Hamburg
Schön inszenierte Modenschau auf Kampnagel
Choreografin Lucia Glass und fünf Designer experimentieren mit Körper und Kleidern. "Sensation" – eine Fashion-Show der besonderen Art.
Hamburg. Der Blick über die Schulter, die aufreizend ausgefahrene Hüfte, die einladende oder abweisende Stellung in Ruhelage. Die Gesten und Posen sind sattsam auf Plakaten, in Magazinen oder Werbung zu sehen. Lucia Glass und ihre jungen, zaundürren Models spielen mit den Bild-Klischees und bieten eine Fashion-Show der anderen Art. Aber sie parodieren weder Runway-Wettbewerbe à la Heidi Klum noch entsteht in der Defilée-Stunde ein raffiniert choreografiertes mehrdeutiges Tanzstück, das den schicken und kalten Hochglanz-Terror demontiert. Unter dem Motto "Sensation" in der Bedeutung von Sinneseindruck gilt dem Körper und Kleid das Interesse. Bühnenbildnerin Christin Vahl baute auch keinen Catwalk, sie ließ sich vielmehr von der Blue Box im Film inspirieren und strukturiert mit signalblauen Wänden den Raum, der Auftritte und Wege vorgibt.
Luisa aus Leer auf dem Weg zur Modelkarriere
Das barfüßige Trio in Stretch-Jeans präsentiert zunächst seinen Körper. Noch ist er in seinen natürlichen Formen zu sehen. In den weiteren Runden demonstrieren die Models die Veränderungen durch die zweite Haut: Eingeklemmt in überdimensional ausgestopfte Schulterpartien der skulpturartigen Kreationen von Martha Binowski oder in den betont geometrischen Formen von Maha Shakars schwarz-weißen und aufgeschlitzten Neopren-Hüllen. Das Model-Quintett stakst auf High Heels oder stapft in dicksohligen Tretern entlang der Rampe im Beat-Gepoche des permanent anschwellenden oder verebbenden Soundtracks von Lorin Strohm. Ausdruckslos bleiben die Mienen, statuarisch das Gestenrepertoire. Bewegung bringt gegen Schluss ein Rotor in Martha Immichs, mit langen Haarmähnen ausgestattete Fähnchen und lässt im Wind Stoff, Kunst- und Naturfransen wie für eine Fotosession dekorativ flattern. Trotz des pausenlosen Kleiderwechsels bleibt "Sensation" eine ziemlich einförmige, doch konsequente choreografische Konzeptarbeit von Lucia Glass, die in der Nähe von Körperskulpturen und bildender Kunst als coole Body-Installation einzuordnen ist.
Sollte sie auch ironisch gemeint sein, hätten das allerdings die Aktricen über ihre Kleiderständer-Funktion hinaus deutlich machen müssen. Immerhin lassen sie dem (mode)interessierten Zuschauer – anders als in regulären Fashionshows – reichlich Zeit, die Details, Message und Wirkung des Körpers durch die Gesten oder Haltung im Zusammenspiel mit seinen Hüllen zu studieren.
"Sensation" bis 21. 4., jeweils 19.30 Uhr, Kampnagel (Bus172/173 Jarrestraße), Jarrestraße 20, Karten zu 12 Euro unter T.27094949; www.kampnagel.de















