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Kultur & Live

Musikmesse

Popkomm-Absage als Chance für Hamburg

2012 ist die Musikmesse nicht mehr Teil der Berlin Music Week. Das Reeperbahn-Festival nutzt die ungewisse Zukunft des Branchentreffs.

Alexander Schulz, Geschäftsführer des Reeperbahn-Festivals
Foto: Klaus Bodig

Hamburg. Wenn Alexander Schulz, Geschäftsführer des Reeperbahn-Festivals, in der kommenden Woche nach Cannes zur Musikmesse Midem reist, wird sein Zeitplan eng gesteckt sein. Enger als noch Anfang der Woche. Der Grund ist die erneute Absage der Popkomm in Berlin für den 5. bis 7. September 2012. Vergangenes Jahr war das Branchentreffen mit Messeständen und Diskussions-Panels noch Teil der Berlin Music Week auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof.

Die Musikbranche hat die Popkomm seit Ende der 80er-Jahre als Begegnungsstätte genutzt. Dieses Vakuum wollen Reeperbahn-Festival und -Campus nun ausnutzen und Hamburg im September endgültig zum wichtigsten internationalen Branchentreffen in Deutschland machen. Zu den Gesprächspartnern an der Cote d'Azur zählen neben Gema, Musikverlegerverband und den Vereinigungen der Konzertveranstalter vor allem die Exportbüros aus Europa und Übersee.

+++ Dossier: Reeperbahn-Festival 2011 +++

Im vergangenen Jahr präsentierten sich mit Kanada, Israel, Dänemark, Italien, der Schweiz und Frankreich bereits sechs Länder mit ihren Künstlern am Spielbudenplatz, in diesem Jahr sollen es noch mehr werden.

Festival-Blog

"Seit es den Reeperbahn-Campus gibt, mussten sich die Büros entscheiden, ob sie nach Berlin oder nach Hamburg gehen. Wir versuchen, Delegationen aus Brasilien und Australien zu gewinnen, und hoffen, dass sie Künstler zu uns bringen, die im Rahmen des Festivals auftreten werden", sagt Schulz. In der Vergangenheit scheiterte die Einbindung vor allem an den hohen Transportkosten. Australische Bands tauchten beim Festival nur auf, wenn sie zufällig gerade in Europa auf Tour waren.

2009 war die Popkomm zum ersten Mal abgesagt worden. Damals reagierte Hamburg und veranstaltete erstmals den Reeperbahn-Campus. Inzwischen hat die Veranstaltung eine so große Bedeutung, dass sie zum zweiten Mal in Folge mit 200 000 Euro aus dem Etat von Bernd Neumann, dem Bundesbeauftragen für Kultur und Medien, unterstützt wird. "2011 haben wir 50 deutschen Bands beim Festival ermöglicht, sich nicht nur dem Publikum, sondern auch ausländischen Agenten zu zeigen", sagt Schulz. Reeperbahn-Festival und -Campus sind neben dem Eurosonic in Groningen und dem Great Escape in Brighton zur wichtigsten Plattform für Newcomer in Europa geworden.

"Überholt hat sich vor allem der Messegedanke der Popkomm. Das Reeperbahn-Festival startete dagegen als Publikumsveranstaltung, und dieser Kern wurde immer gewahrt und ausgebaut. Wir versuchen jetzt, den Branchenteil möglichst zugänglich für alle zu gestalten und wenig Abstufungen zwischen den neugierigen Konzertbesuchern und den Musikwirtschaftenden zuzulassen", erläutert Schulz. Derartige Ansätze, wie man sie auch beim Eurosonic oder beim SXSW in Austin sieht, seien die erfolgreichen in der sehr geschwächten und völlig umstrukturierten Musikwirtschaft, meint Schulz.

Unterstützung erhält Schulz von der Kulturbehörde und von Warner Music. Kulturbehörden-Sprecher Enno Isermann sagt: "Die ungeklärte Zukunft der Popkomm zeigt, dass Hamburg mit Reeperbahn-Festival und -Campus auf dem richtigen Weg ist. Die Branche ist insbesondere an einem praktischen Austausch interessiert. Den bietet das Festival vorbildlich, weshalb es auch international inzwischen zu einem Branchenprimus geworden ist." Auch Benedikt Lökes, Kommunikationschef Warner Music Central Europe, sieht für die Popkomm keine Zukunft mehr: "Das Gesamtkonzept von Reeperbahn-Festival und -Campus hat sich schlussendlich durchgesetzt und ist für uns der Maßstab für zeitgemäße Branchenveranstaltungen der Musikwirtschaft."

Reeperbahnfestival

 

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