Lessingtage 2012
"Gólgota Picnic": Zweifelnde beim Campingdinner
Rodrigo Garcías umstrittenes Stück "Gólgota Picnic" hinterfragt mal laut, mal leise herrschende Werte in der heutigen Konsumgesellschaft.
Das Gastspiel "Gólgota Picnic" von Rodrigo García wird trotz heftiger Kritik am Thalia Theater in Hamburg aufgeführt
Foto: Davir Ruano
Hamburg. Am Ende war es mal wieder viel Rauch um nichts. Viel Aufregung um eine Inszenierung, deren Bilder wenig Grund zur Empörung liefern. Das „Gólgota Picnic“ des spanisch-argentinischen Theatermachers Rodrigo García, bei den Lessingtagen in der ausverkauften Thalia in der Gaußstraße zu sehen, zitiert aus dem bekannten Fundus des Orgien-Mysterien-Theaters - und das begann bekanntlich in den 70er-Jahren.
Stärker noch als die Bilder, die die Darsteller in einer Anspielung aufs Abendmahl bei einem fragwürdigen Camping-Dinner auf einem Teppich von 24 660 Hamburger-Brötchen zeigt, wirkt der Text. Er hinterfragt die Werte der Konsumgesellschaft, vermengt sie mit religiösen Fragestellungen über das Böse, das vielleicht auch im Religiösen wurzelt, zu einer assoziativen Textsuppe. Dazu singen die Darsteller „I got to let you go“ zu einer krächzenden E-Gitarre, pürieren Würste durch einen Fleischwolf, bespritzen sich mit allerlei Farben und schmieren sich mit Honig ein. Ein gefallener Engel hat per Videoprojektion Probleme mit der Landung.
Den stärksten Eindruck zieht diese Inszenierung aber aus den letzten 40 Minuten. Wenn Pianist Mario Formenti wie Gott ihn schuf, am Flügel in die Stille hinein Haydns „Sieben letzte Worte unseres Erlösers am Kreuze“ anschlägt, findet der Lärm der Überforderung zu einer Innerlichkeit des Nachdenkens. Zu Fragen des Zweifelns an der Welt, wie sie ist. Auch Jesuitenpater Hermann Breulmann befindet im anschließenden Publikumsgespräch: „Das Stück hat was. Ich finde es sogar ein katholisches Stück.“ Es habe eine „Tiefengrammatik des Gnostischen“.





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