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Kultur & Live

Wo Luxus verkauft und Kunstgenuss verschenkt wird

Montblanc: Edle Federhalter, edle Spenden - hier gehört Kultur- Engagement zur Unternehmens- Philosophie.

Hamburg. In der Eingangshalle von Montblanc schwebt ein UFO. Auf der weißen Heckklappe steht ein kleiner Astronaut, der ein Summen von sich gibt, wenn man ihm auf den Plastikhelm drückt. "Also, der gehört eigentlich nicht dazu", erklärt Ingrid Roosen, Vorstand der "Montblanc"-Kulturstiftung, die das Kunstwerk des Amerikaners Tom Sachs für ihr Unternehmen angekauft hat, "den haben wohl die Mitarbeiter dazugestellt." Aber anstatt den Fremdkörper zu entfernen, von dessen Existenz der Künstler vermutlich keine Ahnung hat, drückt sie dem kleinen Kerl lieber schnell noch einmal aufs Haupt und freut sich über das Surren. Es ist ganz offensichtlich: Berührungsängste zur Kunst, die gibt es nicht im Hause Montblanc. Im Gegenteil wird hier, wo luxuriöse Schreibgeräte sowie exklusive Uhren und Lederwaren zum Betriebsalltag gehören, besonders sorgfältig Wert auf kulturelles Engagement gelegt, sowohl außerhalb als auch innerhalb der Firma. Das UFO beispielsweise ist Teil der "Montblanc Cutting Edge Art Collection", einer Sammlung von Arbeiten zeitgenössischer Künstler, die sich mit dem Unternehmenslogo auseinander setzten und deren Werke nun in den Gebäuden des Hamburger Firmensitzes ausgestellt werden - auch und gerade zur Inspiration der Belegschaft. "Wir sind weltweit als anspruchsvolle Kulturmarke etabliert", erläutert Ingrid Roosen, "mit der Sammlung bringen wir das den Mitarbeitern auf ungewöhnliche, anschauliche Weise näher." Aber auch Besucher von außen sind, nach Absprache, eingeladen, sich die Ausstellung anzuschauen - und damit gleich einen großen Teil der Firma. Denn die Kunstwerke hängen nicht etwa nur im Eingangsbereich, wie es in manchen Unternehmen zu Repräsentationszwecken üblich ist. Sie verteilen sich auf die Werkzeugmacherei, auf die Gänge, selbst neben dem Getränkeautomaten und auf der Toilette stolpert man noch über Gemälde und Collagen. Um seine derart angeregten Mitarbeiter auch nach Feierabend nicht allein dem heimischen Fernsehgerät zu überlassen, bietet das Unternehmen eine hauseigene Kulturkarte an. Für einen Jahresbeitrag von zehn Euro wird damit in Theatern und Museen eine Ermäßigung von 80 Prozent gewährt; die Differenz zum regulären Preis trägt Montblanc. "Etwa die Hälfte der Belegschaft nutzt das Angebot regelmäßig", berichtet Ingrid Roosen nicht ohne Stolz. Nach außen richtet sich das kulturelle Engagement der Firma ebenfalls: Mit dem "Montblanc Arts Patronage Award" beispielsweise werden seit 1992 jährlich Mäzene geehrt, die sich weltweit für Künstler und ihre Projekte engagieren. In diesem Jahr ging die Auszeichnung - samt dem Preisgeld von 15 000 Euro und der Sonderanfertigung eines Montblanc-Füllers - an Günther Jauch für seinen materiellen und ideellen Einsatz in seiner Heimatstadt Potsdam. Bereits seit acht Jahren unterstützt Montblanc zudem die "Philharmonie der Nationen", ein internationales Ensemble talentierter Jungmusiker; neu hingegen ist die Kooperation mit dem "Karajan Centrum Wien": Seit letztem Jahr übernimmt der Hamburger Konzern pro Jahr eine finanzielle und künstlerische Patenschaft für einen Stipendiaten. Ebenfalls seit 2002 gibt es den von Montblanc gestifteten und von Jürgen Flimm - dem ehemaligen Thalia-Intendanten und derzeitigen Schauspielchef der Salzburger Festspiele - initiierten "Young Directors Award". Die Auszeichnung, die im Rahmen eines eigenen Wettbewerbs während der Salzburger Festspiele an einen europäischen Nachwuchsregisseur vergeben wird, ist mit 10 000 Euro und dem speziell entworfenen "Max Reinhardt Pen" dotiert. "Sexy", nennt Stiftungs-Vorstand Ingrid Roosen diese und die zahlreichen weiteren Aktivitäten bei Montblanc - darunter auch eine regelmäßige Kooperation mit der Hamburger Kunsthalle beziehungsweise der Galerie der Gegenwart - und zeigt auch mit dieser Formulierung, dass Kultur in ihrem Hause ernst, aber eben nicht bierernst genommen wird. Tradition und Moderne gehen sich hier eben ebenso wenig aus dem Weg wie ein kleiner summender Spielzeug-Astronaut einem anerkannten Kunstobjekt.

 

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