Ernst-Deutsch-Theater
"Der nackte Wahnsinn": Schnaufen, saufen, raufen
Die Komödie über eine Schauspieltruppe versackte im ersten Akt in völliger Humorlosigkeit und nahm erst nach der Pause Fahrt auf.
Das Ensemble von "Der nackte Wahnsinn"
Foto: Oliver Fantitsch
Hamburg. Das hätte ein echter Sylvesterknaller werden können, Michael Frayns Stück "Der nackte Wahnsinn", das das Ernst-Deutsch-Theater nun mit mit dem Schlagersänger, ehemaligen TV-Moderator und Schauspieler Michael Schanze herausbrachte.
Doch Fred Berndts Inszenierung der raffinierten Komödie über eine dilettantische Schauspieltruppe versackte im ersten Akt in völliger Humorlosigkeit, unterscheidet überhaupt nicht zwischen den Rollen, die die Schauspieler als Darsteller spielen und denjenigen, die sie in ihren privaten Krisen zeigt.
Erst nach der Pause, wenn man die total enthemmten Schauspieler backstage sieht, wenn man ihren Liebes-, Text- und Spielverwicklungen zuschauen kann und sich dabei über das dumme Blondchen (Katharina Pütter), den schwerhörigen Einbrecher (Michael Bideller), das fernsehsüchtige Hausfaktotum (Maria Hartmann) oder die eifersüchtige Flavia (Christiane Leuchtmann) ausschütten kann, kommt Stimmung auf. Dann gibt es Verwicklungen mit Tellern voller Sardinen, die stets zur falschen Zeit auftauchen, Liebespaaren, die am falschen Ort sind oder Türen, die zu früh oder zu spät aufgehen.
Das Stück, das Frayn 1982 schrieb, gehört bis heute zu den meist gespielten Komödien auf deutschen und englischen Bühnen. Zu Recht. Es ist saukomisch. Im Ernst Deutsch Theater hat man leider zu viel Dampf gemacht. Es ist zu laut, zu hektisch und zu wenig differenziert. Schnauf, sauf und rauf ergeben keine Komik, sondern eben nur ein Klamotte. Zum amüsieren taugt es nach der Pause aber doch.





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