Konzert in der Laeiszhalle
Fazil Say war der Star des Abends
Dirigent Pedro Halffter und das Philharmonische Orchester Gran Canaria mussten den verspielten Pianisten Fazil Say gut im Auge behalten.
Hamburg. Das Gastspiel des Philharmonischen Orchesters Gran Canaria am Montag in der Laeiszhalle fand zwar in der Reihe "Internationale Orchester" statt, doch der Star war der Mann am Klavier: Fazil Say . Wenn er hinter seinem Flügel sitzt, erinnert der türkische Pianist an ein Kind beim Spielen. Selbstvergessen, mit sprunghaften Wechseln, die ganz aus der Laune des Augenblicks geboren zu sein scheinen, gibt Say sich den Anschein, als würde er mehr improvisieren als einen gedruckten Notentext aufführen. So hat man bei ihm nie den Eindruck, einer Kunstübung beizuwohnen – eben das lieben seine Fans wohl so an ihm. Mit seinem betont informellen Auftreten, mitsingend und taktklopfend, verstößt er gegen jede Konzertsaalkonvention und erfüllt eben deshalb das Klischee vom ganz in seiner Musik aufgehenden Genie.
Für einen Dirigenten hat ein solcher Solist seine Tücken. Um den nächsten Einsatz vorauszuahnen, äugte der Chef der Spanier, Pedro Halffter, mit jenem alle erdenklichen Gefahren vorausnehmenden Sicherheitsblick, den Eltern sich angewöhnen, wenn sie ihre Kleinkinder durch den Straßenverkehr lotsten, immer wieder auf Says Hände. Mit dem Entrückten Blickkontakt aufnehmen zu wollen, hatte offenbar wenig Sinn. Gershwins robuste "Rhapsody in Blue" gelang auf diese Weise als Musterbeispiel eines spontanen, lustvollen, mitreißenden Musizierens. Die Kunst des Feinmechanikers Ravel vertrug so viel radikale Subjektivität dagegen weniger; so zerfiel vor allem der erste Satz von dessen Klavierkonzert G-Dur mehr in eine Sammlung schöner Stellen.
Als Sammlung schöner Melodien und der obligatorischen feurigen Rhythmen entpuppte sich Manuel de Fallas "Dreispitz"-Suite im zweiten Teil des Abends. Die klingende Postkarte wurde von Halffter und den Seinen technisch tadellos, klangvoll und trommelfellzerreißend laut zum Besten gegeben. Zum Abschluss des Abends hatte Pedro außerdem noch die "Tiento del primer tono y batalla imperial" seines Vaters Cristóbal Halffter ins Programm gehievt; die beiden mit Clustern angereicherten Barock-Bearbeitungen entpuppten sich als schlagender Beweis für Schönbergs These, dass in der Kunst viele Wege nach Rom führen, nur der goldene Mittelweg nicht.















