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Kultur & Live

Hellmuth Karasek

Von Elefanten und Mäusen: Soll das ein Witz sein?

Eine kurze Lach-Geschichte: Das diffizile Verhältnis zwischen Elefanten und Mäusen ist eine der Quellen des Humors, sagt Karasek.

Hellmuth Karasek
Foto: dpa

Die Anatomie, besonders der Rüssel des Elefanten, ist dem Witz stets eine Pointe wert. Davon handelt die Geschichte vom Elefanten und vom Kamel, die einander erstmalig begegnen, sich gegenseitig neugierig ansehen, um dann das folgende Gespräch miteinander zu führen:

"Komisch ist das schon", sagt der Elefant zum Kamel, als er dessen zwei Höcker eindringlich gemustert hat. "Du hast ja den Busen auf dem Rücken!"

Darauf erwidert das Kamel angemistet: "Du musst gerade hupen!"

Den folgenden Elefantenwitz verdanke ich Lutz Röhrich, und zwar seinem Buch "Der Witz. Seine Formen und Funktionen". Röhrich, damals Professor in Freiburg, ist Herausgeber des Handbuchs des Volkslieds und Mitherausgeber der Enzyklopädie des Märchens , hat also genau den idealen Ansatz für das Verständnis des Witzes als "Volksgut", als "Volksmund", als "Märchen" und "Volkslied" - all das verweist auf die mündliche Überlieferung des Witzes, die, unbeschadet der Tatsache, dass das Internet inzwischen Witze en masse gesammelt hat, immer noch eine der wichtigsten spontanen Traditionen und Tradierung des Witzes ist: Er entsteht und verbreitet sich wie ein "Lauffeuer". Und so verschwindet er auch.

Der folgende Witz spielt auf einer oder nach einer Safari und handelt ebenfalls von dem Missverständnis der Funktion des Rüssels bei Mensch und Elefant.

Auf der Safari gibt es einen Unfall. Einem der Männer ist ein wichtiger Teil seines Körpers abhanden gekommen. (So erzählt ihn Röhrich 1977. Wir würden heute sagen: Er hat bei einem Unfall sein Glied, seinen Penis verloren.) Ein Chirurg ist zur Hand. Er verpflanzt dem Mann anstelle seines verlorenen Glieds einen Elefantenrüssel. Die Operation gelingt.

Die Safariteilnehmer begegnen einander Monate später in der Heimat. Als der Chirurg seinen Patienten sieht, fragt er ihn, ob er mit dem Resultat der Operation zufrieden sei.

"Ja", antwortet ihm der Patient, "eigentlich sehr. Die Sache wird nur etwas unangenehm, wenn ich zu einer Party eingeladen werde, und es stehen Schüsselchen mit Erdnüssen auf dem Tisch."

Das Schöne an Witzen ist, dass ihnen neben ihrer Pointe alles andere gleichgültig, wurscht und schnurzpiepe ist, etwa: Wie läuft der Mann? Wie trägt er seine Hose? Was sagt seine Frau? Alles egal!

Röhrich erzählt noch mehr Elefantenwitze, die sich auf "groß und klein" im Verhältnis Rüssel zu Glied beziehen, aber das Verhältnis auf den Kopf stellen. Sie handeln von Liebesbeziehungen zwischen Maus und Elefant. Dabei aber ist, verkehrte Welt, "die Maus" der Mäuserich und "der Elefant" die Frau, also die Elefantenkuh.

Also erscheint der Mäuserich mit dem Elefantenmädchen beim Standesamt. "Ihr wollt heiraten?" Der Standesbeamte staunt nicht schlecht.

"Was heißt wollen", fährt ihn der Mäuserich an. "Wir müssen!"

Im anderen Witz müssen die beiden nicht. Es ist sozusagen eine echte Liebesheirat.

Ein Mäuserich und eine Elefantendame haben geheiratet. Nach einiger Zeit haben sie sich darauf geeinigt, dass es Zeit für Nachwuchs wäre. Sie gehen zu einem Apfelbaum, den der Mäuserich besteigt, um sich auf die Elefantenfrau herunterlassen zu können. Er gleitet vorsichtig auf seine Gattin und beginnt mit dem Zeugungsakt.

