Musiktheater
Hamburger Klangwerktage auf Kampnagel
Länderschwerpunkt der diesjährigen Klangtage ist der Iran. Mit zwei grundverschiedenen Musiktheaterwerken wurde das Fest eröffnet.
Auch die Raum-Klang-Installaion "KHIYAL" ist Teil der Klangwerktage auf Kampnagel
Foto: Khiyal/Kampnagel
Mit zwei grundverschiedenen Musiktheaterwerken und einem Déjà-vu-Erlebnis wurden am Donnerstag auf Kampnagel die sechsten Hamburger Klangwerktage eröffnet. Der Leiter der opera silens, Hans-Jörg Kapp, bewies mit seiner Inszenierung „Josefine singt“ nach Kafkas letzter Kurzgeschichte, dass man für gutes Theater nicht viel mehr als einen guten Text und gute Schauspieler braucht. Kurt Glockzin brillierte, obgleich regungslos auf einem Katafalk aufgestellt, in der Rolle des amusikalischen, blinden und brav-bürgerlichen Kunstkommentators. Wolfgang von Schweinitz hat zu dessen Abgesang auf die Musik etwas lädiert klingendes Cello-Gepiepse hinzukomponiert.
Mit einem wahren Overkill an Elektronik wartete dagegen der griechische Komponist Georges Aperghis in seinem neuen Stück „Luna Park“ auf. Hier zappelten und plapperten vier Protagonisten in Käfigen, die mit Monitoren, Kameras, Mikros und Bewegungsmeldern ausgerüstet waren. Selbst mit Surround-Sound konnte das virtuos inszenierte Medienkunstwerk, das am Pariser IRCAM produziert wurde, aufwarten. Und doch führte die Ausstellung der Protagonisten auf dem medialen Präsentierteller in ihrer hektischen Betriebsamkeit nicht mehr als das Scheitern von Kommunikation vor.
Klangwerktage: Das ist Kunst, da kann nichts weg
Eine sanfte Enttäuschung war die Installation, die Architekturstudenten der Hafen City Universität in der Kampnagelvorhalle aufgebaut hatten. Im dritten Jahr in Folge paraphrasierten die Studierenden aus der Klasse von Lothar Eckhardt nun dasselbe Grundkonzept: Nach Plastikschläuchen 2009 und Stäben 2010 war der Raum diesmal mit Plastikbahnen verhängt, der Zauber vergangener Jahre stellte sich so aber nicht mehr ein.
Mut bewies die Leiterin der Klangwerktage, Christiane Leiste, mit der Wahl ihres Länderschwerpunktes: Iran. Heute um 21:00 singt Marlis Petersen in der Uraufführung der „Irdischen Offenbarung“ des iranischen Komponisten Nader Mashayekhi. Sonntag um 20:00 spielen das Iranian Orchestra for Contemporary Music und das ensemble intégrales Werke von Alireza Mashayekhi und Burkhard Friedrich. „Josefine singt“ wird heute um 19:30 und Sonntag um 18:30 wiederholt.





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