17.02.12

Pilotprojekt

Neues Theaterfestival: Ein Privatvergnügen für Hamburg

Intendant Axel Schneider beschert der Hansestadt im Frühsommer ein neues Theaterfestival. Finanzielle Unterstützung kommt vom Bund.

Foto: Bertold Fabricius/Pressebild.de/Bertold Fabricius
Multi-Intendant Axel Schneider hatte die Idee zu den Privattheatertagen, die Anfang Juni über seine Bühnen gehen
Multi-Intendant Axel Schneider hatte die Idee zu den Privattheatertagen, die Anfang Juni über seine Bühnen gehen

Hamburg. Die Stadt ist um ein Kulturevent reicher: Vom 1. bis 10. Juni sind Deutschlands Privattheater und auch die Hamburger Häuser eingeladen, sich bei den Privattheatertagen auf Axel Schneiders Bühnen und anderen Spielorten zu präsentieren. Für den Intendanten von Altonaer Theater, Kammerspielen und Harburger Theater wird das Projekt mit der kurzfristig erfolgten Zusage der finanziellen Unterstützung von 500.000 Euro durch den Bund realisierbar. Der Hamburger CDU-Abgeordnete Rüdiger Kruse, zuständig für Kultur im Haushaltsausschuss des Bundestags, hatte den Antrag eingebracht und unterstützt.

"Ich möchte den Hamburgern mit der Plattform und dem Wettbewerb einen repräsentativen Ausschnitt aus den Facetten und der Vielseitigkeit der privaten Theater zeigen", sagt Schneider. Deren Leistung werde häufig unterschätzt. "Obwohl sie insgesamt weit mehr Zuschauer erreichten als die Staatsbühnen. Wir sind zwar die Stadt mit der größten Privattheaterszene Deutschlands, doch sollen die Hamburger die Chance bekommen zu sehen, was in anderen Städten produziert wird." Schneider versteht sich nicht als künstlerischer Leiter, vielmehr als ein Ermöglicher des Treffens mit Geschäftsdirektor Zebu Kluth und der Stäitsch Theaterbetriebs-GmbH als Veranstalter. Ihre Häuser nehmen nicht am Wettbewerb teil. Er begreift die Privattheatertage auch nicht als Konkurrenz zu anderen Hamburger Theaterfestivals, sondern als ein Forum für Austausch, Begegnung und Vernetzung zwischen Künstlern und Publikum.

"Ich hätte lieber mehr Planungszeit gehabt", betont Schneider. "Doch dann hätten wir das vom Kulturstaatsministerium bewilligte Geld verloren." Nicht das einzige Problem für ihn. An Privattheatern wird en suite und mit fest gelegtem Abo-System gespielt, was weder Flexibilität noch Spielraum zulässt. Zudem treten in vielen Inszenierungen häufig zeitlich begrenzt verfügbare (Star-)Schauspieler auf. Dazu kommen noch die räumlichen, technischen und terminlichen Bedingungen. Von den 270 angeschriebenen Theatern wird sich wohl nur ein Bruchteil mit Produktionen aus der laufenden Saison - so eine Bedingung - bewerben können.

"Aber sie haben auf unser Anschreiben einhellig begeistert reagiert", meint Schneider. Auch die Hamburger Kollegen begrüßen seine Idee grundsätzlich, kritisieren jedoch den kurzen Vorlauf. Ohnsorg-Intendant Christian Seeler bedauert es, keine Chance zu haben, sich am Festival beteiligen zu können. "Wir haben Abo-Serien und eine Premiere im Zeitraum", sagt er. "Schade, das Ohnsorg hätte dabei sein müssen." Ulrich Waller, Intendant des St.-Pauli-Theaters, sagt lakonisch: "Wir haben erst am 15. Februar die Einladung erhalten und werden uns nicht daran beteiligen." Hingegen schickt Michael Lang, Direktor der Winterhuder Komödie, eine Produktion ins Rennen. Denn "Komödie" ist eine der drei Kategorien im Programm, neben "Klassik" und (zeitgenössischem) "Drama". Es soll offen sein für alle Genres und Formen, wünscht sich Schneider, gibt deshalb auch kein Thema vor für die vier in jeder Kategorie präsentierten Produktionen. Über die Auswahl der von den Theaterdirektoren vorgeschlagenen Inszenierungen entscheiden drei Juroren für jede Kategorie, darunter Schauspielerin Angelika Thomas, Theaterwissenschaftlerin Barbara Müller-Wesemann, Kulturjournalistin Frauke Stroh, der Autor und Regisseur Thomas Stockmann. Mitte April fällt die Entscheidung. Eine weitere Jury kürt die Preisträger unter den zwölf Aufführungen. Filmstar Moritz Bleibtreu erlaubte, die bis jetzt undotierte Auszeichnung Monica-Bleibtreu-Preis zu nennen.

Sollte das Pilotprojekt der Privattheatertage positive Resonanz bekommen, so Schneider, besteht die Option auf Fortsetzung sowie die Absicht, das Konzept weiterzuentwickeln.

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