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Kultur & Live

62. Berlinale

Ehrenpreis für Angelina Jolie: Berlin ist verzaubert

Die 36-Jährige erhält die Auszeichnung für ihr Regiedebüt „In the Land of Blood and Honey", in dem sie sich mit dem Balkankrieg auseinandersetzt. Die Gala findet traditionell am Rande der Berlinale statt. Sie zeichnet seit zehn Jahren Filme aus, die sich gegen Menschenrechtsverletzungen, Krieg und Völkermord aussprechen.

Angelina Jolie sorgt bei der Berlinale für Glanz
Foto: dpa/DPA

Berlin . Superstar Angelina Jolie wird bei der traditionellen Wohltätigkeitsgala Cinema for Peace am Montagabend in Berlin mit einem Ehrenpreis ausgezeichnet. Die 36-Jährige erhält die Auszeichnung für ihr Regiedebüt „In the Land of Blood and Honey“, in dem sie sich mit dem Balkankrieg auseinandersetzt. Zu der Gala im Konzerthaus am Gendarmenmarkt wird ein Großaufgebot internationaler Stars erwartet – neben Angelina Jolie und ihrem Lebensgefährten Brad Pitt unter anderem Catherine Deneuve, Luc Besson, Bob Geldof, Christopher Lee und Bianca Jagger. Aus Deutschland haben sich etwa Katja Riemann, Jan Josef Liefers, Anna Loos, Nastassja Kinski und Mario Adorf angesagt.

Die Gala findet traditionell am Rande der Berlinale statt. Sie zeichnet seit zehn Jahren Filme aus, die sich gegen Menschenrechtsverletzungen, Krieg und Völkermord aussprechen. Organisator ist der aus Slowenien stammende Produzent Jaka Bizilj. Seinen Angaben zufolge wurden bisher mehr als drei Millionen Euro für wohltätige Zwecke gesammelt. Themenschwerpunkte im Jubiläumsjahr sind Birma und Bosnien. Neben Julie wird der französische Starregisseur Luc Besson für sein Porträt („The Lady“) der birmanischen Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi ausgezeichnet. Den Vorsitz der Jury hatte der frühere Generaldirektor der Internationalen Atomenergieorganisation, Mohammed el-Baradei, der ebenfalls in Berlin erwartet wird.

Die Künstler bewiesen durch ihr Handeln, dass sie die Gesellschaft zum Besseren beeinflussen könnten, sagte Bizilj im Vorfeld. „Wir sind stolz darauf, nach George Clooney, Leonardo DiCaprio und Sean Penn nun mit Angelina Jolie die führende Philanthropin aus der Welt des Films als Ehren-Preisträgerin begrüßen zu dürfen.“ Mit dem Auftritt von Hollywood-Star Angelina Jolie hat die 62. Berlinale ihren ersten glamourösen Höhepunkt erlebt. Die 36-jährige Schauspielerin präsentierte am Sonnabend ihr Regiedebüt «In the Land of Blood and Honey» – ein Liebesdrama zu Zeiten des Bosnienkriegs. Darüber hinaus startete mit Christian Petzolds «Barbara» der erste von drei deutschen Filmen im Rennen um die Bären. Mit dem indischen Bollywood-Schauspieler Shah Rukh Khan wurde am Abend ein weiterer Superstar erwartet.

Bei der Pressekonferenz von Jolie, die in einem elegant-schlichten schwarzen Kleid auftrat, drängten sich Hunderte Journalisten und Dutzende Kamerateams. «Von allen Filmen, die ich je gemacht habe, ist das der wichtigste», sagte sie. «Er ist meinem Herzen am nächsten.» Am Abend sollte der Film seine Weltpremiere feiern. Erwartet wurde dazu auch ihr Lebenspartner Brad Pitt. Der Film kann allerdings nicht in das Rennen um den Goldenen und die Silbernen Bären eingreifen, da er in der Nebensektion Berlinale Special startet.

