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Kultur & Live

Academy Awards

Max Zähle: Ein Hamburger geht ins Oscar-Rennen

Der deutsche "Pina"-Regisseur Wim Wenders und der Hamburger "Raju-"Macher dürfen auf den wichtigsten Filmpreis der Welt hoffen.

Max Zähle war bereits Gewinner des Studenten-Oscars 2011, jetzt wurde er in der Kategorie "Live-Action-Kurzfilm" für einen Academy Award nominiert
Foto: dpa

Los Angeles. Mit seinem Meisterwerk "Pina" ist der deutsche Regisseur Wim Wenders seit Dienstag im Rennen um einen Oscar. Die 3D-Hommage über die 2009 gestorbene legendäre Tänzerin Pina Bausch, die Gründerin des Wuppertaler Tanztheaters, ist für den Oscar in der Kategorie "Bester Dokumentarfilm" nominiert. Dort muss er sich gegen vier Mitstreiter durchsetzen um am 26. Februar in Los Angeles den begehrtesten Filmpreis der Welt zu bekommen.

"Pina" hatte anfangs doppelte Oscar-Chancen, denn der Film war für Deutschland auch ins Rennen um den Auslands-Oscar gezogen. Bei einer Vorauswahl schaffte es "Pina" in der Sparte "nicht-englischsprachiger Film" zwar in die Gruppe von neun Spitzenkandidaten, konnte sich am Dienstag aber nicht unter den Top Fünf-Nominierten platzieren.

Seine erste Oscar-Nominierung hatte Wenders im Jahr 2000 für die Musik-Doku "Buena Vista Social Club" in der Kategorie "Bester Dokumentarfilm" erhalten, war bei der Preisvergabe dann aber leer ausgegangen.

Zuletzt hatte Florian Henckel von Donnersmarck 2007 mit seinem Stasi-Drama "Das Leben der Anderen" den Auslands-Oscar nach Deutschland geholt. 1960 wurde der deutsche Tierforscher Bernhard Grzimek mit seinem Afrika-Film "Serengeti darf nicht sterben" mit dem Dokumentar-Oscar gekrönt.

Auch der Kriegsfilm „In Darkness“ von der polnischen Regisseurin Agnieszka Holland ist am Dienstag für den Auslands-Oscar nominiert worden. Er tritt gegen Filme aus Belgien, Kanada, Israel und dem Iran an. „In Darkness“ wurde mit der Beteiligung von deutschen Produzenten gedreht. Unter anderem spielen Benno Fürmann, Herbert Knaup und Maria Schrader mit. Das Drama schildert den Überlebenskampf einer Gruppe jüdischer Flüchtlinge, die sich über Monate hinweg vor den Nazis verstecken konnten.

Ebenfalls nominiert wurde der Hamburger Nachwuchsregisseur Max Zähle. Der Kurzfilm „Raju“ ist das dritte und bisher längste Werk des 34-Jährigen. Er schaffte es jetzt mit vier Mitbewerbern in die Kategorie „Live-Action-Kurzfilm“ Hollywood ist für Zähle kein unbekanntes Pflaster. Im vorigen Juni hatte der Absolvent der Hamburg Media School mit „Raju“ bereits den bronzenen Studenten-Oscar gewonnen. Sein 25-minütiger Film handelt von einem deutschen Ehepaar, das nach Indien kommt, um ein vermeintliches Waisenkind zu adoptieren. Die beiden müssen feststellen, dass das Kind seinen leiblichen Eltern weggenommen wurde.

Geboren wurde Max Zähle 1977 in Hannover, aufgewachsen ist er in Celle. „Ich habe mich schon immer generell für künstlerische Sachen interessiert, viel Musik gemacht“, erzählt er. Mit dem ersten Praktikum bei einer Filmproduktion stand der Berufswunsch Regisseur unumstößlich fest.

