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Konzertkritik

125 Minuten Stone Raiders in der Fabrik

Bourelly, Jones und Calhoun fanden sich unter dem Namen Stone Raiders zusammen und bescherten den Zuhörern einen kurzweiligen Abend.

Gitarrist Jean-Paul Bourelly
Foto: Fabrik

Hamburg. Große Spielfreude legten die Herren Bourelly, Jones und Calhoun an den Tag, als sie gestern Abend gemeinsam in der Fabrik musizierten. Auch wenn einige der Nummern noch etwas unfertig rüberkamen, weil die Probenzeit vielleicht zu kurz war, wurde es für die Zuhörer doch ein kurzweiliger Abend. 110 Minuten plus eine 15minütige Zugabe spielte das Trio aus Chicago und New York, das sich unter dem Namen Stone Raiders zusammengefunden hat. Jeder der drei blickt auf eine lange Historie im Jazz und Rock zurück: Gitarrist Jean-Pierre Bourelly hat mit Jazzgrößen wie Miles Davis und Pharoah Sanders und mit Rappern wie Mos Def zusammengearbeitet, Darryl Jones war Mitglied der Bands von Miles Davis, Sting und ist immer noch Bassist der Rolling Stones, Schlagzeuger Will Calhoun ertrommelte sich bei Living Colour einen Namen.

Seit kurzer Zeit machen sie gemeinsame Sache und haben gerade auf dem deutschen Enja-Label das Album „Truth To Power“ herausgebracht. Daraus stammte er der überwiegende Teil des Programms: groovender Jazz-Funk-Rock mit einer Menge Reminiszenzen an Jimi Hendrix. „Power To Spirit“ erinnert vor allem durch Bourellys Gitarrenspiel an die legendären Aufnahmen der „Band Of Gypsys“, die Hendrix mit einem Trio in der Neujahrsnacht 1970 in New York aufgenommen hat. Bourelly ist deutlich von Hendrix beeinflusst und führt dessen ebenso virtuosen wie wilden Stil weiter.

Die stärksten Momente hatte das Konzert in der Fabrik, wenn die drei anfingen, über ein Thema zu improvisieren. Dann spürte man, wie viel Weltklasse hier auf der Bühne steht, denn in diesen freien Passagen verschmolz das Trio zu einer kompakten Einheit. Nur mit dem Gesang hapert es etwas. Weder Bourelly noch Jones sind besonders gute Sänger. Vielleicht sollten sie einen vierten Mann hinzunehmen, dann würden auch die gesellschaftskritischen Texte der Stone Raiders noch mehr Wirkung erzielen.