Jolie erzählt in gut zwei Stunden die Geschichte des serbischen Soldaten Danijel und der Bosnierin Ajla, die sich verlieben. Sie wird in ein Internierungslager verschleppt, in dem Frauen vergewaltigt werden. Dort trifft sie Danijel wieder, der ihr helfen will. Jolie drehte an den Originalschauplätzen des vor 16 Jahren zu Ende gegangenen Krieges mit Schauspielern, die den Krieg miterlebt hatten.

Sie habe versucht, die Geschichte differenziert darzustellen, damit man daraus lernen könne, sagte Jolie. Es sei ihr darum gegangen zu zeigen, «wie die Menschen durch die Jahre des Krieges verändert werden». Die Zahl von 50.000 vergewaltigten bosnischen Frauen sei nicht aus der Luft gegriffen. Diese Zahl werde von der Politik genannt, die Dunkelziffer dürfe noch höher liegen. Aber selbst wenn die Zahl geringer wäre: «Jede einzelne Vergewaltigung ist eine zu viel», betonte Jolie, die sich seit Jahren für das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen engagiert. Über Privatangelegenheiten wie die jüngsten Gerüchte über eine neue Schwangerschaft äußerte sie sich auf der Pressekonferenz nicht.

In Petzolds Film «Barbara» spielt Nina Hoss die Titelrolle. Der Regisseur beschreibt das Leben einer jungen Ärztin in der DDR Anfang der 80er Jahre. Die von Hoss dargestellte Medizinerin will zu ihrem Geliebten in den Westen fliehen. Ihr neuer Chef in der Kinderklinik verwirrt sie durch seine zuvorkommende Art jedoch zunehmend. Die Produktion wurde in der Pressevorführung mit Applaus aufgenommen.

Hoss sagte, für sie sei es die größte Herausforderung gewesen, die Stimmung und die Atmosphäre der frühen 80er Jahre in der DDR nachzuempfinden, «wie es sich anfühlte, wie man miteinander umging». Die Gedanken der von ihr im Film dargestellten Ärztin, die fliehen will, könne sie nachvollziehen. Auch sie sehne sich nach Gedanken- und Entscheidungsfreiheit. «Barbara» wurde in der Pressevorführung mit Applaus aufgenommen. Petzold war bereits mit «Gespenster» (2005) und «Yella» (2007) im Wettbewerb vertreten. In «Yella» spielte auch Hoss mit. Sie gewann damals den Silbernen Bären als beste Darstellerin. Mit Hans-Christian Schmid («Was bleibt», 14.2.) und Matthias Glasner («Gnade, 16.2.) stehen zwei weitere deutsche Regisseure im Wettbewerb. Insgesamt konkurrieren 18 Filme um den Goldenen und die Silbernen Bären, die am 18. Februar verliehen werden.

Als Erste stiegen am Sonnabend die italienischen Regie-Brüder Paolo und Vittorio Taviani mit »Cesare Deve Morire (Caesar Must Die)« in das Bären-Rennen ein. Gezeigt wird, wie Häftlinge einer römischen Strafanstalt das Shakespeare-Stück »Julius Cäsar« inszenieren. Dabei entdecken sie Parallelen zwischen dem Drama und ihrer eigenen Biografie – und sind stolz auf ihre Arbeit. Der nur 76 Minuten lange Film erhielt in der Pressevorführung freundlichen Applaus. Zudem wurde der spanische Psychothriller »Dictado (Childish Games)« von Antonio Chavarrias im Wettbewerb gezeigt.

Am Sonntag soll die französische Schauspielerin Isabelle Huppert auf der Berlinale ihren Film »Captive« präsentieren. Das Drama von Regisseur Brillante Mendoza handelt von der Entführung einer Touristengruppe durch die muslimische Abu-Sayyaf-Gruppe auf den Philippinen. Daneben startet der Film »Metéora« von Spiros Stathoulopoulos im Rennen um den Goldenen und die Silbernen Bären. Erzählt wird die Geschichte von zwei Klosterbewohnern.

(dapd/abendblatt.de)

Die Preise der 61. Berlinale:

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