Buch von Petra Schwab
Design in Hamburg: Auf den Spuren der Gestalter
Von Teherani bis Lockengelöt: Petra Schwabs Stadtführer "Design in Hamburg" nimmt die Leser mit auf eine kreative Tour durch die Hansestadt.
Ausschnitt aus dem Cover zu Petra Schwabs Buch "Design in Hamburg"
Foto: Junius Verlag
Kreativwirtschaft und Designmetropole. Große Worte, die in Hamburg Konjunktur haben, regelmäßig von offizieller Seite mit positiven Zahlen gefüttert und mit schmucken Vorzeigeobjekten untermauert werden. Was aber ist dran an diesem Werbetrommeln für prosperierende Wirtschaftszweige? Ein Novum auf dem Design-Buchmarkt, ein Designführer für die Stadt Hamburg, geht die Dinge nun ganz praktisch an. Petra Schwab, Designexpertin und Autorin, zeigt Design made in Hamburg dort, wo es für jedermann erfahr- und sichtbar ist. Schlicht und einfach "Design in Hamburg" nennt sich der 224 Seiten umfassende und üppig illustrierte Kulturführer.
Der Band zeigt exemplarisch, was eine Stadt und ihre Designer auf die Beine stellen, in welchen Bereichen sie arbeiten, wo ihre Produkte in Hamburg zu sehen, zu kaufen oder zu erleben sind. Neues LED-Lichtdesign etwa leuchtet an der Fassade des Emporio-Hochhauses, entworfen vom Hamburger Büro Tom Schlotfeldt. Regelmäßige Veranstaltungen zu Mode und Design finden im öffentlichen Wohnzimmer Altonas, dem Kultwerk West statt, für das die beiden Designerinnen und Design-Lehrenden Frauke von Jaruntowski und Elke Jensen ehrenamtlich mit am Programm arbeiten.
Neben Grafik finden sich im Human Empire Shop auf dem Schulterblatt auch Wohnaccessoires, Bücher und Klamotten, ausgesucht von den Grafikdesignern Jan Kruse, Malte Kaune und Wiebke Schultz. Und wer sich die Nächte und Tage in ausgefallenen Möbelideen um die Ohren schlagen will, darf sich gerne im 25-Hours-Hotel HafenCity einchecken. Fabian Tank mit seiner Agentur Eventlabs hat es mit weiteren Designern und Architekten von schräg bis neuzeitlich-gemütlich eingerichtet. Schließlich erfährt der Leser von Schwab auch noch vom "cradle to cradle"-Prinzip, bei dem verbrauchte Produkte in neue und - das ist wichtig - höherwertige recycelt werden. Verantwortlich zeichnet dafür Michael Braungart und sein EPEA-Institut mit dem Architekten William McDonough.
"Design in Hamburg" stellt eine Auswahl von Hamburger Gestaltern vor, insgesamt 50 unter anderem aus den Bereichen Mode, Produkt, Licht, Verpackung. Klar, dass auch die großen Namen der Szene auftauchen: Peter Schmidt, Hadi Teherani, Peter Maly, Waltraud Bethge oder die Goldschmiedin Hilde Leiss. In Überzahl aber stehen ihnen die jungen oder nur Insiderkreisen bekannte Agenturen und Einzelkämpfer gegenüber. Der Leser erfährt vom Lockengelöt auf St. Pauli, das Vinylplatten in Schalen und alte Bücher in Garderobe verwandelt. Und nebenbei, dass solches Recycling nicht nur Feierabend-Bastelei ist. Außerdem weiß er künftig, wer für den sommerlichen Central Park im Schanzenviertel verantwortlich zeichnet: die BFGF (Büro für Gestaltungsfragen) Design Studios.
Neben Designern und ihren Agenturen widmet sich das Buch zehn designvermittelnden Instanzen, Buchhandlungen wie Sautter & Lackmann oder der "Pension für Produkte" von Angela Schlösser mit ihrem Verlag für Designprodukte. Als meistgenannte Adresse fehlt auch nicht Hamburgs erste Design-Anlaufstelle, das Stilwerk.
Als Stadtführer für die Brusttasche ist "Design in Hamburg" nicht konzipiert. Seine Stärke liegt vielmehr in den gut lesbaren, laientauglichen und informativen Porträts, die die Bilder und Produkte der Gestalter begleiten.
Petra Schwab "Design in Hamburg", Junius-Verlag, 224 Seiten, 24,90 Euro





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