25.04.12

Lesung

Das bunte Leben der Patricia Kaas

Nicht nur von schönen Erinnerungen geschrieben: Auf Kampnagel stellt die Sängerin ihre Autobiografie zusammen mit Hubertus Meyer-Burckhardt vor.

Foto: picture alliance / Tanguy Hugues/Tanguy Hugues
Patricia Kaas hat sich nicht nur schöne Erinnerungen von der Seele geschrieben. In einem Jahr kommt sie für ein Piaf-Konzert nach Hamburg
Patricia Kaas hat sich nicht nur schöne Erinnerungen von der Seele geschrieben. In einem Jahr kommt sie für ein Piaf-Konzert nach Hamburg

Kampnagel. Singt sie, oder singt sie nicht? Wenn Patricia Kaas heute auf Kampnagel auftritt, um ihre Autobiografie "Mademoiselle singt den Blues" vorzustellen, wird das sicher keine Lesung im herkömmlichen Sinne. Aber wird sie auch dem Buchtitel Tribut zollen? Die Sängerin, die im Laufe ihrer Karriere zehn Millionen Tonträger verkauft hat, wird sich mit Hubertus Meyer-Burckhardt über das Buch unterhalten, wohl auch einige Exemplare signieren. Vielleicht sogar noch mehr?

Ein Buch schreiben. Diesen Vorschlag hatte man schon mehrfach an sie herangetragen, sagt Kaas. Die Tochter eines lothringischen Bergmanns und einer deutschen Hausfrau hat als das jüngste von sieben Geschwistern einen ungewöhnlichen Lebensweg bewältigt, der sie bis in die großen Konzertsäle der Welt führte. Solche Fakten gehören dazu, aber Kaas, die das Buch zusammen mit Sophie Blandinières verfasste, hatte genaue Vorstellungen. "Ich wollte nicht über das schreiben, was man ohnehin schon von mir weiß." Tatsächlich ist es ein offenes Buch geworden, das sehr viel uneitler ist als viele andere Künstlerbiografien.

"Wie sagt man das?" Im Gespräch mit Patricia Kaas kann es passieren, dass ihr ein deutsches Wort nicht einfällt. Macht nichts, nimmt sie eben das französische. Ihre Muttersprache ist eher die ihres Vaters, die Sprache ihrer deutschen Mutter hat einen sehr charmanten Akzent. Sie ist eben auch in sprachlicher Hinsicht ein gutes Beispiel für deutsch-französische Beziehungen, trägt eine Fantasie-Uniformjacke, hat rot lackierte Fingernägel und ist sehr schlank. Ihr zu Füßen Hund Tequila, der Fremde knurrend begrüßt.

+++ Mademoiselle schreibt auch +++

Eigentlich wollte sie dieses Buch nicht schreiben. "Ich muss mir nichts mehr beweisen und kann jetzt sagen: Du bist eine schöne Frau und gute Künstlerin", sagt sie selbstbewusst. Aber dann merkte sie in den Gesprächen mit ihrer Koautorin: "Ich wollte jedes Mal mehr erzählen." Es war ein Dammbruch. Neu waren ihr die Erinnerungen natürlich nicht, trotzdem war sie überrascht. "Wenn man sie aufschreibt, versteht man sie besser. Es war wie eine Therapie." Am Ende dauerten die Interviews 200 Stunden.

"Die Bühne ist mein Leben, meine Leidenschaft, sie ist mein Beruf", lautet ihr Credo. Patricia Kaas schätzt den Kontakt zum Publikum, hat aber auch schon erfahren müssen, dass es Menschen gibt, die nicht erkennen, dass die Zuneigung zu einem Künstler Grenzen haben muss. Sie beschreibt, wie sie ein Fan zwei Jahre lang verfolgte. Er bedrohte sie sogar, bis sie sich einen Bodyguard nahm. Als die Polizei seine Wohnung stürmte, fand sie Hunderte Fotos an den Wänden, auch von ihren Eltern und Geschwistern. Der Stalker starb bei diesem Polizeieinsatz. "Damals habe ich ernsthaft gedacht: Wenn das der Preis für den Künstlerberuf ist, möchte ich ihn nicht. Ich habe ans Aufhören gedacht."

Es ist wohl gut, dass sie sich diese Dinge von der Seele geschrieben hat. Sie wirkt optimistisch, wenn sie sagt: "Vielleicht starte ich gerade ein zweites, freieres Leben." Zu ihrer neuen Freiheit gehört eine Rolle im TV-Film "Assassinée", den das französische Fernsehen am Dienstag, 15. Mai zeigt. Sie spielt darin eine Mutter, deren 20 Jahre alte Tochter stirbt.

Privat sind die Dinge anders gelaufen. Kaas berichtet im Buch von mehreren Abtreibungen. Als sie dann doch noch einen Kinderwunsch verspürt, muss sie feststellen, dass sie keine Kinder mehr bekommen kann, obwohl sie erst Anfang 40 ist. "Ich fand das ungerecht, als man zu mir sagte, das ist jetzt nicht mehr deine Entscheidung."

Kaas ist mutig in solchen Passagen. Den Mut will sie auf ihre neue Tournee übertragen, die für 2013 geplant ist. Sie wird dann mit den Liedern von Edith Piaf am 8. April in Hamburg Station machen. "Um diese Lieder nicht nur zu singen, sondern auch zu interpretieren, braucht man Lebenserfahrung", weiß sie. Wer das Buch gelesen hat, zweifelt nicht daran, dass sie die besitzt.

Patricia Kaas heute 20.00, Kampnagel (Bus 172/ 173), Jarrestr. 20, Karten 10,-; www.kampnagel.de

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