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Kultur & Live

Geburtstag

Manfred Krug wird 75 – und zeigt sein Leben in Bildern

Seit zehn Jahren im Ruhestand blickt der deutsche Kult-Schauspieler auf ein bewegtes Leben zurück. Brandneu erscheint sein Bilderbuch "MK".

Schauspieler Manfred Krug präsentiert seinen neuen Bildband MK vor
Foto: dapd

Berlin. Seit mehr als zehn Jahren ist der Schauspieler Manfred Krug im selbst gewählten Ruhestand: Eine Rolle wollte er nur noch dann annehmen, "wenn mal ein schönes Drehbuch kommt; das ist aber sehr unwahrscheinlich", sagte er. Er tritt aber noch als Sänger auf, hat Bücher und Gedichte geschrieben und malt. Brandneu erscheint das "MK Bilderbuch – Ein Sammelsurium zum 75. Geburtstag" am 8. Februar, in dem er zu den Fotos Anekdoten aus seinem Leben erzählt. "Ich bin kein Held, kein Star, ich bin einzigartig MK“, sagte Krug am Donnerstag in Berlin bei der Präsentation.

Was noch fehlt, ist die Fortsetzung seiner Autobiografie "Mein schönes Leben", die damit endet, dass er Schauspieler werden will. Er hatte genug von seiner Knochenarbeit als Stahlschmelzer in Brandenburg, wo sein Vater Betriebsdirektor war. 1.600 Grad heiße Spritzer hinterließen die Male auf seiner Stirn. Damals habe er Hans Albers, Jean Gabin und Gary Cooper bewundert, "die den Zuschauer vergessen lassen, dass er etwas Künstliches, Gespieltes erlebt". Und genau das gelang ihm dann auch. Er wollte die Rollen auf sich ziehen und nicht in sie hineinschlüpfen, erklärte er einmal. "Schlüpfen, das soll man lieber mit einem Schlüpfer machen."

Seine Herkunft – er wurde als Sohn eines Eisenhütten-Ingenieurs in Duisburg geboren – und die entbehrungsvollen Jahre seiner Kindheit und Jugend haben ihn geerdet. Mit seiner Blechtasse, die er in Kriegstrümmern fand, will er einst begraben werden. Als Zwölfjähriger folgte er 1949 seinem Vater in die DDR. Mit 17 ging er an die Staatliche Schauspielschule, wurde Brecht-Schüler in Berlin.

Regisseur Frank Beyer gab ihm seine erste Filmrolle in "Fünf Patronenhülsen" (1960). Als die Berliner Mauer gebaut wurde, war er 24 und hielt sich in Duisburg auf. Er kehrte in die DDR zurück, weil er seine Freundin Ottilie und seinen besten Freund, den Schriftsteller Jurek Becker wiedersehen wollte. Auch habe er das Experiment Sozialismus damals noch nicht für gescheitert gehalten, erklärte er einmal. Deswegen nannte Becker ihn eine "Optimismusmaschine".

"Auf der Sonnenseite" hieß der Film, mit dem Krug 1962 über Nacht ein Star wurde. 1966 folgte der Film, den Krug als den besten seiner Karriere ansieht: "Die Spur der Steine" von Frank Beyer. Als draufgängerischer Brigadeführer Hannes Balla demonstriert er Selbstbewusstsein und schüttet dem neuen Parteisekretär bei der Vorstellung Regenwasser aus seiner Zimmermannshutkrempe auf die Hand. Drei Tage nach der Premiere verbot der Machtapparat die Aufführung des Films.

Der Karriere Krugs schadete es nicht, im Gegenteil: Ihm wurde sogar eine kulturpolitische Vorbildfunktion zugeschrieben. Für seine Darstellung eines "Helden des antifaschistischen Kampfes und des sozialistischen Aufbaus" bekam er 1968 den Nationalpreis. Populär war er auch als Jazz- und Chansonsänger.

In rund 40 Filmen, 20 Fernsehspielen und vielen Shows hatte der "DDR-Star mit Weltniveau" mitgewirkt, bis seine Unterschrift unter die Protestresolution gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann seiner Karriere in der DDR ein jähes Ende setzte. Heimlich nahm er ein Treffen zwischen hohen Parteifunktionären und Unterstützern Biermanns in seinem Haus auf Tonband auf. Daraus entstand sein Bestseller "Abgehauen". Die Verfilmung war in der ARD mit Peter Lohmeyer als Krug zu sehen.

"Auf Achse" und Liebling in Berlin

Am 20. Juni 1977 übersiedelte Krug mit seiner Familie nach West-Berlin. In seinem ersten Fernsehinterview dort sagte er, es falle ihm nicht schwer, die DDR zu verlassen, aber sehr schwer, die Leute, das Publikum. Auf die Frage des ZDF-Korrespondenten Dirk Sager "Werden Sie Sehnsucht haben?" kamen ihm die Tränen.

Er fasste bald Fuß im Westen – vor allem als Lastwagenfahrer in der Vorabendserie "Auf Achse". Diese brachte den Regisseur Hartmut Griesmayr auf die Idee, ihm die Rolle des Hamburger "Tatort"-Kommissars Paul Stoever anzutragen. Zusammen mit Charles Brauer als Peter Brockmöller ("Brocki") war er 17 Jahre an dieser Stelle im Einsatz, beide mehrten ihren Ruhm als singendes Kommissars-Duo.

Sein anderer herausragender Erfolg wurde die von Jurek Becker geschriebene ARD-Serie "Liebling Kreuzberg". Becker ist auch Autor der ARD-Serie zur deutschen Einheit, "Wir sind auch nur ein Volk". 1997 starb Becker an Krebs, ein Schock für Manfred Krug. Einige Wochen darauf erlitt er einen Schlaganfall, von dem er sich wieder erholen konnte.

Vier Jahre später zog er sich zurück und verkündete: "Ich bin jetzt Rentner." Für seine Karriere im Westen stehen je zwei Bambis und Adolf-Grimme-Preise, der Telestar (ARD/ZDF), Ernst-Lubitsch-Preis, der Bayerische Filmpreis und Der Goldene Löwe (RTL). Eine Ehrung als "Legende" steht noch aus.

 

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