d. Red) ja immer. Das ist mit Ängsten verbunden, die aber auch konstruktiv waren, denn daraus erwächst auch immer etwas. Es gab Drehtage, an denen ich mich gefragt habe: Wie soll ich den Tag jetzt schaffen? Ich habe sechs Tage pro Woche gedreht und am siebten dann auch noch mit dem Pianisten gearbeitet. Dann habe ich auch noch meine Familie in Münster mit Kaffee und Kuchen bewirtet. Es war manchmal alles ein bisschen viel. Siri hat ja eine totale Übermutter, die sich bis zum Gehtnichtmehr stilisiert und völlig narzisstisch egoman ein Ebenbild geschaffen hat. Dann wird es natürlich schwierig mit der Existenz, die noch nicht einmal die eigene ist.

ABENDBLATT: Ist das Ihre bisher schwerste Rolle?

POTENTE: Logistisch und kräftemäßig gesehen schon; sonst würde ich "Der Krieger und die Kaiserin" nennen. Für "Blueprint" musste ich mir ein richtiges Konzept überlegen. Ich bin dabei immer von der Mutter ausgegangen. Die Tochter ist mehr oder weniger das Ergebnis, Sie muss sich vom Klon-Thema emanzipieren, das man ja nicht spüren kann. Gleichzeitig muss man es miterzählen.

ABENDBLATT: Siri zieht sich in die Wälder Kanadas zurück. Lässt sich das mit Ihrer Entscheidung vergleichen, in die USA zu ziehen?

POTENTE: Nur bedingt. Wenn ich in eine Holzhütte gegangen wäre, hätte ich mir wahrscheinlich einen Strick genommen. Aber das wollte ich nicht, und so schlimm war es dann auch nicht. Ich bin nach Los Angeles gegangen, weil ich da auch Freunde hatte. Ich wollte mal weit weg. Auf Zeit, al- so wie Winterschlaf halten. Los Angeles ist sehr exotisch, mir aber auch bekannt, weil ich dort schon einige Male war. Gleichzeitig ist es eine sehr anonyme Stadt, in der man seine Ruhe haben kann. Siri ist anders, die sucht ja neuen Lebensraum für immer. So richtig Einsamkeit. Ich habe keine Einsamkeit gesucht, ich wollte nur allein sein.

ABENDBLATT: Sind Sie wieder zurück?

POTENTE: Ich habe alle Zelte abgebrochen. Die Konsequenz aus dem Hingehen war das Zurückgehen. Da hat sich ein Kreis geschlossen. Bei den amerikanischen Freunden bin ich damit zum Teil auf Unverständnis gestoßen. Die waren echt beleidigt.

ABENDBLATT: Welche Mutter-Tochter-Konflikte haben Sie eigentlich selbst erlebt?

POTENTE: Keine extremen, aber mit meinem Vater gab es so etwas. Früher war er Schulleiter in einer Kleinstadt. Wenn die Tochter am Sonntag mit zerfetzter Jeans rumlief, war das ein Problem. Da haben wir uns gefetzt. Aber meine Eltern haben nie Probleme mit meinem Bruder oder mir gehabt, was Drogen oder andere Hardcore-Sachen betrifft.

ABENDBLATT: Sie haben gesagt, Sie seien in Ihrer Familie aus der Art geschlagen. Ist Ihr Beruf ein Auflehnen gegen diese Herkunft?

POTENTE: Das sehe ich heute nicht mehr so. Aber Künstler gibt es in unserer Familie nicht. Wenn man in Dülmen, Münster oder Greven aufwächst, kennt man auch gar keine Schauspieler.

ABENDBLATT: Sie haben mit Jürgen Vogel in der "FAZ" über den Zustand des deutschen Films gestritten. Hatte das schon Folgen?

POTENTE: Mich haben Leute darauf angesprochen, wo ich dachte: "Das finde ich gut. Du solltest das auch lesen." Wichtig war, dass auch kleine Filmemacher kapieren, dass sie einen ansprechen sollen, wenn sie etwas haben - und nicht denken: Die dreht ja nur in Hollywood.

 

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