Kinostart: 19. Januar
Sozialdrama "Kriegerin": Jung, weiblich, rechts
Das schonungslose Sozialdrama "Kriegerin" hat durch die Zwickauer Neonazi-Terrorzelle eine beängstigende Aktualität erhalten.
Als die junge Svenja (Jella Haase, l.) in die rechte Clique drängt, weist Marisa (Alina Levshin, r.) sie brutal auf ihre älteren Rechte hin
Foto: ascot
Mit dieser jungen Frau ist nicht zu spaßen, und man sieht es sofort: unverwandter Blick, eigentümliche Mecki-Frisur mit langen Haaren an den Schläfen und einem in die Augen fallenden Pony, deutlich sichtbare Tattoos mit gotischen Schriftzeichen. Und sie läuft durch die Gegend wie eine wandelnde Zeitbombe: wütend, aggressiv, kompromisslos. Marisa (Alina Levshin aus "Im Angesicht des Verbrechens"), Anfang 20, ist eine Neonazi-Braut, und wer ihr dumm kommt, kriegt einen auf die Zwölf. Ausländer vor allem, aber auch Obdachlose und Linke. Zu allem Überfluss kann sie den Sommer nicht genießen: Freund Sandro (Gerdy Zint) sitzt im Knast, Svenja (Jella Haase), ein 15-jähriges Mädchen aus gutem Haus, drängt in die Clique, und dann ist da noch der afghanische Flüchtling Rasul (Sayed Ahmad Wasil Mrowat), der ausgerechnet am selben Badesee wie Marisa zu schwimmen gedenkt.
Es ist fast schon beklemmend, wie eine Filmgeschichte von der Wirklichkeit eingeholt wird: Das Regiedebüt von David Falko Wnendt hat durch die Zwickauer Neonazi-Terrorzelle eine beängstigende Aktualität erhalten. Wnendt zeigt auf, wie eine junge Frau in diese Kreise geraten kann, ohne dezidiert politisch zu sein - einfach aus Frust, weil die Dinge nicht so laufen, wie sie sollen, oder der Job an der Supermarktkasse so öde ist, weil der Wunsch, dazuzugehören so groß ist.
"Kriegerin" erzählt die Geschichte militanter Mädchen
Dabei beschreibt der Regisseur das Milieu genau, die kleinbürgerliche Herkunft, die Rituale in der Gruppe, den Hass und den Neid auf alles und jeden, die Unfähigkeit, für die eigene Unzufriedenheit Gründe zu finden oder das politische Weltbild in vernünftige Worte zu fassen. Etwas überraschend kommt dann Marisas plötzliche Wandlung zum engagierten Mädchen, das sich wie selbstverständlich um den zuvor verhassten Afghanen kümmert. Eine kleine Schwäche des Drehbuchs, die dem Film nichts von seiner Wucht und seiner Brisanz nimmt.
Bewertung: empfehlenswert
Kriegerin D 2010, 103 Min., ab 12 J., R: David Falko Wnendt, D: Alina Levshin, Jella Haase, Sayed Ahmad Wasil Mrowat, Gerdy Zint, täglich im Abaton, 3001; Infos im Internet: www.kriegerin-film.de





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