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Kultur & Live

Steven Spielberg wird 65

"Ich staune manchmal, dass ich diesen Stress überlebt habe"

Steven Spielberg, Regisseur von "E.T." und "Indiana Jones" sieht "Schindlers Liste" als sein Hauptwerk. Spielberg wird 65 Jahre alt.

Erfolgs-Regisseur Steven Spielberg wird 65. In einem Interview verrät der Filmemacher, "Schindlers Liste" sei sein Hauptwerk
Foto: dapd/DAPD

Berlin/Frankfurt/Main. Ein Großmeister des Films feiert Geburtstag: Steven Spielberg wird 65 Jahre alt. Doch trotz seines Rentenalters denkt der am 18. Dezember 1946 in Cincinnati im US-Staat Ohio geborene Ausnahmeregisseur und -produzent Steven Spielberg offenbar nicht an den Ruhestand. Die Werbung für sein im kommenden Jahr startendes Historiendrama "Lincoln“ läuft bereits, und erst im Oktober kam seine computeranimierte Verfilmung der Abenteuer von Tim und Struppi in die Kinos. Der Regisseur von "E.T." und "Indiana Jones" blickt angesichts seines Geburtstages zurück und hält seinen Film "Schindlers Liste" und die daraus entstandenen Projekte mit Holocaust-Überlebenden für sein Hauptwerk. In der "Welt am Sonntag" sagte Spielberg: "Ich bin ein Amerikaner in der zweiten Generation. Meine Großeltern kamen aus Russland, Deutschland und Österreich. Unsere Familie verlor ein Dutzend Mitglieder im Holocaust. Es war also eine persönliche Angelegenheit für mich. Und dieses Filmen von Zeugen des Holocaust hat seit damals nie wieder aufgehört.“

Bei all der Arbeit an seinen laufenden und geplanten Projekten steht für Spielberg trotzdem die Familie an erster Stelle. "Ich arbeite an Wochenenden nicht. Wochenenden sind für meine Kinder da“, sagte er einmal. Auch zum Abendessen sei er immer zu Hause, wenn er nicht gerade für Dreharbeiten verreist ist. "Ich bringe die Kinder ins Bett, erzähle ihnen Geschichten und bringe sie am nächsten Morgen zur Schule.“

Wenn diese Gutenacht-Geschichten seinen Filmen entsprechen, dürften Spielbergs sieben Kinder jedoch einige Albträume gehabt haben. Schon mit seinem ersten großen Erfolg „Der weiße Hai“ versetzte Spielberg 1975 das Publikum in Angst und Schrecken. Was bei den Zuschauern für Nervenkitzel und grandiosen Erfolg an den Kinokassen sorgte, hatte für Spielberg aber auch eine persönliche Komponente. In jedem seiner Filme, in denen eine Figur in Gefahr gerät, verarbeite er seine eigenen Ängste, gestand die Hollywood-Legende.

Die Variationen des Themas "einsamer Junge“ gingen auf seine eigenen Erfahrungen zurück, sagte Spielberg in einem Interview des "Spiegel“. So findet etwa in dem Klassiker "E.T.“ (1982) ein kleiner Junge erst in einem Außerirdischen einen Freund und in "A.I. - Artificial Intelligence“ (2001) erzählt Spielberg die Geschichte eines auf Liebe programmierten Roboters in Form eines Kindes, dessen Eltern ihn einfach nicht lieben können. "Ich war einer dieser einsamen Jungen“, sagte Spielberg.

Regisseur Steven Spielberg arbeitete 1992 neben "Schindlers Liste" gleichzeitig an dem Dino-Film "Jurassik Park" und sagt selbst dazu: "Ich staune manchmal, dass ich diesen Stress überlebt habe.“ Er erklärte, die Dreharbeiten zu "Schindlers Liste“ müsse man sich wie ein Vierteljahr auf einem Friedhof oder in einem Krematorium vorstellen. Sie seien unter größter Anstrengung verlaufen: "Alle waren traurig und niedergeschlagen. Die meisten von uns hatten Geschichte noch nie so hautnah erlebt. Das ging an die Substanz.“

Seither liege ihm vor allem die Arbeit für die "Shoah Foundation“ am Herzen. "Das Dilemma ist doch, dass nicht schon früher damit begonnen wurde. Wir versuchen, alle Zeugen dieser Grausamkeiten zu befragen. Ein riesengroßes Erinnerungsbild entsteht da. Die Leute sollen erzählen, was sie damals durchmachen mussten. Und die Menschen heute sollen daraus lernen“, sagte Spielberg dem Blatt. Er betonte: "Ich glaube nicht, dass es möglich ist, in der Gegenwart zu leben oder eine Zukunft zu planen, wenn wir nicht wissen, was früher geschehen ist.“

Trotz aller Erfolge beim Publikum ging Spielberg bei Preisverleihungen aber lange Zeit leer aus. Zwar gewann der Sohn eines Elektroingenieurs und einer Konzertpianistin als 13-Jähriger mit seinem 40-Minüter "Escape to Nowhere“ einen Amateurfilmwettbewerb. Sein Kurzfilm "Amblin“ – so nannte er dann auch seine erste Produktionsfirma – wurde 1969 bei den Filmfestspielen in Venedig und Atlanta ausgezeichnet. Bei den Oscar-Verleihungen kam Spielberg jedoch lange nicht zum Zug. Trotz elf Nominierungen für seinen Film "Die Farbe Lila“ blieb ihm die begehrte Auszeichnung 1985 verwehrt.

Das änderte sich 1994. Spielbergs in Schwarz-Weiß gedrehtes Holocaust-Drama "Schindlers Liste“ wurde in diesem Jahr bei den Oscars als bester Film und Spielberg als bester Regisseur ausgezeichnet. Mit "Der Soldat James Ryan“ konnte Spielberg diesen Erfolg 1999 wiederholen. Beide Filme wurden ebenfalls mit dem Golden Globe als bester Film und Spielberg als bester Regisseur ausgezeichnet.

Über die Erfolge vernachlässigte Spielberg das Unterhaltungskino aber keineswegs. Mit "Catch Me If You Can“ (2002) oder "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ (2008), dem vierten Teil der 1981 gestarteten Indiana-Jones-Reihe, lieferte er bestes Familienkino ab.

Seit 1991 ist Spielberg in zweiter Ehe mit der Schauspielerin Kate Capshaw verheiratet. Sein Sohn Max stammt aus seiner ersten Ehe mit der Schauspielerin Amy Irving, die er 1985 heiratete. Die beiden trennten sich 1989. Capshaw brachte ihre Tochter Jessica mit in die Ehe. Zwischen 1990 und 1996 kamen die gemeinsamen Töchter Sasha, Sawyer und Destry Allyn zur Welt. Außerdem adoptierten die Spielbergs den Jungen Theo und das Mädchen Mikaela George. (abendblatt.de/dpa/dapd)

 

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