Zähle ist ein absoluter Teamspieler. „Ich brauche immer ein angenehmes familiäres Umfeld um mich herum und möchte, dass sich die Leute wohlfühlen“, sagt er. Nach den anstrengenden Dreharbeiten für „Raju“ in Indien hat sich der junge Mann mit den blonden Wuschelhaaren eine Auszeit gegönnt. „Da waren die Akkus so leer, dass ich schon zwei Monate zum Entspannen brauchte.“ Mittlerweile bastelt Zähle an seinem Langfilmdebüt. „Da bin ich jetzt wieder mit voller Konzentration dabei“, sagt er. Irgendwann soll es dann auch von „Raju“ eine Langfassung geben.

Neun Filme haben in diesem Jahr die Chance auf den wichtigsten Oscar für den „Besten Film“. Favorit ist in diesem Jahr „The Artist“ mit zehn Nennungen. Weitere Chancen haben „The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten“ mit George Clooney, „Extrem laut und unglaublich nah“ mit Tom Hanks und Sandra Bullock und das Rassendrama „The Help“. Auch Martin Scorseses „Hugo Cabret“, Woody Allens „Midnight in Paris“ und „Gefährten“ von Steven Spielberg können gewinnen. Gleich zwei Filme mit Brad Pitt haben ebenfalls Chancen: „Die Kunst zu gewinnen – Moneyball“ und „Tree of Life“.

Früher gab es nur fünf Nominierungen, in den vergangenen Jahren war das auf zehn verdoppelt worden, seit diesem Jahr will die preisstiftende Academy die Vergabe flexibler halten und stets zwischen fünf und zehn Filme nominieren. In diesem Jahr werden die Oscars am 26. Februar in Hollywood zum 84. Mal vergeben.

Die Nominierungen in den wichtigsten Sparten:

Bester Film:

- „The Artist“

- „The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten“

- „Extremely Loud & Incredibly Close“

- „The Help“

- „Gefährten – War Horse“

- „Midnight in Paris“

- „Hugo Cabret“

- „Die Kunst zu gewinnen – Moneyball“

- „The Tree of Life“

Beste Regie:

- Woody Allen („Midnight in Paris“)

- Martin Scorsese („Hugo Cabret")

- Michel Hazanavicius („The Artist“)

- Alexander Payne („The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten“)

- Terrence Malick („Tree of Life“)

Bester Hauptdarsteller:

- George Clooney („The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten“)

- Jean Dujardin („The Artist“)

- Brad Pitt („Die Kunst zu gewinnen – Moneyball“)

- Gary Oldman („Dame, König, As, Spion“)

- Demián Bichir („A Better Life“)

Beste Hauptdarstellerin:

- Viola Davis („The Help“)

- Meryl Streep („Die eiserne Lady“)

- Michelle Williams („My Week With Marilyn“)

- Rooney Mara („Verblendung – The Girl With The Dragon Tattoo“)

- Glenn Close („Albert Nobbs“)

Bester Nebendarsteller:

- Christopher Plummer („Beginners“)

- Kenneth Branagh („My Week with Marilyn“)

- Jonah Hill („Die Kunst zu gewinnen – Moneyball“)

- Nick Nolte („Warrior“)

- Max von Sydow („Extremely Loud & Incredibly Close“)

Beste Nebendarstellerin:

- Jessica Chastain („The Help“)

- Bérénice Bejo („The Artist“)

- Octavia Spencer („The Help“)

- Janet McTeer („Albert Nobbs“)

- Melissa McCarthy („Bridesmaids“)

Nicht-englischsprachiger Film:

- „Nader und Simin – Eine Trennung“ (Iran)

- „In Darkness“ (Polen)

- „Footnote“ (Israel)

- „Bullhead“ (Belgien)

- „Monsieur Lazhar“ (Kanada)

Dokumentarfilm:

- „Pina“

- „Undefeated“

- „Paradise Lost 3: Purgatory“

- „Hell and Back Again“

- „If a Tree Falls: A Story of the Earth Liberation Front“

(dpa/abendblatt.de)

 

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