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Kultur & Live

Galerie Kramer Fine Art

Menno Fahl: Zurück ins 20. Jahrhundert

Die Skulpturen und Gemälde von Menno Fahl zitieren die Nachkriegskunst. Sie sind zu sehen in unserer Galerie der Woche, Kramer Fine Art

Kaffeekanne trifft Saftkrug? Menno Fahl spielt mit Farbe und Form
Foto: Menno Fahl

Zu einem der bekanntesten Erlebnisse des zeitgenössischen Kunstpublikums zählt fraglos das Déjà-vu. Hier ein Zitat der Concept Art, dort ein kleines neodadaistisches Aperçu, woanders wiederum bemühte Wiederaufnahmen der Colourfield-Malerei. Was ehemals noch als Ausdruck mangelnder Eigenleistung galt, ist heute breit anerkannte Praxis.

Beharrlich verweigert sich die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts ihrer Musealisierung, solange sie jüngere Künstler immer wieder neu auftischen und auffrischen. Auch die Skulpturen und Gemälde von Menno Fahl, die zurzeit bei Kramer Fine Art ausgestellt sind, geben Anlass zu einem reichlich großen Déjà-vu-Erlebnis.

Wer nur kurz am Schaufenster der Galerie vorbeiflaniert, meint, ihm sei soeben der heilige Kunstgeist der 1950er-Jahre erschienen. Fahls Skulpturen und Gemälde wirken wie ein perfektes Remake von Assemblagen, Materialbildern aus Fundstücken, die einst der sachliche Dreiklang "Farbe, Raum, Figur" zum Leben erweckte. Aus ausgedienten Baumaterialien, treibgutähnlichen Hölzern, verbrauchten Dingen wie Silvesterraketenbatterien, Zeitungsausrissen oder Lochplatten errichtet Menno Fahl sein farbig-buntes Kunstpersonal. Hier baut sich ein stelenartig hochgewachsener Krieger fast bis zur Decke auf, dort wuselt ein "Struwwelpeter", gibt ein "Paar in Weiß" oder "im Schnee" sein Stelldichein. Ein Mann mit breitem Kopf verrät im Bildtitel die Herkunft seines rechteckigen Hauptes - "Toaster-Figur".

Fast nahtlos knüpft Fahl mit solch poetischen Figuren und seinen unbeschwerten Titeln an Zeiten an, als künstlerische Erfindung noch vom ungebrochenen Glauben an neue Welten getragen war. Und was einst der Ethnologe Claude Levi-Strauss als menschlichen Spiel- und Erfindungstrieb pries, die Bricolage, zu Deutsch die Bastelei, scheint auch Fahl zu beherzigen. Seine Figuren sind liebevoll zusammengezimmert, ihre Körper Schritt für Schritt aus ihren zweckentfremdeten Dingen errichtet und anschließend mit Farbe neu akzentuiert. Nicht einfach nur angemalt im klassischen Sinn. Sondern um Farbe wie mit einem eigenständigen und autonomen Material bereichert. Material- und Farbautonomie - auch diese Kriterien dürften bei dem einen oder anderen die Glocken der Erinnerung zum Läuten bringen.

Bei Menno Fahl liegen die Bezüge zur Kunst der Nachkriegsära, aber auch zur Klassischen Moderne nicht versteckt, sondern geradezu offen. Art brut, die Gruppe Cobra sowie zahlreiche weitere Quellen und Kunstahnen rufen sich angesichts seiner Werke in Erinnerung. Und das sollen sie auch. Menno Fahl macht kein Geheimnis aus seiner Vorliebe für eine Kunst, die vom Trieb beseelt war, Welten und Figuren parallel zur real existierenden Welt und Natur aufzubauen. Verspielte Kunstfiguren, denen ein wenig die Unschuld des Kindes anhaftet. Als ehemaliger Meisterschüler des Bildhauers Lothar Fischer, Mitbegründer der Gruppe Spur, zeigt sich Fahl ganz dem Erbe seines Lehrers verpflichtet.

"Mir geht es", so Fischers Credo, "um die Erfindung und Gestaltung immer neuer Figurationen, die aus den Mitteln, dem Material und dem Vorgang entstehen." Nicht nur Fischers, auch das Erbe seiner zahlreichen Mitstreiter scheint Fahl nun in seinem eigenen Kunstfigurenkosmos weiterzuführen. Weniger als Zitat, sondern aus innerer Überzeugung heraus, dass die Kunst des 20. Jahrhunderts noch lange nicht abgeschlossen ist.

Galerie Kramer Fine Art bis 9. Februar 2012: Im Farb-Raum - Menno Fahl, Altstädter Straße 13, T. 040/31 81 01 54; www.kramer-fine-art.de Öffnungszeiten: Di-Fr 12.00-18.30, Sa 13.00-16.00 und nach Vereinbarung. Öffnungszeiten zwischen den Jahren: vom 23. Dezember bis 9. Januar nur nach telefonischer Vereinbarung

 

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