Plötzlich fällt der Elefantin ein Apfel auf den Kopf, und sie schreit laut: "Aua!" Darauf der Mäuserich: "Tut mir leid, Schatz, aber beim ersten Mal tut es immer etwas weh."

Vielleicht hätte ich wegen des Aua-Schreis lieber eine Kokospalme gewählt. Aber das Entscheidende des Witzes ist, dass seine Pointe in zwei Richtungen zündet. Einmal handelt sie von der falschen oder missverstandenen Kausalität, der Verwechslung von Ursache und Wirkung. Der Mäuserich hält sich für fähig und potent genug, den Schmerz bei der Elefantin ausgelöst zu haben.

Diese Ursache-und-Wirkung-Verwechslung gibt es auch bei einem Witz, der in der Zeit des Seekriegs auf dem Atlantik spielt. Im Zweiten Weltkrieg. Als die amerikanischen Waffenlieferungen England in die Lage versetzten, Deutschland 1940/41 zu trotzen. Aus der Zeit des U-Boot-Kriegs, der schließlich die USA in den Krieg hineinzog (was Roosevelt damit auch beabsichtigte, während er formal auf den Kriegsunwillen seines Landes vor Pearl Harbor Rücksicht nehmen musste). Also:

Auf einem Handelsschiff, das mit einer Kriegsgerätlieferung auf dem Weg von Amerika nach Europa ist, langweilen sich auf Deck ein Papagei, ein Esel und ein Affe auf der langen Atlantiküberfahrt.

Sagt der Affe: "Lass uns zum Zeitvertreib Verstecken spielen." "Wie geht das?", fragt der Papagei. "Also, du hältst dir die Augen zu und zählst bis zehn. Dann machst du die Augen auf. Und dann wirst du schon sehen, dass du uns beide nicht siehst. Und uns suchen musst."

Der Papagei schließt seine Augen und zählt: "Eins, zwei, drei, vier ..." Als er bei "zehn" ist, fährt das Schiff auf eine deutsche Mine (oder bekommt einen Torpedotreffer) und wird durch eine heftige Explosion zerrissen.

Kurz darauf treiben Affe, Papagei und Esel auf Wrackteilen durch den Ozean. Als der Papagei, der sich mit zerzaustem Gefieder an eine Planke geklammert hat, den Affen sieht, der ebenfalls auf einem Wrackstück herumtreibt, ruft er ihm empört zu: "Scheißspiel!"

Überflüssig zu sagen, dass er das Zählen von eins bis zehn für einen Countdown hält.

Auch der berühmteste Irrenwitz der Fünfzigerjahre beruht auf einem logischen Kurzschluss.

Zwei Irre betrachten den Regenbogen. Sagt der eine zum anderen: "Dafür haben sie Geld! Aber uns studieren lassen ist nicht!"

Irrenwitze funktionierten damals auch mit der Größe der Elefanten.

Wie kann man vier Elefanten in einem roten VW unterbringen? Ganz normal: zwei vorne, zwei hinten.

Woran erkennt man, dass die vier Elefanten zusammen ins Kino gegangen sind?

Daran, dass ein roter VW vor dem Kino steht.

Warum sind Elefanten grau? Grau macht schlank.

Genug des Spiels, zurück zum Mäuserich, der sein Eindringen in die Elefantin als Auslöser ihres Aua-Schreis betrachtet. Er sagt also connaisseurhaft: "Das ist immer so beim ersten Mal." Er spielt den Erfahrenen, ihr, der vorher Unberührten, Unerfahrenen gegenüber. Der Mann hatte sich damals vor der Ehe schon die Hörner abgestoßen, sollte es jedenfalls, die Frau war unbescholten, unerfahren. Für sie war es das erste Mal.

Auch im schwäbischen Pfarrhauswitz jener Jahre spiegelt sich wider, wie unbeleckt (wenn das Wort erlaubt ist) beide in die Hochzeitsnacht gingen. Ganz anders als der weltläufige, welterfahrene Mäusemann, der vor der Hochzeitsnacht Bescheid weiß.

Hier zwei Pfarrhauswitze. In beiden hat die Pfarrerstochter den Vikar geheiratet.

