Tanz-Projekt
Deutsch-indische Performance: Alles fließt, eine tanzt
Das Hamburger Sprechwerk bringt "Drop" auf die Bühne, eine Performance mit Regen, Tau und Eis – zu sehen am Mittwoch und Donnerstag.
"Drop", eine Theaterperformance im Sprechwerk Hamburg
Foto: Theater Triebwerk
Hamburg. Alles fließt. Im Zentrum der Spielfläche bewegt sich die indische Tänzerin Priya Joshi auf einem Muster von Wasserspiegelungen, die Beamer-Projektionen eines Sturms in der Wasserschale sind. Erzeugt wird er von der Schauspielerin Elke Cybulski, mal mit ihren Händen, mal mit Eiswürfeln. Priya Joshi tanzt den Tau, den Regen, das Eis wie emotionale Aggregatzustände. Der Cellist Uwe Schade nimmt in seinen Improvisationen ihre Grundstimmungen auf, verstärkt sie oder scheint sie zu antizipieren.
Ein Tropfen an Inspiration kann viel in Fluss bringen. "Drop" lautet der Name des Projekts, das einen langen Weg zurückgelegt hat, bis es nach Hamburg kam. Die deutsch-indische Performance zum Thema Wasser, die heute und morgen im Sprechwerk zu sehen ist, geht auf eine Idee Uwe Schades zurück. Der Musiker und Schauspieler ist Gründungsmitglied der mehrfach ausgezeichneten freien Hamburger Gruppe Theater Triebwerk, die in ihren Produktionen vorzugsweise die eigenen Grenzen zu erweitern versucht. Unter dem Eindruck dreier Indien-Tourneen hatte sich Schade gefragt, wie sich von Künstlern verschiedener Kulturen ein Stück kreieren lässt, bei dem etwas Neues entsteht, ohne dass dabei die Eigenständigkeit der Mitwirkenden verloren geht.
Er fand, dass Wasser ein geeignetes Medium sei, um eine gemeinsame Erzählung zu entwickeln. Es verbindet Kulturen, weil es elementar für unser aller Leben ist. Und es schafft Distanz, zum Beispiel räumliche oder ökonomische, die überbrückt werden kann. Dass dieser Ansatz eine ergiebige schöpferische Quelle war, bestätigte sich, als Schade 2003 unter dem Arbeitstitel "Drop" in Chennai (Madras) mit einer indischen Tänzerin improvisierte.
Das Goethe-Institut ließ sich vom Potenzial der interkulturellen Idee überzeugen und finanzierte zur Stückentwicklung drei deutsch-indische Workshops mit Tänzern, Schauspielern und Musikern an einer privaten Hochschule in Pune. Doch am Ende war die geplante Produktion mit mehreren Akteuren und Auftritten in Deutschland und Indien nicht zu finanzieren. Schade besann sich der Anfänge und kehrte zur bescheidenen Form von "Drop" zurück. Er gewann die Theaterwerkstatt Hannover als Kooperationspartner. Und er schaffte es, Priya Joshi, die in Pune den klassischen indischen Tanz Bharatanatyam lehrt und selbst eine experimentierfreudige Tänzerin ist, für die Performances zu holen.
"Meine Arbeit speist sich aus emotionaler und aus spiritueller Erfahrung", sagt sie. Ihr Tanz beschreibt, welche Bedeutung Wasser für einen Menschen in den verschiedenen Lebensabschnitten hat, bis hin zur Reise an den Fluss Ganges, der als heiliger Ort verehrt wird und in dem gläubige Hindus ihre Asche verstreuen lassen. Als naturalistischen Kontrapunkt dazu demonstriert Elke Cybulski den nüchternen Umgang mit Wasser, vom Zähneputzen bis hin zu statistischen Daten zu Verbrauch und Verschwendung.
Uwe Schades Cellospiel korrespondiert mit Joshis Geschichte. Er untermalt ihre getanzte Erzählung ironisch-plakativ mit Pizzicato-Regentropfen und Eisgekratze, verwirrt mit Effekten wie Loops und Verzerrungen oder einigen Bach-Takten. Dieser interkulturelle Dialog ist der Kern von "Drop". "Wir schöpfen aus der Improvisation“, sagt Schade. Joshi fügt hinzu: "Es ist wunderbar: Die Musik wird von den Bewegungen angeregt, aber sie inspiriert zugleich die Bewegungen und den Fortgang der Geschichte." Alles fließt.
"Drop“ Do 9.2., 20.00, Sprechwerk (U/S Berliner Tor), Klaus-Groth-Str. 23, Karten zu 18,- /erm.12,50: T. 24 42 39 32; www.hamburgersprechwerk.de





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