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Konzertkritik

Pigeon Detectives: Einmal aufwärmen, bitte

In der Prinzenbar heizten die Pigeon Detectives eine gute Stunde lang ein und machten vergessen, dass es doch eigentlich frostig kalt war.

Die Pigeon Detectives spielten in der Prinzenbar in Hamburg
Foto: picture alliance / empics/PA Wire

Hamburg. Am Eingang hängt ein einfaches Papierschild. „Wir haben geöffnet. Allerdings ist es so saukalt hier draußen, dass wir die Türen schließen.“ Man solle doch bitte einfach kräftig klopfen – dann würde auch aufgemacht. So also empfängt die Prinzenbar ihre Besucher an diesem eisigen Montagabend.

Die Pigeon Detectives haben geladen, ein weiteres Britpop-Schrägstrich-Indie-Quintett aus dem englischen Leeds. Sie sind nicht alleine gekommen. Mit „The Chevin“ haben sie eine Kombo im Schlepptau, die den anfänglichen Frost aus den Gliedern der drei-, vielleicht vierhundert Wackeren in der Prinzenbar vertreiben soll.

Das Quartett müht sich redlich mit Klängen, die doch nur allzu sehr an die der irischen Rock-Granden von U2 erinnern, während ihr Frontmann stimmlich und optisch zwischen Erzengel Bono und Antichrist Russel Brand taumelt. Dass er ob eines völlig überpegelten Schlagzeugs kaum zu hören ist, ist nicht weiter schlimm.

Immerhin sind da ja noch die fünf Detektive. Als die dann die schmale Bühne voll und ganz für sich beanspruchen, ist schnell klar: Diese Jungs haben es sich zur Aufgabe gemacht, ihre Fans zum Schwitzen zu bringen.

Nicht umsonst steht Sänger Matt Bowman schon nach zwei Songs auf dem riesigen Lautsprecher und fragt sein Publikum so offensichtlich provokativ, ob es ihm denn schon ein bisschen wärmer geworden sei. Antwort? Überflüssig.

Man kann eben nicht still dastehen, wenn man Bowman auf der Bühne seinen Bewegungsdrang ausleben sieht. Er schleudert das Mikrofon mit so brachialer Gewalt durch den Saal dass Dieter-Thomas Heck vor Neid nur so erblasst wäre. Das zarte Instrumentarium der Klangvermittlung verkommt in den Händen des völlig entfesselten Briten zum Exerzierstab mit Zweitfunktion.

Verfolgt man sein Treiben, kann man verzeihen, dass die unterschiedlichen Songs nach einiger Zeit immer mehr zu einer kaum differenzierbaren Melange verschwimmen. Je weiter die Fünf die Set-Liste hinunterwandern, desto mehr beschleicht einen das ungute Gefühl, das alles an diesem Abend schon einmal gehört zu haben. Trotzdem: Unvermindert zappelt es, das rechte Bein, sucht manchmal nach dem oft allzu schnellen Takt, um ihn nur Sekunden später doch wiederzufinden. Und dann ist es geschehen: Bowman und seine Mitstreiter haben die volle Kontrolle über die wabernden Körper vor ihrer Bühne. Es ist warm. Furchtbar warm.

 

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