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Kultur & Live

Dschungelcamp hat begonnen

"Gebirgs-Gandalf" trifft auf Halbbruder von "Winnie Pooh"

Zum Auftakt der sechsten Staffel vom Dschungelcamp überzeugten Micaela Schäfer mit Ekeltoleranz und das Moderatoren-Duo mit Süffisanz

Die Moderatoren Sonja Zietlow und Dirk Bach
Foto: dpa/DPA

Hamburg. Die Vorbereitungen sind abgeschlossen: Neben dem Fernseher steht eine formschöne Grünpflanze, die Heizung bullert auf vollen Touren, um tropische Temperaturen zu simulieren. Nur Ungeziefer ließ sich für das rechte Dschungelcamp-Ambiente nicht auftreiben, die Computermaus muss als Krabbeltierersatz herhalten.

Und dann geht sie auch schon los, die neue Staffel von „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“, landläufig bekannt als Dschungelcamp. Zum sechsten Mal lassen sich elf mehr oder minder prominente Menschen zu einem medialen Sozialexperiment zusammenfassen und in den australischen Regenwald verfrachten.

Dort werden sie nicht nur von einer Vielzahl von Kameras, sondern auch vom gewohnt süffisant moderierenden Duo aus Sonja Zietlow und Dirk Bach beobachtet, die der Dynamik zwischen den vier Sängern, drei Schauspielern, dem Erotikmodell, der Moderatorin, dem Fußballer und dem Magier auf den Zahn fühlen.

Doch bevor es tatsächlich in den Dschungel geht, werden die elf Hoffnungsfrohen erst einmal vorgestellt, in eigenen Worten und Bildern, die in einigen Fällen bereits Schlimmes für die Sozialkompetenz der Damen und Herren ahnen lassen. Erotikmodell Micaela Schäfer gibt sich als Vamp, Ex-Fußballprofi Ailton als willfähriger Aspirant auf die Gunst der 28-Jährigen.

Amüsanter als die Ein- und Auslassungen der zum großen Teil bereits Reality-TV gestählten Kandidaten – nur Moderatorin Ramona Leiß, Schauspielerin Radost Bokel, Ailton und Schauspieler Rocco Stark haben bislang keine Erfahrung mit Reality-TV in der einen oder anderen Form – sind aber ohnehin die Kommentare von Zietlow und Bach. Den ausdauernd über die Farbgebung der Dschungeluniform meckernden Magier Vincent Raven beschreibt Bach als den „Gewinner des Bibi-Blocksberg-Castings bei ProSieben“, den leidlich bekannten monetären Anreiz für die oft klamme Konsonantenprominenz walzen die beiden mit Wonne zum Running Gag aus. Genau wie die – sagenwirmal kreative – Namensgebung der Halbgeschwister von Uwe Ochsenknechts Sohn Rocco Stark: Aus Wilson Gonzalez und Jimi Blue werden „Winnie Pooh und Salto Mortale“, „Toyota Prius und Creutzfeldt-Jacob“ und verschiedene andere Verballhornungen.

Das sorgsam präparierte Chaos, das die elf Aspiranten auf den Titel des „Dschungelkönigs“ bei der Ankunft im Camp erwartet, ist die erste Herausforderung, die erst einmal zu großer Verwirrung, vielerlei Diskussionen über mögliche Vorgehensweisen und schließlich sogar zu einigermaßen koordinierter Aktivität führt. Die Camp-Älteste, Moderatorin Ramona Leiß, findet sich wie von selbst in die Rolle als gute Seele, gibt dem ersten Dschungel-Prüfling Micaela Schäfer und dem von ihr ausgewählten Beistand Rocco Stark noch gute Ratschläge mit auf den Weg und entlockt Brigitte Nielsen Geschichten aus ihrer Zeit mit Sylvester Stallone. Die wohlmeinenden Wünsche nützen bei den schon rituellen Überschüttungen mit verschiedenen Insekten zwar nicht viel, sind aber lieb gemeint. Und spätestens beim – ebenfalls leidlich bekannten – Vertilgen von Getier und anderem Zeug sind die Schäfer und Stark ohnehin auf sich selbst gestellt.

Der „Schweizer Gebirgs-Gandalf“ Raven wird im Anschluss nicht nur erfolgreich zum Teamchef des ersten Tages gewählt, er hilft auch dem aus unerfindlichen Gründen weinenden Daniel Lopes mit Atemübungen weiter und reinigt das Camp von „bösen Geistern“.

Die beste Zusammenfassung dieser ersten, von bloß zwei Werbepausen unterbrochenen Folge Dschungelcamp hat Sonja Zietlow gleich zu Beginn geliefert: „Elf Prominente lassen sich von einem befreundeten Unternehmen zwei Wochen Urlaub spendieren.“

Um Mitternacht ist der Auftakt zum bunten Treiben im Grünen fürs Erste zu Ende. Der Aushilfsdschungel neben dem Fernseher wandert zurück auf das Fensterbrett, die Heizung wird wieder auf europäische Werte heruntergedreht.

 

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