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Kultur & Live

Mit Lust und Leidenschaft

Thalia Freunde: Der neue Förderkreis des Theaters lockt mit Angeboten.

Hamburg. Seit 1959 gibt es die "Freunde und Förderer" des Thalia-Theaters, zuletzt mit zirka 250 Mitgliedern. Sie haben privates Geld gesammelt in der Überzeugung, dass das Profil einer Stadt auch entscheidend durch seine Bühnen und die Qualität seiner kulturellen Angebote geprägt wird. So kamen zuletzt pro Jahr 200 000 Euro zusammen. Inszenierungen, Gastspielreisen und zusätzliche Aktivitäten, die das Theater aus seinem Etat nicht hätte finanzieren können, konnten so stattfinden. Nun soll der Förderkreis ein neues Gesicht bekommen, soll aktiver am Theaterleben teilhaben. Wer Förderer wird, darf auf eine Probe, kann an Hintergrundgesprächen teilnehmen und darf sich eins fühlen mit "seinem Thalia", das in diesem Jahr zum besten deutschen Theater gekürt wurde. Drei Gruppen von Förderern will man ansprechen: junge Leute, die einen Jahresbeitrag von einem Euro pro Lebensjahr zahlen müssten, Erwachsene, deren Mitgliedschaft 150 Euro im Jahr kosten soll, und Unternehmen, die 1500 Euro pro Jahr für den Kreis der "Thalia Freunde" beisteuern sollten. Hilfestellung beim Akquirieren neuer Fördermitglieder liefern drei Paten: Schauspielerin Fritzi Haberlandt, "Tagesthemen"-Moderator Ulrich Wickert und Martin Willich, Studio-Hamburg-Geschäftsführer. Wir sprachen mit ihnen und Thalia-Intendant Ulrich Khuon über ihr Engagement. ABENDBLATT: Was können Sie dazu beitragen, dass am Thalia gutes Theater stattfindet? MARTIN WILLICH: Wir glauben, dass das Thalia ein wesentlich höheres Potenzial hat, als es die Zahlen bisher deutlich machen. Deswegen wollen wir neue Gruppen ansprechen. Das Thalia ist das ökonomisch erfolgreichste deutsche Theater, aber ohne Unterstützung gehts eben dort auch nichts mehr. ULRICH KHUON: Zunächst geht es um sichtbare Identifikation. Wenn diese Paten sich zu unserem Theater bekennen, hat das Signalcharakter. Bei allen Ehrungen, die wir erreicht haben, muss man sehen, das Thalia ist nicht genügend in der Öffentlichkeit durchgesetzt. Wir haben gute Besucherzahlen, aber der "Nichtschmusekurs" unseres Hauses bedeutet auch, dass wir unserem Publikum manches erst näher bringen müssen. Diesen Weg könnten wir gemeinsam gehen. Mit den Freunden. Es gibt noch viele Menschen, für die es auf der Kippe steht, ob sie uns in ihr Herz schließen oder ablehnen wollen. Die wollen wir gewinnen. ABENDBLATT: Was können die Mitglieder des Freundeskreises als zusätzliches Angebot erwarten? WILLICH: Etwa an einer Gastspielreise des Theaters teilnehmen. KHUON: Wir fahren demnächst nach Kiew, Budapest, Madrid und Bogota. Wir waren in Amsterdam, Wien, Seoul. Für die Freunde sollen Sonderveranstaltungen dazukommen wie Foren oder Vorträge. Wir bieten Führungen hinter die Kulissen, ein Theaterfest, bevorzugte Reservierung von Premierenkarten und vieles mehr an. ABENDBLATT: Kann der Förderkreis dabei helfen, das, was auf der Bühne passiert, besser zu verstehen? KHUON: Natürlich. Man kann mit den Freunden gelegentlich eine Probe besuchen. Es sollen Beziehungen entstehen, die dem Verstehen dienen. FRITZI HABERLANDT: Es ist wichtig, zu zeigen, dass Theater vieles sein kann. Die Jungen haben vielleicht Angst vor dem, was die Alten sehen möchten; die Alten wollen nicht das sehen, was die Jungen interessiert. Aber man muss vermitteln, dass am Thalia ganz vieles möglich ist. Frau liebt Mann, Mann liebt Frau, das ist immer dieselbe Geschichte. Aber wie dies inszeniert ist, was man da dann sehen kann, das ist immer wieder neu und spannend. Da muss man sich vorher nur ein bisschen informieren, dann versteht man das schon. Ich war ganz begeistert von der Idee für junge Förderer. Ich dachte bisher, Förderkreise sind was für ältere Leute, die Geld übrig haben, um es zu spenden. Aber das hier hat etwas mit Lust und Leidenschaft zu tun. Das finde ich toll. ABENDBLATT: Warum sollte man dem Freundeskreis beitreten und das Thalia-Theater fördern? ULRICH WICKERT: Das Thalia hat immer wieder bewiesen, dass es Produktionen von Weltruf hervorbringen kann. Dort sehe ich viel von dem, was ich im Theater sehen möchte. Da könnte die Bandbreite sogar noch größer sein. Als Pate verstehe ich mich als Vertreter der Zuschauer. Das ist ein Aufruf an andere, dort auch mal hinzugehen, das Theater als spannenden Marktplatz wahrzunehmen. Ich gehe ins Theater, seit ich vier Jahre alt war und "Rumpelstilzchen" gesehen habe. Und ich gehe immer wieder ins Theater, weil hier etwas passiert, was ich im Kino nicht erleben kann. Alles ist sehr viel intensiver. WILLICH: Wir wollen keinesfalls den Staat aus seiner Verpflichtung entlassen. Im letzten Jahr haben wir mit sechsstelligen Euro-Summen Projekte möglich gemacht. Wir tun dies auch für unsere Stadt, für Hamburg. So erfolgreiche Bühnen wie das Thalia-Theater prägen das Gesicht einer Stadt nachhaltig.

  • Informationen Tel.: 040/32 81 42 80.

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