Die Mutter im Pfarrhaus ist am Morgen nach der Hochzeitsnacht besorgt, sie will wissen, wie es ihrer Tochter ergangen ist, ob die Ehe glücklich begonnen habe. Sie nimmt also die Tochter, als sich die beiden am nächsten Morgen allein begegnen, ins Gebet.

"Wie war's?", fragt die Mama. "Wie soll's gewesen sein?" Die Tochter zuckt die Achseln. "Ja, ich meine", sagt die Mutter, "hat er denn nicht ... Ich meine, ist er denn nicht mit dir ... Ich meine, ich bin deine Mutter, mir kannst du, mir musst du alles sagen. Hat er nichts mit dir gemacht?" "Doch, doch", sagt die Tochter, "doch, doch. Mitten in der Nacht ist er ganz aufgeregt geworden und hat an mir herumgesucht und ist immer nervöser geworden und hat vor sich hin gemurmelt: 'Nach Aussagen meines Freundes muss sich doch, verdammt noch mal, hier irgendwo eine Öffnung befinden.'"

Der zweite Witz geht ganz ähnlich.

Wieder erforscht die Mutter am nächsten Morgen die Tochter, wieder reagiert die eher achselzuckend und gleichgültig auf die Frage: "Wie war's?" Und die Mutter bohrt weiter: "War denn gar nichts? Ist denn gar nichts passiert?"

Bis die Tochter schließlich sagt: "Doch, doch. Mitten in der Nacht hat er mich am Kinn gekrault und unter den Achselhöhlen gekitzelt und hat dann stolz ausgerufen: 'Gell, ich bin ein Wilder!'"

Ich kehre zurück zum Elefanten. Und zu einer Frage aus der Zeit, bevor Oswalt Kolle die Deutschen darüber aufklärte, was sich so im Bett abspielt. Woran erkennen Sie, ob in Ihrem Bett ein Elefant schläft? Antwort: Er trägt auf seinem Schlafanzug ein großes E!

Und was groß und klein anlangt, beschreibt auch die folgende Begegnung im Wald:

Treffen sich zwei Tiere im Wald, die sich noch nie gesehen haben. "Wer bist du denn?", fragt das eine Tier. "Ich? Ich bin ein Wolfshund", antwortet das andere. "Wolfshund? Wie geht denn das?", fragt das eine Tier. "Ganz einfach", antwortet das andere, "Vater Wolf, Mutter Hund! Aber wer bist denn du?" "Ich? Ich bin ein Ameisenbär", antwortet das eine. "Ameisenbär?", sagt das andere. Pause - und dann: "Das glaub ich nicht."

Diesen Witz erzählte ich in einer Runde. Worauf mir am nächsten Tag eine Frau erzählte, sie habe dann weitere mögliche Tiere für diesen Witz gesucht, ihrem Mann und ihr sei noch der Ochsenfrosch eingefallen. Wir überlegten eine Weile und sagten dann: "Der allerdings kommt nur als Adoptivvater infrage."

Auch die von Kindern früher so geliebten Kaninchen müssen lernen, woher sie kommen. Da gibt es zumindest zwei Möglichkeiten.

In der Kaninchenschule ist Aufklärungsunterricht angesagt. Sagt am Ende der Stunde ein Kaninchen: "Ach, und was ist mit dem Zylinder?"

Für Begriffsstutzige und jüngere Menschen hier eine Erklärung: Früher gab es Kabarettvorstellungen, etwa im Hamburger Hansa-Theater am Steindamm, in denen Zauberer im Frack Kaninchen aus dem Zylinder zauberten.

So weit die Märchen- und Sagenwelt der guten alten Zeit. Die häufigste Redensart vom Elefanten neben der, wie er sich im Porzellanladen verhält, ist die: "Aus einer Mücke einen Elefanten machen". Von gutartigen Menschen dagegen heißt es, dass sie keiner Fliege was zuleide tun könnten. Im Übrigen ist auch dies ein Witz der Natur, dass eine Mücke (oder Fliege) einem Elefanten schwer zusetzen, ein Elefant aber kaum einer Mücke etwas zuleide tun kann.

Zum Schluss noch eine Frage, die nur im Englischen funktioniert, da wir im Deutschen nicht mit Füßen messen:

Why does an elephant have four feet?

Antwort: It's better than six inches.

 

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